Bremen hat einen Koffer in Berlin – Serie: Vor dem Pokalhit in der neuen Alten Försterei zwischen Union Berlin und Werder Bremen (Teil 1/2)

Im rot-weißen Trikot der Berliner wird ein Talent aus Bremen auflaufen. John Jairo Mosquera steht zwar weiter an der Weser unter Vertrag, wird sich aber nicht unter Werder-Trainer Thomas Schaaf die Schuhe schnüren sondern soll sich bei Union-Trainer Uwe Neuhaus weiterentwickeln. Der Kolumbianer, an dem man nach einem Probetraining beim 1. FCU Gefallen fand und der zuletzt nach Dänemark verliehen worden war, wird Zweitligist, stürmt auf jeden Fall in der neuen Saison für Union – und wenn Union nicht absteigt, dann kickt der 21-jährige bis 2011 für die Eisernen. Dennoch bleibt er Werder-Profi. Seinen Vertrag hatte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs kürzlich bis 2012 verlängert. „Wir sehen in John Jairo Mosquera einen Stürmer, der alle Anlagen für die Bundesliga mitbringt“, meint Allofs und hofft, daß der Moskito auch noch für den SVW sticht. Irgendwann soll Mosquera demnach wieder für Werder auf Torejagd gehen.

Auf jeden Fall mit im Aufgebot stehen M&M. M&M? Das könnte das neue Traum-Duo der Bundesliga werden. Mesut und Marko, genauer Mesut Özil und Marko Marin, gehören zum Goldenen Jahrgang, zum Besten, was die Bundesliga derzeit unter 21 Jahren (U21) zu bieten hat. Beide gewannen gemeinsam vor wenigen Wochen die U21-Europameisterschaft (EM) in Schweden. Marin, der beim Abstiegskampf der Borussia aus Mönchengladbach unter Trainer Hans Mayer selten zum Einsatz kam, soll sich mit Özil den Job von Diego teilen, die Gegner reihenweise austanzen, den tödlichen Paß in die Spitze spielen und die beiden Bremer Angreifer Hugo Almeida und – vermutlich – Boubacar Sanogo mit verwertbaren Bällen füttern. Marin trägt Diegos heilige Nummer 10 – das Trikot des Spielmachers – auf seinem schmächtigen Schultern, die den Bremer Geschäftsleuten mehr Geld Wert waren, als einst der dribbelstarke Brasilianer, der damals vom FC Porto gekauft wurde, gekostet hatte.

Die Personalia Pizarro bleibt weiter offen. Allofs versucht zwar Vieles, um den Weltstar vom FC Chelsea für weitere Jahre zu verpflichten, doch noch ist dem Manager weder ein weiteres lukratives Ausleihgeschäft mit den Londonern noch ein klassischer Kauf des Peruaners gelungen. So ist und bleibt der Portugiesische Nationalstürmer Almeida erste Wahl. Weil Markus Rosenberg (der alte Schwede scheint nach Knieproblemen noch nicht hundertprozentig auf den Beinen und von einem Stammplatz weit entfernt zu sein) zuletzt eine der miserabelsten Spielzeiten seiner Karriere hinlegte und der Neue, der Brasilianer Marcelo Moreno Martins, der vom UEFA-Cup-Finalist Schachtjor Donezk, gegen den Werder denkbar knapp in Istanbul scheiterte, für 2 Mio Euro ausgeliehen wurde, noch die Bindung fehlt und der Bolivianer den Beweis schuldig blieb, besser zu sein, könnte Sanogo in der Startelf stehen.

Mit dem SV Werder kommt ein Torwart-Riese angereist, der den Torwart-Titan beerben will. Tim Wiese gilt nicht nur als ehrgeizig, extravagant und extrovertiert sonder als einziger deutsche Nationaltorwart, der international spielt und über Jahre Erfahrungen in der Champions League und Endspielen sammeln durfte. Stefan Effenberg empfahl kürzlich dem FC Bayern München, sich den 1,93 großen Wiese als „kleinen Kahn“ zu holen. "Er hat eine gute Ausstrahlung, ist ein bisschen verrückt, hat internationale Erfahrung und macht einfach mal den Mund auf", zählt Exot und Experte Effenberg in seinem Verkupplungsversuch via "Bild"-Zeitung die Vorzüge eines Tim Wiese auf.

Vor dem Top-Torwart stehen mit Per Mertesacker und Naldo zwei ausgezeichnete Innenverteidiger auf dem Feld, die aufgrund ihres hervorragenden Stellungsspiels sowie toller Technik den Rasen nicht zum Acker grätschen und selten gegnerische Stürmer sensen. Clemens Fritz auf der rechten sowie Sebastian Bönisch (auch EM-Gewinner) oder Petri Pasanen auf der linken Abwehrseite vollenden die Viererkette mit Vorwärtsdrang. Davor agieren entweder Torsten Frings und Tim Borowski als Doppelsechs oder – wenn Schaaf statt im Planquadrat auf „kontrollierte Offensive“ (Rehagel-Jargon) zu machen mit Raute und daher gleich drei Stürmern spielen läßt (Schaaf-typisch) – Frings gebührt die alleinige Rolle des unermüdlichen Staubsaugers und Antreibers. Ganz sicher wird Borowski zur ersten Elf gehören, die Rolle von Frank Baumann als Abräumer übernehmen, M&M bei ihren Vorstößen nach hinten absichern und notfalls auch mal selber draufhalten, um Tor zu schießen.

Keine Frage: In die Alte Försterei kommt mit Werder Bremen die spielstärkste Mannschaften der Liga, auch wenn die Küstenkicker letzte Saison nur zwischen Baum und Borke das Tabellenmittelfeld bereicherte. Ich lege noch einen drauf: Mit Werder Bremen kommt einer der spielerisch gesehen besten Mannschaften Europas, auch wenn die Schaaf-Herde diese Saison nur in der neu geschaffenen Europaliga, dem ehemaligen UEFA-Cup, kickt.

Alle beim 1. FC Union Berlin dürfen sich auf das erste Pflichtspiel der neuen Saison, auf den Pokalhit gegen Werder Bremen im neuen Stadion freuen. Wir von der Sport-Redaktion des Weltexpress freuen uns mit.

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Im nächsten Teil befassen wir uns ausführlich mit Union Berlin.