Subkultur in Westberlin am Beispiel des SO36 – Annotation zum Buch „SO36, 1978 bis heute“ von Sub Opus 36 e.V.

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© Ventil Verlag
So bunt wie das Programm des SO, das von Undergroundbands über Türken-, Schwulen- und Queerpartys ging, so unterschiedlich sind die Schriftbeiträge. Die große, ordnende Hand fehlt, was wahrscheinlich Absicht ist, um der irren Vielfalt ihren Lauf zu lassen. Das Buch ist voller Interviews, großartiger Fotos und Dokumente, crazy Ego-Texten, wertvollen und überflüssigen Infos. Es ist bunt, weil auch die Szene nie homogen war. Wenn Nachtflohmärkte neben Dead Kennedys und Kiezbingo stehen kann, ist das schon ein pralles Alleinerkennungsmerkmal. Es leistet in jedem Fall einen Beitrag zur Historisierung des späten Westberlin und ist ein schönes Dokument aus einer Zeit, als Beton manchmal brannte und im Schwabenland Kreuzberg noch ein gefürchteter Ort war, wo für viele Kids der Generation Bausparvertrag der Abstieg in die Hölle lauerte.
Dem Band liegt eine DVD bei, u.a. mit Filmen von Peter Müller und Ines De Nil, zahlreichen Interviews sowie weiterem umfangreichen Videomaterial.
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Sub Opus 36 e.V. (Herausgeber), SO36, 1978 bis heute, 480 Seiten, Ventil Verlag, Mainz, April 2016, ISBN: 3-955-75054-1, Preis: 36 Euro (D)
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