Mord ist mein Geschäft, Liebling – “Louise hires a contract killer” trifft satirisch ins Schwarze der Wirtschaftskrise

Yolande Moreau und Bouli Lanners in "Louise Hires A Contract Killer"

Die erste Szene ist als Vorwarnung zu verstehen. Nicht einmal tot hat man Ruhe. Hoch und runter geht es, bis der Sarg mit dem Vorgesetzten in den Verbrennungsofen passt. Soll der Chef es mollig warm haben, versagt der Anzünder. Nie war die Frage “Haben Sie Feuer?” so lustig. Später fragt sich, wer diesen ersten Verstorbenen abgemurkst hat. Die Fabrikarbeiterin Louise (Yolande Moreau) sitzt unter den Trauergästen. Der Titel hält Wort, was Louise mörderische Verwicklungen in der weiteren Handlung angehen. Von den schwarzhumorigen Komödien im Arbeitermilieu trennen “Louise hires a contarct killer” Welten. Deren bescheidener Alltag ist unerreichbarer Luxus aus der Perspektive Louises, die sich von gefangenen Kleintieren ernährt und ihren Kummer in billigem Brennspiritus statt Wodka ertränken muss. Als sie und ihre Kolleginnen bei der Schließung der Fabrik arbeitslos werden, stimmen sie Louises Vorschlag zu, einen Auftragsmörder auf den Chef anzusetzen. Louise, die bereits wegen eines Tötungsvergehens im Gefängnis saß, stöbert den heruntergekommenen Michel (Bouli Lanners) auf. Der macht für ein paar Euro alles, auch jemanden umlegen.

Wo sonst der übliche Klamauk um zwei Möchtegernmörder, die eigentlich weder können noch wollen und sich ineinander verlieben käme, beginnt “Louise hires a contract killer” eine kohlschwarze Satire. Louise und Michel wollen jemanden umlegen, sie können sogar, obwohl man es der beschränkten Analphabetin und dem protzenden Tollpatsch nicht zutraut. Nur trifft es den Falschen – mehr als einmal. Jeder Vorgesetzte hat einen weiteren Vorgesetzten, der die Fabrikschließung anordnete. Die irrtümlich Niedergeschossenen verbuchen Louise und Michel als Kollateralschaden, so wie die Arbeitgeber den Verlust der Existenzgrundlage ihrer Angestellten nicht beachten. Nach jedem missglückten Anschlag steht der unerschütterliche Entschluss der Fabrikarbeiterinnen, weiterzumachen, weiterzumorden. Und wenn der Spargroschen mit draufgeht. “Louis hires a contract killer” bewegt sich geschmacklich auf unsicherem Terrain. Nicht nur reiche Firmenchefs, sondern einige “Wohlstandskinder” müssen dran glauben. Michels krebskranke Nichte schleppt sich noch vom Sterbebett, um einen ungerechten Vorgesetzten ins Jenseits zu befördern. “Louise hires a contract killer” ist nicht nur wütend auf die Krisenprofiteure, sondern hasst sie und wünscht sie wortwörtlich ins Grab. Und die Liebesgeschichte? Keverne und Delepine nehmen sich ihrer an, in so bizarr-unerwarteter Manier, dass es nicht vorweggenommen werden darf.

Für jeden Geschmack eignet sich “Louise hires a contract killer” gewiss nicht. Man selbst blieb irritiert und vage beunruhig bis zum Ende sitzen. Zum Glück, denn die nach dem Abspann folgende Schlusspointe zieht das komödiantische Rädchen, welches auch Rädchen in einer filmischen Foltermaschine ist, noch fester an. Über der Satire schwebt der Geist der Autorin und Anarchistin Louise Michel, auf deren Namen das Autorenduo im Originaltitel anspielt. “Wissen wir nicht, ob dass, was wir als Utopie erachten in der nächsten Epoche nicht Realität sein kann?“ Auf die schmerzhaft realitätsnahe Fiktion der auf Mord sinnenden Entlassenen in “Louise hires a contract killer” könnten Louise Michels Worte zutreffen.

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Titel: Louise hires a contract killer

Originaltitel: Louise-Michel

Genre: Komödie

Land/Jahr: Frankreich 2008

Kinostart: 24. September 2009

Regie und Drehbuch: Gustave Kerverne, Benoit Delepine

Darsteller: Yolande Moreau, Bouli Lanners, Sylvie van Hiel, Mathieu Kassovitz

Laufzeit: 95 Minuten

FSK: ab 16

Verleih: KOOL Filmdistribution

Internet: www.LouiseHiresAContractKiller.de

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