Berlin, BRD (Weltexpress). Die Lage im Gesundheitswesen der Republik Italien werde laut „Contropiano“ (8.10.2026) immer katastrophaler. Darüber, dass „dem Nationalen Gesundheitsfonds zwischen 2023 und 2026 ast 19 Milliarden Euro gestrichen wurden“ wird berichtet. Laut der Gimbe-Stiftung, die dem Parlament in Rom gerade ihren Jahresbericht mit dem Titel „8° Rapporto GIMBE sul Servizio Sanitario Nazionale“ vorlegte, werde sich diese Kluft weiter vergrößern: um 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2027, um 10,7 Milliarden Euro im Jahr 2028 und um 14 Milliarden Euro im Jahr 2029, was eine kumulierte Lücke von 32,3 Milliarden Euro ergebe.
Italien liege laut der Stiftung bei den öffentlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf weiterhin an letzter Stelle in der Gruppe der G7-Staaten, während die privaten Gesundheitsausgaben, die direkt von den Familien und also aus eigener Tasche bezahlt werden, den OECD-Durchschnitt um 12,3 % übersteigen würden.
Berechnet man zu konstanten Preisen, liegt der Nationale Gesundheitsfonds auf dem Niveau von 2010, während sich der Pflegebedarf seitdem erhöht hat und so auch die Kosten gestiegen sind. Weniger Ressourcen bedeuteten auch schlechtere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen. „Wir erleben eine massive Abwanderung von Fachkräften aus dem öffentlichen Sektor. Jeder vierte Arzt und jede fünfte Pflegekraft arbeitet nicht im staatlichen Gesundheitssystem (NHS). Auch eine ‚Erhöhung der Studienplätze in Medizinstudiengängen wird daher nicht automatisch zu mehr Ärzten im öffentlichen Gesundheitssystem führen, insbesondere nicht in den Fachrichtungen und Bereichen, in denen sie dringend benötigt werden“, warnte der Präsident der Stiftung, Nino Cartabellotta, der zitiert wird. Zum 1. Januar 2025 bestand ein Mangel von 5.716 Allgemeinmedizinern – bei der Annahme eines optimalen Verhältnisses von einem Arzt pro 1.200 Patienten – und 497 niedergelassenen Kinderärzten. Dieser Prozess führe zur Verarmung der Bevölkerung, da diese gezwungen ist, sowohl Steuern als auch Leistungen im privaten Gesundheitswesen zu bezahlen, was gleichzeitig immer mehr Menschen ohne Versorgung zurücklasse.
Behinderte und Pflegebedürftige sozialem Elend ausgeliefert
Im wahrsten Sinne sind die über 12 Millionen behinderten und pflegebedürftigen Menschen dem sozialen Elend ausgeliefert. Wie die Plattform „Collettiva“ der CGIL kürzlich berichtete müssen ihnen Verwandte, Freunde oder Nachbarn helfen, ohne eine Unterstützung zu erhalten. Das ist fast ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung. 4,4 Millionen von pflegende Angehörigen leben im selben Haushalt – überwiegend Frauen, die häufig auch berufstätig sind. Die Zahlen hatte „Collettiva“ einer Umfrage des staatlichen Statistikamtes Istat über Solidaritätsnetzwerke entnommen, die am 25. Juli veröffentlicht wurde, und die eine Realität aufzeigte, die im Sommer noch dramatischer zunahm. Unter anderem, weil für diejenigen, die einen Menschen mit Behinderung betreuen, Urlaube nicht nur komplizierter, sondern oft gar nicht möglich sind. Roberto Speziale , Mitglied des Exekutivkomitees der Allianz gegen Armut und Präsident der Sozialorganisation für Behinderte Anffas, verwies darauf, wie sich die Situation in den Sommermonaten verschlimmert: „Das Gefühl der Isolation nimmt zu, wenn Tagesstätten und soziale Einrichtungen ihre Aktivitäten einschränken oder schließen, wenn die häusliche Pflege – die ohnehin das ganze Jahr über unzureichend ist – unterbrochen oder reduziert wird, lastet die Bürde fast vollständig auf den Schultern der Familien. Hinzu kommt die Hitze: Die immer häufiger auftretenden Hitzewellen verschlimmern einige Beschwerden, insbesondere bei Menschen mit geistigen Behinderungen und neurologischen Entwicklungsstörungen“, erklärte Speziale.
Die Alliance Against Poverty hob hervor, dass 28,4 % der Familien mit mindestens einem behinderten Angehörigen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind.
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