Berlin Volleys: Kontinuität im Kader, Vertrauen auf mentale Stärke und CEP-Strümpfe bei langen Reisen

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Davon sechs in der Bundesliga, drei in der europäischen Champions League und eins im nationalen DVV-Pokal! Erst Ende November (DVV-Pokal) oder dann am 7. Dezember gegen den VC Dresden dürfen die Fans die Volleys in ihrem „Volleyball-Tempel“ bejubeln!

Die Ursache für dieses in einem Profi-Sport wohl einmalige Phänomen ist allerdings nicht in einem Computer-Absturz zu sehen. Ganz offensichtlich hat man darauf vertraut, als einer der Ankermieter in der Max-Schmeling-Halle neben den Handball-Füchsen Priorität zu genießen. Doch weil offenbar eine Hallenanforderung nicht rechzeitig seitens der Volleys vorlag, hat der Hallenbetreiber vor allem im November anderen Veranstaltern zugesagt. Bei Konzerten, internationalen Wettbewerben im Tischtennis und Tanzsport. Denn jeder Tag Leerstand bedeutet enorme Betriebskosten. Was zumeist (kommunale) Zuschüsse erfordert.

Die Volleys haben reagiert, „und jetzt bereits für die nächsten zwei Jahre Hallen-Termine reserviert“, wie Volley-Manager Kaweh Niroomand auf der Saison-Pressekonferenz bemerkte.

Die fand erstmals in 203 m Höhe im Restaurant-Teil des Fernsehturms statt. Deren Betreiber ist neuer Partner im BRV-Sponsorenpool.

Von oben herab auf die Konkurrenz schaut der Meister der beiden letzten Jahre nicht. Nach dem "überraschenden Titelgewinn" zunächst und jenen als Mitfavorit im vergangenen Mai, sehen sich die Berliner logischerweise in der "Rolle des Gejagten".

Rekord-und Serienmeister VfB Friedrichshafen hat enorm aufgerüstet und "die halbe Nationalmannschaft der Bulgaren" im Aufgebot. Die Männer vom Balkan hatten die Medaillenträume der Deutschen bei den Europameisterschaften im Viertelfinale platzen lassen. Auch Haching, Noch-nie-Meister aber Mehrfach-Pokalgewinner, scheint neue Geldgeber gefunden zu haben. Für mehrere reumütige Auslands-Heimkehrer (Italien) mit Nationalmannschafts-Status.

Deswegen bleibt BRV-Cheftrainer Mark Lebedew, deckungsgleich mit Niroomand, zurückhaltend bei den Saisonzielen: Finale um die Meisterschaft erreichen ("Titel kann man nicht planen"). In der europäischen Königsklasse wieder aus der Vorrunde unter die besten Zwölf vordringen. "Und im DVV-Pokal endlich mal das Endspiel bestreiten."

Im Gegensatz zu den beiden stärksten Mitbewerbern hat sich der Kader der Volleys nur marginal verändert. Neben dem jungen serbischen Mittelblocker Srecko Lisinac (EM-Dritter und Finalrunde WM U 23) hat man die beiden Junioren-Nationalspieler und Eigengewächse Ruben Schott und Florian Hecht nun voll in den Profikader integriert. Niroomand: "Wir setzen auf Kontinuität, eine eingespielte Besetzung un Harmonie."

Lebedew vertraut zudem einer Eigenschaft, die in keiner Statistik ablesbar ist: der Nervenstärke seiner Formation. Nicht zufällig sind die beiden letzten Finals auswärts und jeweils nach Rückständen im finalen Tiebreak-Durchgang an die Hauptstädter gegangen.

Für den Fall der Fälle – auch, weil der Etat um 100 000 Euro auf nun 1,5 Millionen gestiegen ist – könnte man bis Ende Januar noch einen 14. Spieler nachverpflichten.

Durch die unglücklichen Spielansetzungen rechnet man nicht mit einer Erhöhung des Besucherschnitts von 4900 (unerreicht in nationalen Volleyball-Arenen). Um weiter für Volleyball zu werben, haben die Volleys zusammen mit Hauptsponsor Berlin Recycling eine Kampagne gestartet: www.urban.volley.de. Da gibt es einen Video-Clip mit den Profis, die auch mittels einer transportablen Anlage praktischen Unterricht erteilen wollen. Mit Hilfe des Senats möchte man 2015 Gastgeber für das Endspiel in der Champions League sein.

Die Ballung der Auswärtstermine kommentiert der Cheftrainer übrigens mit bemerkenswerter Gelassenheit. Man könne das als mehrwöchiges Auswärts-Trainingslager betrachten. Und wenn man so lange gemeinsam unterwegs sei, dürfte das dem Zusammengehörigkeits-Gefühl dienlich sein!

Und die medizinische Abteilung um Dr. Oliver Miltner beweist ihre professionelle Sorgfalt, indem sie CEP- und Kompressionsstrümpfe geordert hat. Zur besseren Durchblutung "nach den Spielen" sowie "um bei langen Reisen keine Lymphabfluss-Problematik entstehen zu lassen".

Mal sehen, ob sich die Strumpf-Strategie bei dieser Terminverzerrung als erfolgreich erweist…

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