Ein Auto muß nicht teuer sein, aber sicher – Der TÜV Rheinland erneuert seine Aktion „Proficheck“ – Gratis-Sicherheitsprüfung des ersten eigenen Autos nach der Führerscheinprüfung

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Selbstüberschätzung ist eines der größten Probleme von jungen Fahrern, das ergab eine ADAC-Umfrage unter Fahranfängern. Demzufolge ist überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer eins in dieser Altersgruppe. Dabei erklärten 97 Prozent, sie hielten sich für „sichere“ oder sogar „überdurchschnittlich sichere“ Autofahrer, auch wenn die Fahrerfahrung fehlt. Wenn dann noch verschlissene Achsen, ausgeleierte Stoßfänger, schwammige Lenkung oder abgefahrene Reifen dazu kommen, kann es in schwierigen Fahrsituationen leicht zu einem Unglück kommen. Das zeigt eindrucksvoll die Unfallstatistik, denn seit Jahren gehören die jungen Fahranfänger zur Hauptrisikogruppe. Allein in Nordrhein-Westfalen verunglückten im vergangenen Jahr rund 9.300 junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren, davon kamen 81 ums Leben. Das waren 24,6 Prozent mehr als 2010. Bundesweit gab es 52.252 Verkehrsunfälle, in die junge Fahrneulinge verwickelt waren, 522 wurden getötet. Noch deutlicher zeigt sich das Risiko, dem diese jungen Menschen ausgesetzt sind, wenn man ihre prozentuale Unfallbeteiligung mit ihrem Bevölkerungsanteil vergleicht: Ihr Anteil an allen Unfallgetöteten beträgt hierzulande etwa 19 Prozent, obwohl der Bevölkerungsanteil der 18- bis 24jährigen bei nur rund acht Prozent liegt. Man kann es gut nachvollziehen, dass jeder, der soeben die Führerscheinprüfung bestanden hat, auch ins (eigene) Auto steigen und losfahren möchte. Aber nicht jeder kann sich eine neue oder fast neue Karosse leisten. Das Einkommen ist noch mager, der Ausbildungs- oder Arbeits ¬platz unsicher oder schlecht bezahlt, der Führerschein war teuer, und nun noch ein Auto finanzieren? Dann soll es ein preiswerter Gebrauchter sein – für den Anfang.

Doch gerade preiswerte Karossen müssen sicher sein. Das ist das Mindeste, was man von ge-brauchten Autos erwarten kann und erwarten muss. „Ein Auto muss nicht teuer sein, aber sicher“, betont Daniel Wüstenhagen, Kraftfahrzeugexperte beim TÜV Rheinland. Deshalb bieten  neben dem TÜV Rheinland auch die anderen Überwachungsvereine den Gratisservice für Einsteiger an. Und das macht Sinn.

Ältere, preiswerte Gebrauchtwagen haben einen gravierenden Nachteil: Sie befinden sich nicht auf dem neusten Stand der Technik und weisen generell ein geringeres Sicherheitslevel als die aktuelle Modellgenerationen auf. Ein zehn Jahre alter VW Polo beispielsweise hatte zwar schon serienmäßig ABS, den Schleuderverhinderer ESP gab es jedoch nur mit einem saftigem Aufpreis. Wenn die Ausstattung schon hinterherhinkt, ist es um so wichtiger, dass das zum Kauf ausgesuchte Secondhand-Modell wenigstens sicherheitstechnisch in einem einwandfreiem Zustand ist. Wenn nicht, drohen nicht nur hohe Reparaturkosten, bei einem Unfall können die Folgen – man muss nicht immer selbst am Crash Schuld haben– schrecklich sein.

Das Proficheck-Prozedere des TÜV Rheinland ist einfach: Jeder Jugendliche, der die Führer-scheinprüfung bestanden hat, bekommt vom TÜV Rheinland einen Gutschein für die kostenlose Überprüfung des ersten eigenen Wagens, bevor man ihn kauft. Der Gutschein ist auch bei der örtlichen Verkehrswacht zu haben und kann bundesweit bei allen TÜV-Rheinland-Stationen eingelöst werden. Die Kfz-Experten kontrollieren dann dreißig sicherheitsrelevante Fahrzeugteile wie Bremsen, Lenkung, Reifen und Beleuchtung. Zudem werden Achsaufhängung, Motor, Getriebe, Bremsflüssigkeit und Unterboden kontrolliert.

„Mit dem Proficheck bewahren wir Autolaien vor Fehlkäufen und geben somit zusätzliche Sicherheit“, wirbt der TÜV Rheinland. Technische Sicherheit ist übrigens für alle Gebrauchtwagenkäufer wichtig, ganz gleich welchen Alters. Wer sich nicht mit einem „geschminkten“ Zweitehandfahrzeug über den Tisch ziehen lassen will, sollte die – je nach Prüfumfang – 30 bis 155 Euro für die Prüfung investieren und vor dem Kauf durch einen unabhängigen Fachmann kontrollieren lassen, ob der Wagen sein Geld wert ist. Gebrauchtwagenuntersuchungen bieten neben den Prüforganisationen (Dekra, GTÜ, KÜS, TÜVs) auch der ADAC und Werkstätten an. „Mit so einer Prüfung ist man auf der sicheren Seite“, betont der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR).

kb

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