Im Fahrradtaxi Berlin erkunden – Bei einer Rikschatour durch Berlin erlebt man die deutsche Hauptstadt nicht nur hautnah, man erhält vom Fahrer auch die besten Tipps

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© Knut Hildebrandt (Fotos)

„Ja, ja, das kann ein Weilchen dauern,“ tönt es ihnen entgegen. „Da wartet Ihr mindestens eine Stunde,“ fügt Mario grinsend hinzu. Der Endzwanziger steht, das Basecap lässig in den Nacken geschoben, neben einem Gefährt das an eine Kreuzung aus Zeppelin und Dreirad erinnert. Mario ist einer von gut hundert Berliner Rikschafahrern. Und als solcher hat er auch sofort eine Lösung für Sabrina und Uwes Problem. Nur wenige Minuten entfernt gäbe es eine andere Aussichtsplattform. „Von der habt Ihr auch einen tollen Blick über die Stadt.“ Und das schönste: Man fährt da mit dem schnellsten Fahrstuhl Europas hinauf. Gerne fährt er sie dort hin, bietet Mario Sabrina und Uwe an.

Was das denn kosten solle, wollen die beiden wissen. „Das hängt natürlich davon ab, wie wir fahren“ antwortet Mario mit einem Augenzwinkern. Die direkte Fahrt zum Potsdamer Platz kostet vierzehn Euro. „Für Euch beide zusammen“ fügt er hinzu. Bei einer Halbstundentour könnte er allerdings noch einen Abstecher zum Gendarmenmarkt und vielleicht auch zum Checkpoint Charly machen, meint Mario. Das koste sie dann zweiundzwanzig Euro. „Abgemacht“ sagen die beiden. Während sie in die Rikscha steigen schwingt sich Mario auf den Sattel. Und ab geht es. Am Fernsehturm vorbei fahren die drei in Richtung Nikolaiviertel.

Als sie noch nicht einmal das Rote Rathaus erreicht haben, dreht sich Mario um und zeigt auf die in der Sonne blitzende Kugel des Fernsehturms. „Seht Ihr das Kreuz da oben?“ Dem haben die Berliner den Spitznamen „Sankt Walter“ gegeben, berichtet er. Sehr zum Ärgernis des damaligen DDR-Staatsoberhauptes Walter Ulbricht, erzählt Mario weiter. Der hatte den Turm Ende der sechziger Jahre zum zwanzigsten Jubiläum der Staatsgründung errichten lassen. Dann schießt die Rikscha über die große Kreuzung vor dem Roten Rathaus und verschwindet in den engen Gassen des Nikolaiviertes. Dort, an der Wiege Berlins, drehen sie eine Runde um die trutzige Kirche mit ihren beiden Glockentürmen. Die Nikolaikirche ist das älteste Gebäude der Stadt. Wie der Rest des Viertels wurde sie während des Krieges schwer beschädigt. In den achtziger Jahren hat man das Viertel im Zuckerbäckerstil wieder aufgebaut. „Als Touristenmagnet für die 750-Jahr-Feier“, weiß Mario zu berichten.

Am Zilledenkmal vorbei setzen die drei ihre Tour Richtung Spree fort. Die Cafés an der Uferpromenade haben bereits die Tische heraus gestellt. An diesen sitzen Sonnenhungrige und schlürfen Milchkaffee. Das wird eng. Langsam schlängelt sich Mario zwischen Kellnern und Sonnenschirmen hindurch und keucht dann die kleine
Steigung zur Rathausstrasse hinauf.

Der nächste Stopp ist am Gendarmenmark, dem schönsten Platz Berlins, wie Mario ihn bezeichnet. Links und rechts des Schauspielhauses stehen zwei sich scheinbar wie ein Ei dem anderen gleichende Kirchen. Der Deutsche und der Französische Dom. „Nur die Türme sind gleich“, korrigiert Mario den Eindruck der beiden Rheinländer. Dann gibt er die Geschichte von der Gründung der Friedrichstadt und der Ansiedlung der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten zum Besten.

Bevor es weiter gehen kann, wollen Sabrina und Uwe noch Fotos machen. Sabrina posiert vor dem Schiller-Denkmal und beide zusammen auf den Stufen des gewaltigen Schinkeltheaters. Marios Protest, daß sie den Checkpoint so nicht mehr schaffen würden, lassen die beiden nicht gelten. „Dann fahren wir eben länger“, antwortet Sabrina. „Zeit hast Du doch noch, oder?“

Das historische Berlin hinter sich lassend fährt Mario weiter Richtung Kreuzberg. Hinter der Leipziger Straße Szenenwechsel. Statt klassizistischer Prunkbauten glänzende Stahl-, Glas- und Granitfassaden. „Das war früher Grenzgebiet. Hier kam keiner hin“, klärt Mario Sabrina und Uwe auf. Am Checkpoint biegt er Richtung Westen ab und steuert, dem Verlauf der Berliner Mauer folgend, auf den Potsdamer Platz zu.

Im Herzen des neuen Berlin angekommen, wollen Sabrina und Uwe gar nicht aussteigen. Hunger hätten sie. Ob Mario nicht ein gutes Restaurant kenne, wollen sie wissen. „Wenn es heimische Küche sein soll, kann ich Euch etwas empfehlen.“ Auf dem Weg dahin könne man noch kurz am Brandenburger Tor und am Reichstag halten, fügt Mario hinzu.

Knapp zwanzig Minuten später klettern Sabrina und Uwe am Schiffbauer Damm aus der Rikscha. Dort werben gleich mehrere Restaurants mit Kölsch und Alt und Spezialitäten von Rhein und Ruhr. Nachdem die beiden sich bei Mario für den schönen Vormittag bedankt haben, lassen sie sich an einem Tisch direkt am Spreeufer nieder.

Während Mario wieder in die Pedale tritt, dreht er sich noch einmal um. „Versucht es doch heute Abend noch mal am Fernsehturm,“ ruft er den beiden zum Abschied zu. „Dann ist es bestimmt leerer.“ Und der Sonnenuntergang sei auch schön anzuschauen, fügt er hinzu. Mit ein bisschen Glück stehen am späteren Abend noch einige Kollegen vor dem Turm. „Mit denen könnt Ihr dann zur Oranienburger Straße oder in den Prenzlauer Berg fahren. Da ist nachts einiges los.“

Weitere Informationen: Berlin Tourismus Marketing, Am Karlsbad 11, 10785 Berlin, Telefon: 030/264748-0, Fax 030/25002424, Website: www.visitberlin.de

Biketaxi Berlin, Saarbrücker Straße 24, 10405 Berlin, Telefon: 030/93958346, Fax 030/93958347, Website: www.biketaxi.de

Offizieller Saisonstart für das Jahr 2012 ist Ende März, eine Woche vor Ostern.

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