Berlin, BRD (Weltexpress). Der in Johannesburg begonnene G20-Gipfel markiert für Südafrika den Höhepunkt eines sehr ereignisreichen diplomatischen Jahres. „Doch einmal mehr zeigt sich, dass diese Art von Foren jeglichen konkreten Wert verloren hat, in einer Welt, die erneut von Konfrontationen zwischen Regionen mit widerstreitenden Interessen geprägt ist. Insbesondere Donald Trump gibt dem System der formal gleichberechtigten Staaten den Todesstoß“, kommentiert das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 22.11.2025 das Ereignis.
„Der Tycoon hat sich tatsächlich zum Boykott der Veranstaltung entschieden. Während Xi Jinping und Wladimir Putin den Veranstaltungen in Johannesburg fernbleiben, haben China und Russland hochrangige Delegationen entsandt. Umgekehrt werden auch die anwesenden US-Delegierten nicht an den G20-Aktivitäten teilnehmen“. Trump und Präsident Cyril Ramaphosa befinden sich in einem langjährigen diplomatischen Streit, so Das italienische Journal. Trump wirft Südafrika vor, „weiße Bevölkerungsgruppen zu verfolgen“ und damit die Realität, die das Land bis vor wenigen Jahrzehnten prägte, ins Gegenteil zu verkehren. Hinter diesem Streit verberge sich jedoch der Konflikt um Südafrikas Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof. „In einem Anfang der Woche versandten Schreiben weist Washington auf die Konsequenzen seiner Abwesenheit hin: Es könnte auf die Verabschiedung einer gemeinsamen Abschlusserklärung des Gipfels verzichten. Dies würde die Legitimität dieser Erklärung infrage stellen (obwohl die G20 eine informelle Versammlung ist), die für Südafrika den Abschluss von über 120 Wirtschaftstreffen darstellt, die das Land während seiner G20-Präsidentschaft initiiert hat. Aus diesem Grund appellierte Präsident Ramaphosa an die anderen Vertreter, nicht nachzugeben: „ Auch ohne die Vereinigten Staaten wird der gesamte G20-Prozess weitergehen. Wir lassen uns nicht einschüchtern .“ Deutschland unterstützt diese Position ebenfalls, was ein weiteres Zeichen dafür ist, wie dringend die EU Foren wie dieses benötigt, um ein internationales Profil zu entwickeln, das ihr sonst fehlt.
Denn faktisch verhandeln die USA einen Frieden mit der Ukraine ohne Ukrainer und ohne Europäer, und es war Trump, der das Abkommen mit Peking unterzeichnete, das den Markt für Seltene Erden vorübergehend stabilisierte. Brüssel blieb wie immer abseits und agierte innerhalb des etablierten Bündnisses mit Washington – das dieses Bündnis inzwischen aufgab – ohne diplomatisches Geschick und ohne jegliche Strategie. Möglicherweise, meint „Contropiano“, nutzen sie dieses Treffen, um einen Gegenschritt zu erwägen und diesen inoffiziell mit den anderen Teilnehmern zu besprechen. Doch wie so oft sehen wir uns mit einer EU konfrontiert, die Alternativen eher einschränkt als strategisch visionär agiert.
Die zur Debatte stehenden Probleme werden sich jedenfalls nicht leicht lösen lassen. Die drei Hauptsitzungen konzentrieren sich auf drei Bereiche: nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Naturkatastrophen und die Energiewende, wobei ein Kapitel speziell den kritischen Mineralien und der künstlichen Intelligenz gewidmet ist.
Angesichts der zunehmenden Fragmentierung des globalen Marktes und des schwindenden Einflusses aller Kontrollinstanzen (einschließlich der G20) ist es schwer vorstellbar, dass es über Worte und Versprechen hinausgeht. Bemerkenswert ist auch, dass China als einziges Land einen bahnbrechenden Vorschlag im Bereich der KI unterbreitet hat: eine Vision für eine internationale Governance, die auf der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz (WAIC) 2025 vom 26. bis 28. Juli in Shanghai vorgestellt wurde.
Giorgia Meloni möchte ihrerseits in Johannesburg mit ihrem „Mattei-Plan“ 1 Für Afrika im Mittelpunkt stehen. Dies würde ihn noch deutlicher in den Rahmen der Brüsseler Ambitionen einordnen, die darauf abzielen, den Einfluss auf den afrikanischen Kontinent auszuweiten und dort eine größere strategische Autonomie zu erreichen. Die Idee ist, die G20 zu nutzen, um eine neue Finanzarchitektur zu fördern, die einen größeren europäischen Einfluss in Afrika ermöglicht.
Vor wenigen Monaten wurde die Idee diskutiert , afrikanische Schulden in Höhe von rund 235 Millionen Euro in Projekte im Rahmen des Mattei-Plans umzuwandeln . Eine etwas andere „Schuldenfalle“, zu der weitere Initiativen hinzukommen sollten. Brüssel hingegen wäre erfreut, wenn diese Abkommen ein Pendant im Bereich des Migrationsmanagements fänden und so Grenzen in Gebieten externalisiert würden, in denen Praktiken und Menschenrechte nicht nur undurchsichtiger, sondern auch weitgehend unbeachtet bleiben.
Für die europäischen Hauptstädte könnte das Treffen in Johannesburg zwar nützlich sein, um einige in der Vergangenheit geknüpfte Beziehungen zu festigen, doch die G20 hat nicht mehr die Funktion, die sie in einer anderen historischen Phase gehabt haben mag. Fakt ist, schließt der Beitrag, dass die Bedeutung der Länder des Globalen Südens die Entwicklung einer multipolaren Weltordnung unterstreicht.
Anmerkung:
1 Enrico Mattei war Regierungsbeauftragter des Erdölunternehmens AGIP, das er 1953 in die staatliche Energiegesellschaft ENI umwandelte, deren Präsident er wurde. Im Befreiungskrieg gegen das Besatzungsregime der Hitlerwehrmacht hatte er eine christdemokratische Partisanenbrigade kommandiert. Mattei versuchte, der durch die Marshallplanlieferungen einsetzenden wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit Italiens von den USA eine Barriere entgegenzusetzen. Er weigerte sich, den staatlichen Energiesektor Italiens der Herrschaft der in der Standard Oil zusammengeschlossenen US-amerikanischen Erdölgesellschaften, den sogenannten sieben Schwestern, unterzuordnen. Um Italien aus der einseitigen Abhängigkeit von der Erdölversorgung durch die USA zu lösen, schloss er Verträge mit der Sowjetunion, die vorsahen, 30 % des Landesbedarfs zu sichern. Weitere Lieferungen deckte er durch Abkommen mit arabischen Staaten ab. Die Linie der Unabhängigkeit Italiens vom Erdöl der USA berührte aber, von den Profiten, die der Standard Oil damit entgingen einmal abgesehen, die Versorgung der in Italien dislozierten NATO-Verbände und der im Mittelmeer operierenden 6. US-Flotte, für welche die ENI zuständig war. Die CIA brachte am 17. Oktober 1962 durch einen Anschlag seine Privatmaschine zum Absturz. In einer kaum zu überbietenden Weise versucht Meloni den Namen Matteis, der antiimperialistische Positionen vertrat, für ihre neokolonialen Machenschaften zu missbrauchen.
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Die G20 sind ein bedeutungsloser Topf voll Spesen. Dort, wo Mohamed bin Zayed Al Nahyan, Bola Tinubu und Karin-Keller-Sutter, Abdel Fattah el-Sisi, Lawrence Wong und Mette Frederiksen eingeladen sind, da geht es nun wirklich nicht um etwas Wichtiges, sondern um Ringelpietz mit Anfassen. Wenn wichtige Männer der Weltgeschichte wie Xi Jinping, Wladimir Putin und Donald Trump fehlen, dann sind Veranstaltungen ohne diese zweitklassige. Wenn darüber hinaus auch Javier Milei und Claudia Sheinbaum absagen, dann sagt das alles über die im Grunde genommen drittklassige Veranstaltung. Zu der passen Emmanuel Macron, Georgia Meloni, Joachim-Friechrich Merz und Mohammed bin Salman wie die Faust aufs Auge. Drittklassiger geht es kaum. Schon wenige Tage nach diesem G20-Gipfel genannten Ringelpiez mit Anfassen wird es heißen: Außer Spesen (Dutzende von Millionen Euro werden auch für Nutten und Koks ausgegeben – hoffentlich sind die Erdbeeren frisch) nichts gewesen. Es wird sein wie so oft, also wie beispielsweise nach dem Banderastan-Gipfel auf dem Bürgenberg. Der Vierwaldstättersee ruht still, die Karawane an Knallköppen ist längst weitergezogen.