Berlin, BRD (Weltexpress). Der Strudel der dramatischen Abstürze auf dem Zeitungsmarkt der Republik Italien, wo täglich nur noch 1,3 Millionen Tageszeitungen, Digitalabos inklusive, verkauft werden, erfasst jetzt mit La Repubblica und La Stampa gleich zwei der renommiertesten Zeitungen. La Repubblica, die in den Neunzigerjahren täglich 700 000 Exemplare absetzte, war trotz Absinkens auf gut 100 000 noch immer eines der meistgelesenen Blätter. Nun hat die linksliberal ausgerichtete römische Zeitung, die bisher über den Medienkonzern Gedi zum Firmenimperium der Unternehmerfamilie Agnelli-Elkann gehörte, einen neuen und dazu noch ausländischen Eigentümer: den griechischen Medienkonzern Antenna, einem Reederkonglomerat mit saudischem Einfluss. Die neuen Eigentümer gaben sich mit der Zeitung nicht zufrieden und übernahmen auch die anderen Teile des Gedi-Konzerns: zwei Radiosender sowie das Nachrichtenportal HuffPost Italia. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Rede war von etwa 110 Millionen Euro.
Gedi gehörte bis vor kurzem auch die Turiner Tageszeitung La Stampa (Die Presse), die an den italienischen Verlag SAE (Sapere Aude Editori) abgestoßen wird. Bisher Herausgeber sechs lokaler Zeitungen, die auch bereits von Gedi übernommen wurden, profiliert dieser sich damit auf zentraler Ebene. Nach dem Gedi seit 2019 Verluste von 360 Millionen Euro eingefahren hatte, zieht sich Agnelli-Elkann aus dem Mediengeschäft in Italien zurück. Ihre Anteile am einflussreichen Wochenmagazin The Economist in London behält sie. Gegen ihre Veräußerung hatten die Journalisten beider Zeitungen in den vergangenen Monaten mehrmals gestreikt. Der Agnelli-Erbe und Chef der Familien-Holding Elkann versicherte, dass sich an der journalistischen Freiheit der beiden Blätter nichts ändern werde.
Am 14. Januar 2026 hatte La Repubblica das Erscheinen ihrer ersten Ausgabe vor 50 Jahren gefeiert. Ihr Gründer war der linke Sozialist Eugenio Scalfaro, von 1968 bis 1972 Parlamentsabgeordneter, der bis 1996 ihr Chefredakteur wurde. Danach blieb er bis zu seinem Tod 2022 Kolumnist der Zeitung. Im Metier war er kein Unbekannter. 1955 hatte er mit dem Schriftsteller Arrigi Benedetti den Mailänder Espresso gegründet, dessen Chefredakteur er von 1963 bis 1968 war. Unter ihm stieg La Repubblica zu einem führenden linken Medium auf, das die faschistischen Putschpläne, die Verfassungsmäßige Ordnung zustürzen, entlarvte, die von PCI-Generalsekretär Enrico Berlinguer mit dem Vorsitzenden der Democrazia Cristiana (DC), Aldo Moro, verfolgte Regierungszusammenarbeit beförderte, über die Aktivitäten der CIA und ihrer italienischen Komplizen, die Moro als einen „Allende“ Italiens verketzerte, berichtete oder die Unterwanderung der linksextremen Roten Brigaden durch Geheimdienstagenten publik machte. Zu ihren Sternstunden gehörte, dass sie bereits am 18. März 1978 berichtete, dass zwei Tage vorher das Begleitkommando Moros bei dessen Entführung durch die Roten Brigaden von ein oder zwei Militärspezialisten umgebracht wurde.
So klar war die Linie der Stampa zwar nicht, aber sie beförderte in den 1960-70er Jahren die Haltung von FIAT, die zur Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Italiens von den USA Verträge mit der UdSSR abschloss. Auch dass FIAT mit den faschistischen Regierungen unter dem Medientycoon Berlusconi nichts am Hut hatte, spiegelte sich in La Stampa wider. Sie vermeldete ebenso, dass Ronato Ruggiero, ein Mann der von Agnelli angeführten Kapitalgruppe, 2002 als Außenminister Berlusconis zurücktrat weil diese nicht bereit war, sich dem Weltherrschaftskurs der USA unterzuordnen, Ruggerio deshalb der Sympathien für die Mitte Links-Opposition verdächtigt und ihm vorgeworfen wurde, das Außenressort nicht genügend von „linken Elementen“ gesäubert zu haben.
Damit dürfte unter den neuen Eigentümer in beiden Zeitungen jetzt Schluss sein.
Anmerkung:
Siehe die Beiträge
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- Tagesschau: Karikaturen als Staatsgefährdung und Umnachtung als Wahrheit von Dagmar Henn
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im WELTEXPRESS.
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