„Lulu“ – Engel oder Teufel – Eine unvollendete Oper in drei Akten von Alban Berg

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Bühnenbild © Foto: Bernd Uhlig, 2015

Lulu erzählt vom Aufstieg und Fall einer schönen Kindfrau und Hetäre. Die Geschichte entsteht in einer Zeit, in der 1880 der Roman von íˆmile Zola „Nana“ Aufsehen erregte, die ihren attraktiven Körper bewußt einsetzt, um Männer zu gewinnen, die ihr Reichtum und gesellschaftliches Ansehen verschaffen.

Alban Berg (1885-1935), komponierte Lulu nach den Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ von Frank Wedekind, nachdem er sich unter anderem mit dem Philosophen Theodor W. Adorno beraten hatte, welcher Opernkomposition er den Vorzug geben solle.

Lulu hat einen Beschützer, Dr. Schön, den sie ermordet im Zuge der sich immer stärker zuspitzenden, dramatischen Handlung. Dr. Schön, den Beschützer Lulus, singt ergreifend der international renommierte Bariton Michael Volle. Da „Jack the Ripper“ zu den Zeiten sein Unwesen trieb, wurde er gleich mit in den Plot integriert und er tötet Lulu zum Finale.

„Alban Berg gelang es mit den kompositorisch avanciertesten Mitteln seiner Zeit eine meisterhaft dekadente Klangsprache zu entwickeln, die trotz aller Formstrenge geradezu spätromantische Fin-de-Siècle-Atmosphäre erzeugt.“ beschreibt die Staatsoper das Werk.

Nicht opernkundigen Zuschauern, die sich nicht vorbereitet haben auf das Stück und die Musik, bleibt unter Umständen der Zugang verwehrt. In der Pause des dreistündigen Werks leerten sich die Sitzreihen merklich.

Alban Berg’s Werke zählen zur klassischen Moderne, die Mahlersche Spätromantik umfasst, freie Atonalität und Zwölftontechnik. „Skandalkonzerte“ sind das „Markenzeichen“ Alban Berg’s,  österreichischer Komponist der Zweiten Wiener Schule, einem der prägendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Es ist kein „Konsumstück“ mit „Happyness-Flutsch-Flutsch-von-vorn“, sondern auch für den Zuschauer unter Umständen Arbeit, die die volle Konzentration erfordert!

Kein Werk, wo man sich entspannt zurücklehnt und sich von vorne „bespaßen“ lässt! Es ist fordernd und überwältigend zugleich! Schon Wedekinds „Büchse der Pandorra“ wird bei der Erstaufführung 1904 nach einem Publikumsskandal vom Nürnberger Polizeiausschuss verboten. Die erste Uraufführung findet 1937 in Zürich statt, gefolgt von Venedig, Paris, Hamburg, Kopenhagen. Am 31.03.2012 Neuaufführung unter Daniel Barenboim, inszeniert von Andrea Breth und David Robert Colemann.

Daniel Barenboim, Generalmusikintendant der Staatsoper Berlin, dessen Vita voller internationaler Auszeichnungen und Orden ist, dirigiert dieses bemerkenswerte Werk meisterlich, wie es ihm angeboren scheint, zusammen mit der Staatskapelle Berlin, die hier überragend die äußerst fordernde Komposition spielt. Alle Sänger und Sängerinnen haben Bemerkenswertes geleistet – ein Eindruck voller Diamanten ihres Genres hinterbleibt im überwältigten Zuschauer.

Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Alban Berg Zyklus vom 6. bis zum 15. März 2015 – Gesamtwerk Alban Bergs unter der Leitung Daniel Barenboims.

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