Sizilien einmal ländlich – Agritourismus und Historie südöstlich des Ätna mit Trekking, Höhlenwanderung, Küsten-Biking, Surfen und Segeln

0
435
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015
Sizilienreisende wählen meist die vom Tourismus überlaufenen 0rte. Wohltuende Alternativen im Südosten der größten Insel des Mittelmeers erkunden wir in unserer 4-tägigen Reise durch die Provinz Ragusa. Die „Associazione Culturale Glocal“ , finanziert vom FEASR (dem europäischen Fonds zur Entwicklung des ländlichen Tourismus) hat dieses Projekt ins Leben gerufen.
Im Verwaltungsdistrikt Val di Noto – einem von insgesamt dreien – wird ursprünglicher Agritourismus groß geschrieben. Sportlichen Aktivitäten sind Trumpf, bei denen es gilt, historische Schätze zu entdecken, wie die Sarazenen-Alarmkette der Normannentürme oder auch das Tal der hundert Höhlen, in denen zuletzt Pasolini und seine Clique weilten.
Bei guter Sicht mit Blick auf den Ätna und auf Malta sind Honigproduktion, Kaktusplantagen, große Bauernhöfe, Herstellung vom berühmten Ricotta DOP, einem Frischkäse, mediterrane Köstlichkeiten zu entdecken – hier wird Reisenden Genuss für alle Sinne geboten!
Typisch für die Region ist auch der 10 bis 20 m hohe Johannisbrotbaum mit seiner bis zu 15 m großen Krone, aus dessen 10 bis 30 cm langen, schokoladenbraunen Hülsenfrüchten Saft, Sirup, Kaftanhonig oder Karob-Pulver gewonnen wird, welches zur u.a. Eis-Herstellung verwendet wird: gelato di carrubo! Carrubo ist auch als Medizin verwendbar bei Halsschmerzen in Bonbonform. Außerdem sagt man dem Carubin auch noch Hilfe bei Verdauungsstörungen, Diabetes, erhöhtem Cholesterin und Fettsucht nach. Die alten Ägypter nutzten es auch zur Mumifizierung ihrer Toten. Zurück zu den Lebenden:
Marina di Ragusa
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Standort unserer Entdeckungstouren ist der bezaubernde Badeort Marina di Ragusa, der mit seiner kilometerlangen, palmengesäumten Strandpromenade „Lungo di Mare Andrea Doria“ Alt und Jung einlädt zum Promenieren ins historische Zentrum, zum Verweilen mit einem Gelato oder einer Pizza auf die Hand sowie zum Fischessen in einem der urigen Restaurants direkt am Strand. Seit der Hafen um einen U-Arm aus Beton erweitert wurde, an dem mittelgroße bis große Jachten und Katamarane anlegen, brechen sich die Wellen an einer gewissen Stelle so günstig, dass Surfer und Kite-Surfer hier einen neuen In-Ort entdeckt haben.
Schwarze Immigranten verkaufen Schmuck in der Altstadt. Die blaue Flagge, Zeichen für optimale Wasserqualität, findet sich überall entlang der Küste des Val di Noto. Simone, einer unserer Gastgeber vom „Glocal“ erzählt mit den typischen sizilianischen Handgesten ganze Romane und präsentiert uns Delikatessen: „Ragusano DOP“-Käse (Caciocavallo ragusano), Provola fresca siciliana-Käse, Peccorino siciliano mit rotem und schwarzem Pfeffer sowie Pistazien,  Cannolo (mit Ricotta gefüllte, frittierte Teigrolle) und Arancino (frittierte, gefüllte Reisbällchen) lauten neben anderen die typisch sizilianischen Gaumenfreuden des ersten Tages. Nicht zu vergessen der Vino bianco und rosso des Ätna, in dem man die Lavaerde tatsächlich zu erschmecken glaubt. Sizilianisches Bier entdecken dann die Nachtschwärmer unserer Gruppe in der „Light-my-fire“-Bar in Marina di Ragusa.
Monte Iblei – Hybläische Berge
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Heute geht es in die Berge, den Honigbienen und ihren köstlichen Produkten auf der Spur. „Miele dei Monti Iblei Company“. Nach einer Fahrt hinauf in die Berge, an der Küstenstraße entlang, vorbei an Burgen und am Vogelschutzgebiet „Riserva Naturale del Fiume Irminio“ – empfangen uns mit einem sympatischen Lächeln und offenen Armen Emanuele Agosto und seine Familie. 4.500 kg/Jahr Honig sammeln ihre fleißigen Bienchen vom Johannisbrotbaum (Carrubo), Kastanien, 1000-Blumen, Orangenblüten, Thymian – kurzum, alles, was ein Honigbär-Schleckermäulchen sich wünschen könnte. Auch der antibiotische Tausendsassa Propolis, Kittharz der Bienen, gewinnt Emanuele seinen Api (Bienen) ab. Er zeigt uns die Bienenstöcke, die Bienenkönigin, die Maschinen, mit denen er den Honig schleudert und gewinnt. Aus dem Bienenwachs stellt er Kerzen, Seife und Zitronen- und Lavendelcremes her und: last but not least verrät er uns ein Geheimnis: eigentlich sei es nur im Trentino erlaubt, aus dem Bienenwachs Grappa zu gewinnen. Nicht nur zum Trinken sei die alkoholische Destillation gut, sondern es wirke auch bei Gelenkschmerzen. Emanuele weist sympatisch lächelnd auf sein Ellbogengelenk, bevor es dann zur Verkostung der Köstlichkeiten mit selbstgebackenem Kuchen, Ricotta, Käse und Fleisch geht. Die Produkte sind auch online verkäuflich. Zudem ist Miele dei Monti Iblei di Agosta Emanuele auf Facebook zu finden.
Modica, Unesco-Weltkulturerbe – spätbarocke Stadt des Val di Noto
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Vorbei an Orangenplantagen, Olivenhainen, mit Plastikplanen abgedeckten Gewächsplantagen mit Cherry-Tomaten, Zucchini und Auberginen, vorbei an saftigen Wiesen („Chiuse“  genannt, da von Steinmauern umrundet), auf denen das Modica-Rind, Modicana, die typische Kuhrasse von Modica, das Grün genießt, geht es hinauf nach Modica, unterteilt in Modica alta (hoch) und Modica bassa (tief).
Unser Guide Salvatore, der auch ein paar Worte Deutsch spricht, erzählt und von der wechselvollen Geschichte, in der sich Griechen, Römer, Araber und Normannen gegenseitig das Szepter aus der Hand rissen. 1693 zerstörte ein schweres Erdbeben die Stadt und sie wurde im Stil des sizilianischen Barocks wieder aufgebaut. San Giorgio (St. Georg) und San Pietro (Hlg. Petrus) heißen die beiden rivalisierenden Kathedralen der Stadt, deren auf die Berge hingegossene Schönheit der Architektur nicht zu enden wollen scheint beim Gang von der Ober- zur Unterstadt. Im Dom San Giorgio (12. Jh) , in den ein 250-stufiger Treppenaufgang führt, befindet sich – neben anderen schönen Pretiosen –  eine Sonnenuhr, die das Datum anzeigt durch den variierenden, sich ins Dominnere bahnenden Lichtstrahl der Sonne.
San Pietro imponiert durch einen Treppenaufgang mit 12 Aposteln. An einem Panoramapunkt, wo ein Zeichen des jüdischen Viertels zu sehen ist, erzählt er von der grausigen Vergangenheit, als die aus Sizilien verbannte Hebräer zurückkehrten und wohl den Tag Maria Himmelfahrts nicht genügend respektierten. 300 Tote habe es gegeben und der Fluss habe sich rot von Blut gefärbt. Rhetorische Frage: „Den Sizilianern sagt man nach, sie seien heißblütig”¦.?“
Ausgeruht vom Sightseeing wird dann in der besten Cioccolateria modicana „Caffe dell Arte“ und ausgiebig Schokolade in Likör oder Tafel- oder anderer Form genossen. Schon während des Direktfluges Berlin-Catania wiesen mich meine Sitznachbarn, sizilianische Wissenschaftler, darauf hin, wie berühmt die Schokolade von Modica sei.
Scicli (sprich: Schikli), Unesco-Weltkulturerbe – spätbarocke Stadt des Val di Noto
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Unweit von Modica gelegen empfängt uns Scicli ebenfalls mit einem imposanten Ensemble an spätbarocken, architektonischen Kostbarkeiten. Beim Bummel durch das historische Zentrum ergötzt sich nicht nur das Kunsthistorikerherz an Prachtbauten wie dem Stadtpalast, dem Palazzo Spadaro mit seinen Prunkräumen, Palazzo Fava, Palazzo Beneventano mit barocken Balkonen, der ehemaligen Domkirche San Matteo und vielen weiteren Attraktionen. Der Feinschmecker in uns wird magnetisch angezogen vom Shop „Tesori del Mediterraneo“, wo in Kooperation mit dem Café vis-í -vis lokale Köstlichkeiten nicht nur zum Verkauf, sondern gleich vor Ort zum Verzehr angeboten werden. Nero d’Avola, die typische sizilianische Rotweintraube, fließt in Strömen zu Gourmetgenüssen wie „Maccu di Fave“ (dicke Bohnen auf sizilianische Art), Ricotta DOP, Crostini di pane con Paie di Riccioca (Fisch), Confettora di Pomodoro datterino, Focacce con Melanzane/Pomodoro, Cipolla, Pagnotte con Pomodorocicliegino/Olio, Pasta con Broccoli/Mollica – Sie wissen nicht, was das ist? Herkommen und kosten!!!! Probieren geht über studieren!
Als „Dolce“ (Nachtisch) gibt es Cannoli, die der Hausherr von zwei Seiten her füllt, wahlweise mit Mandel-Ricotta, Pistazie oder Schokolade. Dieses wird dann noch in Pistazienraspeln getunkt. Achtung, kann süchtig machen und hat natürlich Null Kalorien! Dazu reicht er noch Cioccolata modicana als Pudding in Fischform sowie Gelo di Carrube (Johannisbrotbaum-Eis), Amaretti alla Carruba. Im Delikatessengeschäft vis-í -vis kauft unsere Gruppe ein, als ob es kein Morgen mehr gäbe – zu verlockend sind die außergewöhnlichen lokalen Spezialiäten.
Um die Gaumenkitzel noch zu toppen, begegnen wir noch Umamí¬ Tisaneria, dem Besitzer vom „Umami-Shop“, der 150 Kräuter auf seinen Ackerböden kultiviert, womit er Restaurants beliefert und ebenfalls Delikatessen wie flavour pasta und paté verkauft unweit des Tesori del Mediterraneo.
Keramikshops mit den typischen Maurenköpfen (political correct?) und anderen schöpferischen Keramikkreationen säumen den Rückweg. Wir sehen noch kurz die von der Parade übrig gebliebenen, üppigen Blumen-Pferdedekorationen, die von einem Corso zu Ehren des Heiligen Josefs stammen, der am 19. März gefeiert wurde.
Last but not least sehen wir noch in einer Kirche die „Madonna delle Milizie“, eine Muttergottes in Rüstung, wie wir sie in Nordeuropa nicht kennen: hoch zu Roß mit einem Speer in der Hand Sarazenen tötend, die damals Scicli quälten. Die Holzstatue wird jährlich im Mai in einer Prozession durch Scicli geführt.
Kakteenfarm und Agriturismo – „Vivai del Valentino Farm“ und “Dimore del Valentino”
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Im Abendrot vorbei am Grün der Gewächsanlagen der Region empfangen uns nach 10 Minuten Fahrt  im „Vivai del Valentino“ die sympatischen, jungen Geschwister Denise  und Leo und – nicht zu vergessen, die Eselin  und Kinderfreundin Liliane! Sie ist ein „scecco“, eine ragusanische Eselsrasse. Eselsmilch sei gut für Babys, erfahren wir. Dass Kleopatra darin ihre Schönheit konservierte ist Allerweltsgut, oder?
Schwiegermütter aller Länder – vereinigt Euch! So viele „Schwiegermüttersitze“ wie hier gibt’s nirgendwo! Im Familienbetrieb wird alles gezüchtet, was Stacheln hat und kann auch im onlineshop erworben werden. „Wer einen der riesigen Schwiegermüttersitze hochheben kann, erhält ihn umsonst!“,  scherzt ein Kollege.
In der Unterkunft „Dimore del Valentino“ finden sich schöne, schlichte Zimmer mitten in der Kaktusplantage mit Schwimmbecken – Erholung ist hier absolut gewährleistet (70 €/Nacht p.P.),
Radtour „3 Torri“ (3 Türme)  entlang der Küste
Am nächsten Morgen geht es entlang der Küste zum Rondello Naturpark, unweit von Santa Croce Camerina. Hier stehen Mountainbikes bereit für eine Tour, die zuerst über mehr oder minder gut asphaltierte, auch geröllhaltige Wege durch den Park führt mit seinen duftenden Pinienwäldern – Richtung Meeresküste, wo uns spektakuläre Ausblicke erwarten. Bezaubernde, einsame goldene Sandstrände, die kilometerlangen „Spiaggione“ von Rondello – von Kennern geschätzt – erwarten uns. Hier beginnt der Weg der 3 Normannen-Türme. Über „Stock und Stein“-  und Sand – führt er durch die mediterrane Macchia, vorbei an vereinzelten Hobbyfischern zur Punta Braccetto, einem geschichtsträchtigen Badestrand.
Schon vor Christus besiedelt, folgte eine griechisch-römische Epoche, übernommen von den Normannen im Königreich Sizilien. Um 1600 bauten diese ihre Abwehr- und Schutzkette an Türmen gegen nordafrikanische Piraten: den Torre (Turm) Vigliena, in Sichtweite des Torre di Pietro, dieser wiederum in Sichtweite des Torre di Mezzo. Zusammen mit dem Torre Scalambrina in Punta Secca, dessen Reste wir im weiteren Verlauf unserer 12 km Radtour besichtigen können, entstand so eine Signalkette bei Überfällen, bei der mit Rauchzeichen die jeweiligen Nachbartürme informiert wurden. In Punta Secca gibt es noch einen schönen Leuchttum zu bewundern und verschiedene Restaurants und Cafés, darunter der „Rosengarten“. „I never promised you a rosegarden?“ Doch, es ist ein Rosengarten: wunderschön!
Francesco, einer unserer Begleiter der „Associazione Culturale Glocal“, erklärt uns, dass es insgesamt 4 Campingplätze hier gäbe, darunter auch einer der Glocal assoziiert sei. Bei vielen Deutschen seien die Campingplätze sehr beliebt. Auch ein ruhiges Bed & Breakfast mit Meerblick finden wir auf unserem Weg. Obwohl ein ordentliches Lüftchen pfeift – Levante-Est, einer von 12 Winden, die Sizilien umtosen können – ist die Tour ein Genuss – bei Sonnenschein sicherlich noch schöner!
Unsere Fahrradhelme waren keine Attrappe – „fasten your seatbelt“ könnte das Motto lauten oder auch: die Strecke ist nichts für Anfänger oder gehandicapte Senioren! Etwas Kondition sollte vorhanden sein!
Punta Secca diente auch als Filmkulisse für die italienische TV-Serie „Il Commissario Montalbano“, einem Antimafia-Inspektor. Filme mit dem Thema Mafia werden auf ganz Sizilien gedreht. Kennen Sie „Capitano Catania“ fragte mich der Berliner Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen. „Ein Antimafia-Kommissar-Film, dreißig Jahre alt.“ Von Mafia sehen wir jedoch weit und breit nichts, nur schöne Natur und friedliche Bürger. Die finsteren Gesellen versammeln sich dann auch wohl eher gern im Norden der Insel. Mit diesem traurigen Kapitel wird man hier jedoch in keinster Weise konfrontiert – ganz im Gegenteil: alle Sizilianer und Sizilianerinnen sind warmherzig, strahlend lächelnd und empfangen uns mit offenen Armen!
Santa Croce di Camerina
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Auf dem Weg zur Bürgermeisterin Franca Iurato des 6 km entfernten Santa Croce’s werden wir noch herzlich auf dem La Terra Bauernhof empfangen, mit Zucchini, gebraten sowohl in Ei als auch in Pasta sowie einem Nero d’Avola-Wein. Ein kurzer Blick auf das riesige Anbaugebiet und weiter geht’s – mit Olivenöl und Zucchini als Geschenk und Souvenir.
Santa Croce ist festlich geschmückt – S. Giuseppe, der heilige Josef, wird an seinem Ehrentag, dem 19.März, in ganz Sizilien gefeiert.
Die Bürgermeisterin begrüßt uns innigst: Ihre Schwiegertochter sei Deutsche! Den Bildband „Archaeotur“ mit phantastischen Bildern von archäolgischen Schätzen im Iblei und auf Malta gibt es mit auf den Weg.
Sizilianischer Käse (Ricotta und Ragusano DOP) auf Cilia’s Bauernhof
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Unendlich viele Masserien (Bauernhöfe) bieten in der Region für Touristen Kost und Logis im Naturambiente, erzählt Francesco von „Glocal“. Vorbeifahrend an den für Ragusa typischen „Chiuse“, den von kleinen Trockensteinmauern umrahmten Weide- und Anbauflächen – die zum Schutz gegen Nachbarweidevieh errichtet wurden, erreichen wir den Bauernhof Cilia’s. Der Bauer zeigt uns mit Hingabe den Produktionsprozess von Ricotta, dem typischen italienischen Kuh- oder Schafsmilchfrischkäse. Er gibt Rahm zur Molke und durch Zugabe von Zitronensäure wird der Ricotta bei 90 °C Köcheln und Abschöpfen von der Oberfläche gewonnen. Silvio Rizzo, unser pfiffiger Begleiter, Fotoreporter und therapeutischer Clown in Krankenhäusern, genießt sichtlich und mit Wonne den warmen Ricotta, der uns in kleinen Schalen serviert wird – neben Wurst vom schwarzen Schwein, Ragusano DOP, einem milden, goldfarbenen Rohmilchkäse, würzigen, großen Oliven und einem guten Hauswein. Als Gastgeschenk gibt es noch Ricotta mit auf den Nachhauseweg ins Hotel.
Ragusa, Provinzhauptstadt (Unesco-Weltkulturerbe) – spätbarocke Stadt
Zum Abendessen werden wir nach Ragusa-Ibla ausgeführt, ins stilvolle Hotel-Ristorante Il Barocco.
Die geschichtsträchtige Stadt sehen wir nur „by night“ im Vorbeifahren – ihre Schönheit bezaubert allemal! Der zweiteilige Stadtkern wird durch eine Schlucht getrennt. Die Unterstadt Ragusa-Ibla, wo sich auch das Hotelrestaurant befindet, bezaubert mit prächtigen Bauten im Stil des sizilianischen Barocks aus dem 18. Jahrhundert. Hier befindet sich ein großer Teil barocker Kirchen und Paläste.
Großes Kino: Im Restaurant wird „Slow Food“ Gourmet-Gemüse der Region zelebriert: große Platten für alle mit Paprika, überbacken mit Peccorino, überbackene Auberginen, gefüllte Tomaten, gefüllte Zucchini, Mören, Austernpilze. Bei der Super-Qualität wundert es nicht, dass Vorreservierungen nötig sind!
Historische Wassermühle – Mulino ad acqua Ispica
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Am nächsten Morgen führt uns die Fahrt von Marina di Ragusa an der Küste entlang über Donnalucata, Cava D`Aliga, Sampieri, Marina di Modica und Pozallo (in dessen Hafen die Katamaran-Fährverbindung zu Malta stattfindet) zur historischen Wassermühle von Ispica. Während der Fahrt erzählt unsere Begleiterin Rossana noch, dass sehr viel kulturelle Angebote in der Region vorhanden sind: Freiluftkino im Sommer, Theatervorstellungen im Castello Donnalucata. Besonders viele dieser Kulturveranstaltungen gäbe es in Syracuso im Mai/Juni.
“Das Wandern ist des Müllers Lust” – vor unserer heutigen Wandertour statten wir noch Müllers Wassermühle einen Besuch ab. Beliebt bei Groß und Klein sind diese Ausflüge zur Wassermühle in der Nähe von Ispica und Modica. Die Familie Cerruto pflegt das Erbe ihrer Vorfahren, so dass in einem gut erhaltenen Museum auch heute noch begehrtes biologisches Mehl aus dem Johannisbrotbaum gemahlen wird – ein beliebtes Mitbringsel der Besucher. Ein Rundgang ist mit einem Audioguide in Deutsch ist im Cavallo d`Ispicia möglich.
Parco Archeolgico di Cava Ispica – die Höhlenschlucht von Ispica
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Von der Wassermühle geht die Fahrt weiter zur Cava Ispica, einer 13 km langen, tiefen, breiten Schlucht in einem Karstplateau.
Von der Heiligengrotte „Chiesa rupestre di San Nicolo“, geht es auf Schusters Rappen über blühende Wiesen und Auen durch die breite Schlucht – vorbei an bis zu 6-etagigen Höhlenwohnungen, die sich Menschen in den Stein hineingehauen hatten, wie uns der Archeologe Allessandro erklärt. Er zeigt uns das „Gymnasium“, die Katakomben von Antoni und Larderia und führt uns in einige dieser „gastlichen“ „Apartment“-Wohnhöhlen hinein.  Bis 1935 haben hier noch Menschen in den "Spaccaforno" gelebt, bevor sie ein Erdbeben vertrieb. Pasolini und seine Clique sollen hier auch eine Zeit verbracht haben, weiß Allessandro zu berichten.
Düfte und Aromen der Cava Ispica
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Enzo, Maria und ihr Mann empfangen uns in ihrem kleinen Gehöft und haben da schon mal was vorbereitet für die müden Wanderer: Ricotta mit Thymian Honig und Ragusano DOP, mit Ricotta gefüllten Blätterteig, besonders würzigen Pesto aus getrockneten Tomaten, wilden Fenchel und eine leckere Dicke-Bohnen-Suppe „fava cottoia“. Nero d’Avola krönt den Schmaus! Als Dessert Vanilla Orangen und Enzo zeigt uns die „Türkenköpfe“ – politisch sicherlich nicht korrekt, aber lecker, diese Blätterteigkuchen!
Enzo, der im Sommer auch Gruppen í  15 Personen mit 10 €/Kopf durch die Cava führt, bläst denn auch zum Abmarsch! Weiter geht es durch die Schlucht und jetzt folgt der Teil für Fortgeschrittene. Mit wunderbarem Panoramablick durch die Schlucht geht es an den Hängen und Besichtigung weiterer Wohnhöhlen erst steil bergab und dann 30 Meter steilstens hinauf. Wieder nur für Wanderer mit Kondition! Angenehm erschöpft in den Sitz des Busses fallen und Abfahrt ins Hotel nach Marina di Ragusa sind eins!
Modica – Osteria „dei sapori caduti“
© Foto: Eva-Maria Koch, 2015Abends wieder Sicilia „by night“, dieses Mal das illuminierte, barocke Modica mit der – nein: DER!, – sensationellen Osteria dei Sapori Perduti. Das Menue besteht aus Bruschietta, Arancine, Zucchini-Fenchel-Paprika-Gemüse, Oliven und gegrillte Auberginen, gegrillte Zucchini, Ricotta und Ragusa DOP, gekochte Eier, die mit Öl und Salz gegessen werden, geriebener Caciocavallo, Cavatièdi ccô Sucu (Pastaart mit Tomatensauce), Ravioli di Riccota. Als Dolce: Canoli mit Zibibbo (sizilianischer Süßwein), Moscato (sizil. Muskatwein) und Limoncello. Er macht noch eine große Rundführung in seiner 2-stöckigen Osteria inclusive Darstellung der Geschichte und beim Verlassen der Osteria schenkt uns seine Tochter noch einen Amaru aus, einen sizilianischen Bitter.
Der Besitzer ist neben dem „König der sizilianischen Originalgerichte“ auch der „König der Schokolade von Modica“, die er ebenfalls selbst produziert. Hierzu erzählt er, dass das Rezept ursprünglich von den Azteken stamme und mit Chili gewürzt wurde. Dieses diente sowohl der Kampf- als auch der Manneskraft. Heutzutage gibt es eine Vielfalt von Aromen wie Pistazie, Mandel, Orange, Zimt, Johannisbrotbaum (Carrube). Er ist auch sozial aktiv und leistet in Afrika aktive Hilfe zur Selbsthilfe, indem er und seine Tochter lehren, wie z.B. Tuch hergestellt wird. Chapeau!!!! 
Infos:

Hotel, Web: http://www.andreadoriahotel.it

Anflughafen: Catania (Air Berlin Direktflug 2,5 Std.) oder Comiso (Ryanair)
Reiseführer:

ADAC Reiseführer Plus und Merian live!, Sizilien, Taschenbuch von Ralf Nestmeyer, 128 Seiten, München 2005

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von „Associazione Culturale Glocal“, Web: www.percorsitorrieprimizie.it, Email: info@percorsitorrieprimizie.it, und Sudtourism – le vie dei sensi tra tradizione e turismo, Association to promote tourism, Via S. Anna, 141, 97100 Ragusa, Sicilia, Italia, Web: www.sudtourism.it, Email: info@sudtourisme.it

Anzeige