Merkel und Maiziére beim Huibuh am Hindukusch

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Zuletzt habe Merkel im März 2012 in Afghanistan geweilt, wie RIA Novosti heute mitteilt, "wobei auch die damalige Reise nicht angekündigt worden war. Angesichts eines starken Schneefalls musste sie damals allerdings auf einen Besuch im deutschen Stützpunkt in der Provinz Kunduz verzichten." Der Schneefall steht nicht in Verbindung mit der Opiumproduktion in Afghanistan. Die Schlafmohnfelder, die vor allem in den südlichen Provinzen Helmand und Kandahar liegen, stehen indirekt unter Aufsicht der ISAF-Soldaten. Derart geschützt boomt die Produktion von Opium und hat laut UNO-Bericht (Afghanistan Open Risk Assessment April 2013) im dritten Jahr in Folge zugenommen.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziére flog in der Regierungsmaschine mit ins Lager Marmal in in Masar-i-Scharif, vermutlich, um vor Ort seine unendiche Traurigkeit einigen der aktuell rund 4.200 Bundeswehrsoldaten samt Medienvertretern zur Schau zu stellen, denn kürzlich wurde ein Soldat seiner elitären Einheit "Kommando Spezialkräfte" (KSK) getötet, ein weiter KSK-Soldate ist verletzt worden. "Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist", teilte de Maiziére vor ein paar Tagen in Berlin mit. Am vergangenen Samstag wurden zudem sieben US-Soldaten getötet. Über die Zahl der Verletzten liegen keine Angaben vor. Ebensowenig bleibt die Zahl der toten und verletzten Afghanen im Dunkeln. Von der Bundeswehr gab es auf Nachfrage keine Informationen. Was das KSK am Hindukusch tut oder unterläßt, ist und bleibt weiterhin geheim wie der Ort der Stationierung dieser todbringenden Truppe.

Laut Spiegel-Online sagte Merkel den deutschen Soldaten: "Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht." Warum das mit dem "ein Auge darauf haben" nicht von Berlin geht sondern die Soldaten noch bis Oktober 2013 Deutschland am Hindukusch verteidigen müssen – anschließend bleibt diese Flanke offensichtlich offen – wurde nicht erklärt.

Klar sind hingegen die Worte des 63-jährigen französischen Diplomaten Bernard Bajolet, der den Afghanen letzten Sonntag undiplomatisch Adieu sagte. Er stellte fest, daß von einem "unabhängigen" Land nicht die Rede sein könne und formulierte famos: "Wir sollten deutlich sein: Ein Land, das beim Bezahlen seiner Soldaten und Polizisten fast vollständig von der internationalen Gemeinschaft abhängig ist, ebenso bei den meisten Investitionen und teilweise bei den öffentlichen Ausgaben, kann nicht wirklich unabhängig sein" (Zitiert nach Angaben der Agentur AFP).

In der jungen Welt vom 30.04.2013 heißt es unter dem Titel "Huibuh des Tages": "Wie trefflich der Begriff ‚abhängig‘ ist, dokumentiert wiederum die New York Times. Wie die US-Zeitung am Montag meldete, läßt der US-Geheimdienst CIA seit mehr als zehn Jahren große Summen Bargeld ins Büro des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai bringen – undeklariert in Koffern, Rucksäcken und Einkaufstaschen. Den Angaben zufolge handelt es sich insgesamt um einen zweistelligen Millionenbetrag. Im Präsidentenpalast werden die US-Zuwendungen "Geistergeld" genannt: ‚Es kam heimlich, und es ging heimlich.‘ Huibuh, huibuh."

Daß Karsai von vielen Leuten Lohntüten entgegennimmt – auch aus dem Iran – weiß in Kabul jedes Kind. Er und seine Marionetten-Regierung sind korrupt wie der Krieg am Hindukusch nicht zu gewinnen ist. Darauf eine Dosis Droge!

Und die Pressemitteilung von Gregor Gysi: "Keines der angegebenen Ziele wurde erreicht – Afghanistan ist politisch, wirtschaftlich, sozial nicht vorangekommen. Im Gegenteil. Der Opiumanbau blüht ebenso wie die Korruption in noch größerem Maße als vor dem Krieg, Al Kaida und Verbündete werden inzwischen in Pakistan mit völkerrechtswidrigem Drohneneinsatz bekämpft, Frauenrechte stehen weitgehend nur auf dem Papier und die innerafghanischen Konflikte werden weiterhin mit Waffengewalt statt mit einem Versöhnungsprozess gelöst", konstatiert der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE … anlässlich des fünften Besuchs der Kanzlerin in Afghanistan. "53 getötete Bundeswehrsoldaten führen schmerzlich und deutlich vor Augen, dass es keine Unterscheidung zwischen Kampfeinsatz und Unterstützungsmission gibt." Krieg ist Krieg.

Mit Material von dpa, junge Welt, RIA Novosti, Spiegel-Online.

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