Roméo und Juliette sind zum Sterben zu schön! – Symphonie Dramatique op. 17 nach William Shakespeare in der Deutschen Oper Berlin

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© Bernd Uhlig
Sasha Waltz mit ihrer Dance Company www.sashawaltz.de und der französische Komponist Hector Berlioz (1803-69) – beim Pas de Deux von Roméo (Joel Suárez Gómez) und Juliette (Lorena Justribó Manion)  in Rosé-Pastell auf der minimalistischen weißen Tanzflächen-Bühne stellt sich die Frage, wer oder was ist hinreißender – die betörende weltberühmte Musik (Uraufführung am 24. November 1839 am Pariser Konservatorium) oder die verzaubernden TänzerInnen? In jedem Fall zum Sterben zu schön! Die Musik Berlioz entführt in einen Liebesklanghimmel, wohinein die beiden zum Tod verdammten Liebenden hineintanzen.

Die Symphonie dramatique von Berlioz nach William Shakespeare ist wortarm – die Liebenden drücken ihre Liebe im Tanz aus mit fließenden, Sasha Waltz typischen Bewegungen aus, untermalt vom fließenden, langen roséfarbenen Kleid von Juliette. Berlioz hat systematisch fast alle Worte von Shakespeare herausgestrichen – der Chor der Deutschen Oper, in ihren abstrakten, weißen, historischen Kostümen ebenfalls ihren Möglichkeiten entsprechend in den fließenden Bewegungsablauf von Sasha Waltz eingebunden, singen eindrucksvoll die wenigen Wortpassagen geführt von der amerikanischen Mezzosopranistin Ronnita Miller, dem Tenor Thomas Blondelle und dem Bass Marko Mimica – alle brilliant und vom Publikum umjubelt. 

Was für eine gelungene Verknüpfung von Klassik und Moderne! Sasha Waltz Dance Company – die vielköpfige ausgezeichnete "Truppe", alle in Weiß gekleidet – faszinierend ihrer überraschenden, fließenden Vielfältigkeit zuzusehen – ein einziges Wogen und Fließen! Auch Szenen von TänzerInnen in Tütü-Röckchen in geschmackvollen champagnerfarbenen Pastelltönen plus schwarz-weißen Tanzkleidern bereichern die großartige Darbietung! Schade, dass Sasha Waltz keinen festen Plan im ständigen Berliner Kulturbudget finden konnte!

Sasha Waltz wollte zuerst mit ihrer Inszenierung von „Roméo et Juliette“ (2007) den ewigen Zwist von Israel und Palästina darstellen in den verfeindeten Familien Capulet und Montescu, blieb jedoch beim ursprünglichen Sujet. Sasha Waltz wurde von der Pariser Oper und dem Ballett mit der Choreographie beauftragt.

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