Löffelschmieden, Kuckucksuhren und Götz von Berlichingen – Originelle Geschichten aus dem Südschwarzwald

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© Klaus und Ursula Drubba GmbH und Co KG
In der Glasbläserei des Hotels Hofgut Sternen in der Gemeinde Breitnau am Beginn der Höllentalschlucht im Hochschwarzwald entstehen täglich Glaskunstwerke.

Kombinationen aus Farbe und Form entspringen der Kreativität des Künstlers. Doch der Glasbläser ist nicht der einzige Künstler, der hier am Werk ist. Glasmacher und Graveur tragen ihren Teil zu einer außergewöhnlichen Sammlung bei. Die Wahl fällt schwer, müsste man sich für ein Andenken entscheiden.

Seit dem Hochmittelalter galt die Glasbläserei über mehrere Jahrhunderte als wichtiges Handwerk und Einkommensmöglichkeit der verkehrsfern gelegenen Waldgebiete in den Mittelgebirgen Deutschlands. Aus den im Schwarzwald wachsenden Hainbuchen erzeugte man Pottasche, Quarzsand befand sich in den Bächen. Der Holzreichtum sorgte für ausreichend Brennstoff  um beide Materialien zu verschmelzen. Ein Zufall bescherte den Menschen die Geheimnisse der Glasherstellung. Doch der Wald wächst nicht so schnell nach wie er gerodet wird. Im 19. Jahrhundert kommt das Aus für einen Großteil der Glasbläsereien im Schwarzwald  mangels Brennholz. Armut und Not zieht in die Häuser ein. Der Wald jedoch beginnt sich zu erholen. Dem ursprünglichen Artenreichtum folgt in den kommenden Jahren die fatale Aufforstung mit Fichten als Monokultur. Glücklicherweise lernt man schnell aus den Fehlern. Heute trifft man bei Wanderungen auf bunt gemischte Waldstücke, die wieder Lebensraum für Laub- wie Nadelbäume bieten.
Kuckuck, kuckuck ruft ´s aus der Uhr
© Klaus und Ursula Drubba GmbH und Co KG„So sieht es im Innern einer Kuckucksuhr aus. Das Uhrwerk wird durch verschieden große Rädchen und Federn in Gang gehalten. Den Ruf des Kuckucks erzeugen hölzerne Mini-Orgelpfeifen, abgedeckt mit Papier, in die Luft geblasen wird.“ Sven erklärt das Innenleben der kunstvoll geschnitzten Uhren, die ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von verschiedenen Funktionen enthalten. Kuckucksuhren fanden und finden ihren Weg in die Wohnstuben der ganzen Welt.

Über die Anfänge der Kuckucksuhren-Herstellung sind sich selbst die Geschichtsschreiber uneinig. Mit Sicherheit kann man sagen, dass der Siegeszug dieser Uhrenart spätestens ab Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu bremsen war. Meist erfolgte die Herstellung in Heimarbeit. Durch die maschinelle Anfertigung gelingt eine weitere Steigerung der Produktion. Heute wird ein Großteil der Uhren in die USA exportiert, neuerdings auch vermehrt nach Asien.

Im Verkaufsraum gleich gegenüber dem Hotel Hofgut Sternen findet man neben den herkömmlichen Souvenirs eine beeindruckende Uhren-Sammlung. Kuckucksuhren von der Größe einer Hand bis zu ca. 2 Meter großen mit Schnitzereien bedeckten Standuhren. Aber auch Armbanduhren verschiedener Marken. Vorort beraten Verkäufer in den unterschiedlichsten Sprachen die aus allen Erdteilen angereisten Kunden.
Im Familienverbund erfolgreich
© Klaus und Ursula Drubba GmbH und Co KG„Nach all den Querelen mit dem Bürgermeister um ein versprochenes Grundstück, habe ich das Rundfahrtboot „Götz von Berlichingen“ getauft, natürlich mit dem Hintergedanken an das Götz-Zitat“. Noch heute muss Klaus Drubba beim Gedanken an damals schmunzeln. „Dort gegenüber der Bootsanlegestelle hat im Jahr 1956 alles angefangen. Im Kiosk, den ich mit meiner Frau Ursula betrieb, nachdem wir aus Hessen an den Titisee kamen, gab es Bratwurst und andere Kleinigkeiten. Auch Boote konnten bei uns ausgeliehen werden.“ Der rüstige Senior-Chef von Druppa-Shopping kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. In den 70ger Jahren steigt der Tourismus am Titisee rasant nach oben. Klaus Druppa und seine Frau sehen darin ihre Chance. Der Kiosk weicht einem Restaurant. 1976 nimmt die „Götz von Berlichingen“ den Betrieb auf. Und vier Jahre später ist auch der Nachbau der römischen Galeere „Titus“ vervollständigt.
Bereits zwei Jahre zuvor begann der Bau des „Schwarzwälder Uhrenzentrums“, dem heutigen von Sohn Peter geführten Markenfachgeschäfts. Eine weise Entscheidung war die Übernahme der beiden alten Schwarzwaldhäuser, dem Alemannenhof direkt am See, und später in der Gemeinde Breitnau das Hofgut Sternen. Bei der Namensgebung des heutigen Boutique-Hotels soll es sehr pragmatisch zugegangen sein: „Nimm was mit A, das kommt ganz am Anfang im Telefonbuch!“ Nicht nur die fantastische Lage sondern auch die vorzügliche Küche tragen dazu bei, dass der Alemannenhof einen außergewöhnlichen Ruf genießt. Zu den modern gestalteten Hotelzimmern sind inzwischen Appartements im Nebengebäude dazugekommen mit herrlichem Blick über den See und Umgebung.

Nur an wenigen Stellen am Ufer durfte der Tourismus Fuß fassen. Somit blieb der Titisee zum großen Teil naturbelassen. Der im südlichen Schwarzwald befindliche See bedeckt eine Fläche von 1,3 Quadratkilometern und ist durchschnittlich 20 Meter tief.    

Auch beim Hotel Hofgut Sternen bleibt man nicht untätig. In dem alten Bauernhaus neben der rauschenden Ravenna soll die 14-jährige Marie Antoinette mit ihrem Gefolge im Jahr 1770 auf dem Weg zur ihrer  Hochzeit mit dem französischen Dauphin und späteren König Louis XVI das Höllental durchquert und sogar im Hofgut Sternen am Eingang der Ravennaschlucht übernachtet haben. Auch Johann Wolfgang von Goethe verweilt hier im Jahre 1779. Nach umfangreichen Renovierungen eröffnet das Hotel 1986 seinen Betrieb. Eine Glasbläserei erhöht die Attraktivität dieses Standortes an der romantischen Schlucht.

1996 ist ein wichtiges Jahr in der Familien-Chronik. Als Klaus und Ursula Druppa die Verantwortung ihrer Unternehmen den Söhnen Olaf, Jürgen, Peter und Thomas übertragen, sind diese schon längst in ihre Aufgabe hineingewachsen. Gemeinsam treffen sie Entscheidungen, egal ob für das Hotel oder die Einzelhandelsgeschäfte und sind damit auf Erfolgskurs. In den darauf folgenden Jahren erhält die Glasbläserei ein neues Gelände mit „Glashaus-Suiten“. Im Goethe-Haus unterzieht man die Zimmer einer Modernisierung. Das Restaurant „Zur Mühle“ wird um den Hochfirst erweitert, ein Bankettraum im Obergeschoss mit 180 Sitzplätzen. In drei Bauabschnitten wird auch auf dem Alemannenhof renoviert und eine großzügige Außenterrasse angelegt. Und die erst vor kurzem eröffnete Einkaufspassage in der Seestraße mit ausgewählten Markenartikeln kann ohne Problem mit denen deutscher Großstädte konkurrieren. Das Erfolgsrezept dieser Familie: Man muss trotz unterschiedlicher Meinungen zu einem gemeinschaftlichen Konsenz gelangen, und man darf trotz aller Höhenflüge den Boden unter den Füßen nicht verlieren.

Schluchten und Eisenbahnromantik

© Klaus und Ursula Drubba GmbH und Co KGUndurchdringlich und lebensfeindlich war einst das große Waldgebiet im Südwesten Deutschlands; dunkel und ärmlich ging es in den Bauernstuben zu, wo die Menschen unter den weit herabgezogenen Dächern ihr Dasein fristeten. Doch sie hatten einen Schatz: Sie verfügten über genügend Wasser und Brennmaterial, was ihnen den Betrieb verschiedener Handwerkszweige ermöglichte. Schon längst dienen die Werkstätten nur noch der Erinnerung an die nicht immer gute alte Zeit.  Am oberen Ausgang der Ravennaschlucht geht es auf dem Wanderweg vorbei am einstigen Standort der ersten Löffelschmiede im Raum Hinterzarten – Breitnau nach 1770. Sie wurde durch Mathäus Feser aus Breitnau errichtet. Um 1780 konstruierten seine Söhne eine Wasser betriebene Hammerschmiede dazu und lösten dadurch die bis dahin übliche Handarbeit in der Löffelmacherei ab. Eine Schmiede für Löffel? Heute stutzt man erst Mal bei der Vorstellung von geschmiedeten Löffeln. Doch zur damaligen Zeit wurde von der ganzen Familie, wahrscheinlich auch den Mägden und Knechten, aus einem Topf gegessen. Jeder hatte seinen persönlichen Löffel, den er wie einen Schatz hütete. Verständlich wird dadurch auch das Sprichwort: „Den Löffel abgeben“. Schließlich benötigt ein Verstorbener kein Essbesteck mehr. 

Der Heimatpfad Hochschwarzwald, der an vielen alten Sägen, Mühlen und an einer Seilerei Station macht, führt auch durch die romantische Ravennaschlucht, einem Seitental des Höllentals.  Ausgangspunkt für Wanderungen ist das Hotel Hofgut Sternen. Staunend steht man unter der 37 Meter hohen Ravenna-Brücke. Vielleicht fährt sogar gerade die Höllentalbahn über diese waghalsige Konstruktion.  Nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt befindet sich die 1148 erbaute St. Oswald-Kapelle, wohl die älteste ihrer Art im Schwarzwald.

Durch das spektakuläre Höllental führt heute eine teilweise 4-spurige Straße, sowie die Eisenbahn hinab nach Freiburg im Breisgau. Rechts und links säumen steile Felswände den Weg. Bekannt ist die Sage vom Hirsch, der sich durch einen Sprung über die engste Stelle der Schlucht vor seinen Jägern gerettet haben soll. 

Entlang der Uhrenstraße geht es weiter nach St. Märgen.  Sehenswert die barocke Klosterkirche, die 1716 zwei Türme und ein neues Konventgebäude erhielt. In die Kirche kam eine Silbermann-Orgel. Im Jahre 1806 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation endgültig aufgelöst.  Die bewegte Vergangenheit wird im Klostermuseum gezeigt. Der heilklimatische Kurort ist Ausgangspunkt für viele Wanderwege.

An der Schwarzwald-Panoramastraße liegt auf einem Hochplateau am Südhang des Kandels ein weiteres barockes Kleinod. Die Herzöge von Zähringen stifteten unweit ihrer Stammburg bei Freiburg eine Benediktinerabtei. St. Peter entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte zum kulturellen und politischen Zentrum des Schwarzwaldes. Die Rokoko-Bibliothek und die prächtige Barockkirche gehören zu den prunkvollsten Zeugnissen barocker Baukunst im süddeutschen Raum. Der Klosterhof dient als Kulisse für Konzerte, Feste und Märkte. Orgelkonzert und die alljährlichen Musiktage ziehen viele Besucher auf das Hochplateau mit herrlicher Aussicht: kulturelle Höhepunkte in wildromantischer Umgebung. Vielseitig ist der Südschwarzwald, wo der Besucher nicht nur auf endlose Wanderwege, sondern auch viel Kultur trifft. 

Informationen:

Reisezeit ist das ganze Jahr, im Herbst locken Wanderungen und Mountainbike-Touren durch bunte Wälder, im Dezember beginnt die Wintersaison, die Gemeinde Breitnau liegt durchschnittlich 1000 Meter hoch. Ein Hotel mit vielfältigem kulturellem Umfeld ist z.B. das Best-Western-Hotel Hofgut Sternen in Breitnau-Hinterzarten, es bietet im Winter gratis Transfers zum nahegelegenen Skigebiet am Feldberg, hier gibt es spezielle Angebote für den Herbst, abseits gelegen am Ufer des Titisees das Hotel Alemannenhof und allgemeine Auskünfte gibt es ferner unter www.hochschwarzwald.de/Breitnau

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