Minas Gerais: Schwarzes Gold und barocke Schätze – Eine Reise durch die brasilianische Region der Edelsteine, Minen und Kathedralen fernab von knapper Bademode und palmengesäumten Stränden. Authentisch und ein wenig europäisch

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Ouro Preto

Faszinierendes Weltkulturerbe

Heute ist das annähernd 1200 Meter hochgelegene Ouro Preto mit seinen nahezu 70.000 Einwohner eine angenehme Kleinstadt mit einzigartigen Kulturschätzen, Restaurants, Hotels und Geschäften, wo man wunderbaren und qualitativ hochwertigen Schmuck mit vor Ort geschürften Edelsteinen erwerben kann. Es ist schon ein eindrucksvolles Erlebnis, wenn der Verkäufer seinen mannshohen, eisernen Tresor hinter sich öffnet, kleine Papiertütchen herausholt und Dutzende funkelnder Kostbarkeiten auf dem Tresen ausbreitet. Man muss nur noch auswählen. Und leider bezahlen.

Ein Rundgang durch die Altstadt von Ouro Preto, die 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe geadelt wurde, offenbart den ganzen Reichtum und die Pracht der vergangenen Epoche, als Minas Gerais als Schatzkammer der portugiesischen Krone galt. Übersetzt bedeutet Ouro Preto „schwarzes Gold“, da das Edelmetall von einer schwarzen Schicht aus Eisenoxid umgeben war. Im gesamten Stadtbild ist die portugiesische Kolonialarchitektur präsent und einzigartige Sakralbauten geben dem urbanen Kunstwerk den letzten Schliff. Die Kirche St. Francis von Assisi stellt dabei eines der herausragenden Kulturdenkmäler dar, nicht nur hier im brasilianischen Hinterland, sondern ebenfalls in Bezug auf Barockkunst der westlichen Hemisphäre. Fast alle Kirchen Ouro Pretos und desgleichen einige andere Schmuckstücke in Minas Gerais tragen die Handschrift des berühmtesten Baumeisters und Bildhauers des brasilianischen Barocks. Sein eigentlich Name lautet Antonio Francisco Lisboa, doch die Welt kennt ihn unter seinem Beinamen „ o Aleijadinho“, zu deutsch „das Krüppelchen“.

Trotz seiner, durch eine unheilbare Krankheit, teils deformierten Gliedmaßen schuf der um 1730 geborene Sohn eines portugiesischen Architekten und einer afrikanischen Sklavin großartige Holzschnitzereien, Altäre und Bauwerke.

Deftige Kost

Nicht entgehen lassen sollte man sich die typischen Spezialitäten der Region, die den Gaumen mit einer Mischung aus indianischer, afrikanischer und europäischer Kochkunst begeistert, manchmal aber auch herausfordert. Das Restaurant Casa do Ouvidor im Zentrum der Stadt bringt diese herzhaften Köstlichkeiten bestens zubereitet auf den Tisch. Ob nun Feijao Tropeiro – ein Bohnengericht, Frango com Quiabo e Angu – Huhn mit Ocra-Schoten und Maisbrei oder als Zugabe ein schmackhaftes pao de Queijo, in Minas Gerais wird deftig gekocht. Da aber Minas Gerais ebenfalls bekannt ist für den besten Cachaca ganz Brasiliens, geht an einem erfrischenden Caipirinha kein Weg vorbei. Ein köstliches und auch in Deutschland trendiges Getränk, dessen Name im eigentlichen Sinne allerdings wenig Nobles versprüht. Denn die Bezeichnung Caipirinha ist die Verniedlichung von Landpomeranze oder Hinterwäldler. Hauptsache es schmeckt.

Trolle und Arsen

Auf dem Weg ins nahe Mariana, dem ältesten Ort in Minas Gerais, sollte man auf halber Strecke einen Abstecher in die Unterwelt einplanen. Die Mina de Ouro da Passagem soll die älteste und eine der größten Minen der Welt sein, die zudem auch von Besuchern erkundet werden kann. Schon die Einfahrt in die seit 1719 bestehende Mine ist ein unvergessliches Erlebnis. Auf einem kleinen hölzernen Schienenwagen geht es, befestigt an einem Stahlseil, holpernd und schlingernd in die Tiefe, dort wo früher Tag täglich nach Gold geschürft wurde. 200 Höhenmeter sind so zu bewältigen. Heute werden dort Mountainbike-Wettbewerbe ausgetragen, Wagemutige suchen den ultimativen Kick beim Tauchen im 70 Meter tiefen und 2 km langen Bergwerkssee oder Besucher nehmen an einer informativen Führung teil. Damit alle das Höhlensystem leibhaftig verlassen, findet sich hier unten ein Altar der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Buntgeschmückt mit Lippenstiften und Armreifen. Wer genauer hinschaut, wird in der Minas de Ouro nirgendwo eine Spinne, einen kleinen Käfer oder gar einen Troll entdeckt. Nicht ein Tier verirrt sich in diese unwirtliche Welt, die durch Arsenbeimischungen im Gestein ein lebensfeindlicher Kosmos geworden ist.

Eine Orgel fürs Leben

Freundlich, hell und beschaulich präsentiert sich dagegen der nur wenige Kilometer entfernte Ort Mariana. Ein sehens- und hörenswertes Highlight ist die deutsche Arp-Schnitger-Orgel von 1701 mit ihren etwa 1700 Pfeifen, die sich in der reizvollen barocken Kathedrale da Sé befindet. Arp Schnitger erblickte 1648 das Licht der Welt und schuf in seinem Leben ungefähr 170 Orgeln von denen heute noch 32 existieren. Eine Künstlerin, die diese Orgel auf klangvolle Weise zum Leben erweckt, ist die bekannte Organistin Elisa Freixo. Die Brasilianerin aus Minas Gerais traf bei einem mehrjährigen Studienaufenthalt in Deutschland das erste Mal auf die Orgel von Mariana, als diese ab 1977 zu Restaurationszwecken dort verweilte. „Wir kannten uns vorher nicht. Es war Schicksal“ erzählt Elisa Freixo, die durch diese Begegnung ihre Leidenschaft für Arp-Schnitger-Orgeln entdeckte. Neben ihrer Heimat Minas Gerais die zweite Liebe der weit gereisten Musikerin.

Info:

Anreise: Flug über Lissabon nach Belo Horizonte / Minas Gerais. Die portugiesische Fluggesellschaft TAP fliegt 5x wöchentlich nonstop nach Belo Horizonte. Internet: www.flytap.com

Hotelempfehlung: Hotel Pousada do Arcanjo, Rua Sao Miguel Arcanjo 270, Ouro Preto. Internet: www.arcanjohotel.com.br

Restaurantempfehlung: Spezialitäten aus Minas Gerais. Casa do Ouvidor, Rua Dreita 42, Ouro Preto
Weitere Infos:

Brasilianisches Tourismusamt: www.braziltour.com

Tourismusamt von Minas Gerais: www.turismo.mg.gov.br

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