Spektakulären Auftakt im Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit der „Kunstkammer Rau“ – 35 italienische Meisterwerke aus fünf Jahrhunderten: „Tiepolo und das Antlitz Italiens“ am Rhein

Im Pavillon, in der „Kunstkammer Rau“ des Arp Museums Bahnhof Rolandseck „wird mit dieser Ausstellung von bisher noch nie öffentlich gezeigten Werken von Tiepolo eine Weltpremiere gefeiert“, freute sich der renommierte Kunsthistoriker Klaus Gallwitz. Kunsthistorikerin Dr. Susanne Blöcker führte durch diese „Kunstkammer Rau“ im Pavillon dieses großen Museums auf der linken Rheinseite südlich von Bonn und erläuterte mit Fachkenntnis, Kompetenz und spürbarer Begeisterung die ausgesuchten Kunstwerke, die nun den Pavillon des Neubaus von Richard Meier (Weltexpress berichtete) beleben.

Diese Kunstwerke sind eine erste Auswahl von 240 großartigen und wertvollen Werken aus der Sammlung Rau, die sich als langfristige Leihgabe der UNICEF-Stiftung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck befinden. Eigens für sie wurde diese „Kunstkammer“, aufgeteilt in drei durchgängigen Räumlichkeiten eingerichtet, wo die Besucher die wertvollsten und dem Sammler Rau selbst liebsten Werke seines vierzigjährigen Sammlerlebens in der Folge in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden. Gustav Rau hatte bestimmt, dass die Hauptwerke seiner Sammlung bis 2026 öffentlich gezeigt werden. Die übrigen zirka 800 Werke werden unter Hinzuziehung von Kunstexperten nach und nach verkauft, und die Erlöse fließen in die UNICEF-Stiftung – für die Kinder der Welt, was immer ein Hauptanliegen des Kunstsammlers und Kinderarztes Dr. Rau war. Wörtlich hatte er bei einem Erbvertrag verfügt – und schenkte im Vorgriff auf das Erbe UNICEF den größten Teil im Oktober 1999 – : „Ich weiß meinen materiellen Besitz nun in guten Händen, ich vertraue ihn einer Organisation an, die sich dem einzigen Sinn verschrieben hat, den ich auch meinem Leben gegeben habe: die Hilfe für Not leidende Kinder.“

Diese erste und aktuelle Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt Stillleben, Interieurs, Heiligendarstellungen, Landschaftsbilder und Porträts bis in die Moderne, Kunstwerke, die alle dem Thema Italien gewidmet sind, facettenreich in ihrer 500-jährigen kunsthistorischen Entwicklung.

Für eine Riesenüberraschung ist gesorgt, denn im Zentrum dieser ersten Ausstellung in der „Kunstkammer Rau“ stehen sechs 2,60 Meter hohe goldfarbene Fresken von Giandomenico Tiepolo (1727-1804), dem Sohn und Mitarbeiter des großen Giambattista Tiepolo, die noch nie in einem größeren Rahmen öffentlich gezeigt wurden und ehemals einen Raum im von Palladio gebauten Palazzo der Familie Porta in Vicenza schmückten, eine Familie, von der um 1757 der venezianische Rokoko-Maler Tiepolo den Auftrag erhielt, einen Raum ihres Familienpalastes in Vicenza auszuschmücken. Die spannende Geschichte der Ahnen dieser Familie wird im historischen Gewand erzählt, die vom 11. bis 17. Jahrhundert das Schicksal der Republik Venedig beeinflussten. Kunst und Geschichte gehen auf diesen auf Leinwand übertragenen Wandmalereien eine beeindruckende Symbiose ein.

Im zweiten Raumteil geht die Reise ins frühe bis ins späte Mittelalter mit Arbeiten voller Emotionalität des Malermönches Fra Angelico (vor 1395-1455), ein Porträt des Leonardo-Schülers Bernadino Luni (um 1485-1532), dann ein monumentales Werk, der Kampf Davids gegen Goliath und die Verführung Josephs durch Potiphars Frau von Guido Reni (1575-1642) oder Giambattista Caracciolo (1578-1635). Wer das „Porträt der Maddalena del Grande“ (1634-1713), Öl auf Leinwand malte, ist unbekannt. Unerwartet intensiv und lebendig blickt die alte Dame, wahrscheinlich eine Dienerin, direkt in die Augen ihrer Betrachter.

Im dritten Raumteil lächelt eine rätselhafte unbekannte und zeitlose Schöne dem Betrachter schon von Ferne entgegen, ein allegorisches Porträt einer jungen Frau als Flora. „Sie steht für Frühling, Frische und Mai“, so die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Blöcker bei ihrer Erklärung zu diesem Bild aus dem 18. Jahrhundert von Tiepolo, das auch den Prospekt ziert. Hier geht die erlebnisreiche Reise durch die italienische Kunst vom Mittelalter bis in die Moderne, von Venedig mit lichtdurchfluteten Plätzen des berühmten Canaletto (1697-1768) und dem temperamentvollen Karnevals-Maskentreiben von Pietro Longhis (1702-1785).

Mit der Präsentation dieser Werke in der „Kunstkammer“ gelingt eine Verbindung über Jahrhunderte, setzt alte und neue Kunst in einen Dialog. Das gelingt im Arp Museum bis hin zum „Stillleben mit Flasche und Gläsern“ von Giorgio Morandi (Bologna, 1890-1964), wobei dieses Werk in dem obersten Ausstellungsraum des Gesamtmuseums ausgestellt ist und damit eine Linie in die Gegenwart zieht.

Die „Kunstkammer Rau“, „Tiepolo und das Antlitz Italiens“ ist bis zum 22. November 2009 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck geöffnet.