Der Nordische Ski-Winter steht vor der Tür – Hautenge Springer-Outfits und kürzere Laufstrecken

Beim Forum Nordicum Mitte Oktober in Cavalese, italienisches Trentino – Gastgeber der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften  vom 20. Februar bis 3. März 2013 -, informierten die Spitzenfunktionäre des Welt-Skiverbandes FIS Journalisten und Gäste aus 15 Ländern über den Stand der Dinge. Stellten sich Fragen, nahmen Kritik oder Anregungen entgegen. Wie in 32 alljährlichen Treffen des Forums zuvor, das auf Initiative von Journalisten gegründet wurde. Das andere Winter-Topereignis Nordisch, die Welt-Titelkämpfe der Biathleten, gehen im tschechischen Nove Mesto (7. bis 17.2.) über die Bühne.

Unser Überblick über die wichtigsten Neuerungen in der vorolympischen Saison 2012/13

Skispringen

Die Anzüge dürfen im Umfang statt bisher sechs Zentimeter nur noch zwei Zentimeter vom Körper entfernt sein. Damit werden die aerodynamisch bedingten Flug- und Segelmöglichkeiten der Sportler reduziert. FIS-Sprungdirektor Walter Hofer: "Wir wollten wieder die Balance herstellen zwischen Technik und Athletik." Die Technik, sprich Hightec-Gerät Anzug (maximal 5 mm dick, Kostenpunkt etwa 400 Euro), hatte wegen ihrer Bedeutung für die Weite in jüngster Vergangenheit zu Auswüchsen geführt. Spitzenspringer ließen schon mal 10 bis 12 dieser "Drachensegler-Westen" schneidern. In einer Saison musste die FIS 1800 Anzüge prüfen und plombieren lassen. Und dennoch gab es immer wieder Disqualifikationen und Ärger, weil die Sprungballons gegen die Vorgaben verstießen…

Die nun körpernahen Anzüge könnten das Gefüge in der Weltspitze verändern. Athletisch starke Springer, zu denen meist die Deutschen zählen, sollten künftig besser zum Zuge kommen (Severin Freund Erster in Lillehammer auf der Normalschanze). Der österreichische Spitzenspringer Andreas Kofler über seine Erfahrungen aus dem Sommertraining: "Ja, das macht schon eine deutlich Umstellung im Sprung- und Flugverhalten erforderlich…manchmal hab ich es im Training schon ganz gut hinbekommen und an manchen Tagen war das Springen recht mühsam."

Eine Aufwertung erfährt auch das Skispringen der Frauen – 2009 erstmals in Liberec WM-Konkurrenz. Neben 13 geplanten Weltcup-Wettbewerben dürfen die weiblichen Ikarusse erstmals auch offiziell von der Großschanze. Und Premiere feierte in Lillehammer ein Mix-Springen mit je zwei weiblichen und männlichen Akteuren. Vorgesehen auch bei der WM in Predazzo. Interessant: Die Frauen bekommen generell mehr Anlaufgeschwindigkeit, um die Schanzen mit einer optimalen Flugkurve verlassen zu können! Weil sie nicht die Absprungkraft ihrer männlichen Kollegen besitzen.

Nordische Kombination

Der Norweger Lasse Ottesen hat die Nachfolge des dreifachen Olympiasiegers aus Oberwiesenthal, Ullrich Wehling, als FIS-Renndirektor angetreten. Ottesen will erst mal Kontinuität und Wettkampf-Sicherheit in das Geschehen bringen. Nachdem bei Reformen ein wenig zuviel des Guten getan wurde und Wettkämpfe immer wieder Witterungsunbilden zum Opfer fielen. 24 Wettkämpfe an 12 Orten seien, so der Norweger, gesichert. Erstmals wird ein NK-Weltcup in der Türkei/Erzerum ausgetragen. Der Langlauf-Start nach dem Springen soll vermehrt im Auslauf der Schanzen beginnen, um die Dualität des Sports zu verdeutlichen. Die Diskussionen über das umstrittene Penalty-Race (Strafrunden nach dem Rückstand im Springen) dürften – siehe Lillehammer – andauern. Die neue Anzugsordnung, hauteng, gilt selbstredend auch für die Kombinierer. Forderungen nach Wettkämpfen für weibliche Kombinierte stehen noch nicht auf der Tagesordnung. Froh ist man, endlich wieder einen Hauptsponsor (Viessmann) für den Weltcup geordert zu haben.

Ski Langlauf

Bei der Tour de Ski über den Jahreswechsel – Start am 29.12. in Oberhof – werden die Gesamtsieger wiederum durch die Addition der Laufzeiten ermittelt. Wobei auf den einzelnen Etappen wie zuvor Bonussekunden bei Zwischenspurts wie bei der Tour de France ergattert werden können. Falls jemand auf einer Etappe disqualifiziert wird oder das Ziel nicht erreicht, fällt er nicht aus dem Klassement und verliert nicht automatisch alle Preisgelder und Weltranglistenpunkte. Dafür werden drei Strafminuten in der Wertung draufgeschlagen.

In Absprache mit dem Fernsehen werden mehr kürzere Distanzen ausgeschrieben und z.B. in der Männer-Staffel statt 4X 10 km nun 4x 7,5 km gelaufen. Weil da im Zielsprint vermutlich noch mehr Mannschaften für ein spannendes Finish sorgen! Die kurzen Abstände im Ziel in Gällivare haben die Absicht bestätigt.

Um das Angebot für Sprinter(innen) zu erweitern, ist die Wertung für den Sprint-Weltcup erweitert worden. Zusätzlich zu den reinen Sprint-Weltcups werden durch Zeitgutschriften bei Zwischenspurts in "normalen" Distanz-Weltcups vergeben. Am Ende winken den beiden Gesamtersten zusätzlich zum Preisgeld Allrad-Fahrzeuge eines deutschen Wintersport-Sponsors.

Denkbar, dass einige Spezialisten die strapaziöse Tour de Ski wegen des Saison-Höhepunktes WM auslassen. Dem Vernehmen nach wollen Norwegens Asse Marita Björgen und Petter Northug aber dort endlich mal ganz vorn landen. Von Journalisten zum "Ski-König" des letzten Winters gewählt wurde der Schweizer Dario Cologna nach seinen Triumphen bei der Tour de Ski und in der Weltcup-Gesamtwertung.

Biathlon

Nach der Rekord-WM des vergangenen Winters in Ruhpolding, wo bis zu 150 Athleten in einem Rennen über die Loipe gingen, ist Reduzierung angesagt. Maximal 100 bis 105 Teilnehmer sollen in einem Weltcup-Rennen zu erleben sein. Auch im nachgelagerten IBU Cup ist an eine Starter-Limitierung gedacht. Für Biathlon-Länder im Entwicklungs-Stadium erwägt der Weltverband IBU die Einführung einer dritten Wettkampf-Liga. Vor allem von kleineren Nationen begrüßt wurde die Aufwertung der Mixed-Staffel (auch WM-Konkurrenz), weil sie je zwei gute Athletinnen/Athleten eher aufbieten können als jeweils vier.

Bei den schießlastigen Einzelrennen (Männer 20 km/ Frauen 15 km) werden bei Fehlern am Schießstand nur noch 45 s statt einer Minute aufgeschlagen. Also Aufwertung der Laufleistung.

Da der Olympiasieger (2006) Michael Rösch eine Freigabe des Deutschen Verbandes für den Wechsel nach Belgien hat, sei seitens des Weltverbandes IBU nichts einzuwenden. Allerdings müsse der Altenberger sich erst über dem zweitklassigen IBU Cup für den Weltcup qualifizieren. Aktuell wurde bekannt, dass Rösch jedoch noch immer auf die Erteilung eines belgischen Passes wartet.

Sotschi liegt im Plan

Zu Beginn des Forums, einer freiwilligen Interessengemeinschaft von Ski-Journalisten, hatte der Schweizer FIS-Präsident Gian Franco Kasper (68), zugleich IOC-Mitglied, über den Stand der Vorbereitungen auf die Winterspiele 2014 Sotschi referiert. Dort entstünden dank enormer Bau-Anstrengungen ("Geld und Arbeiter gibt es mehr als genug") hochmoderne Anlagen. Allerdings hätten die Zuschauer-Kapazitäten in den Wettkampfstätten außerhalb der Stadt verringert werden müssen. Auch wegen Verkehrsproblemen. Problematisch seien Hotelpreise auch für Journalisten und exorbitant hoch ansetzte Gebühren für den Internetzugang…doch da sei man in Verhandlungen.

Die FIS plant den 20. Januar einen weltweiten Schnee-Tag mit Aktiväten rund um den Erdball. Die Norweger haben bereits reagiert und landesweit einen schulfreien Tag mit Wintersport-Aktivitäten aller Art angekündigt.

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