Auf nach Korsika: das andere Frankreich – ATOUT FRANCE – Französische Zentrale für Tourismus tourt durch Deutschland

Die kurzen Vorstellungen der Regionen werden ergänzt durch die anschließenden Gespräche, die individuell mit Vertretern spezifischer Regionen, die viel Material mitgebracht haben, geführt werden können. Auch wir müssen uns bei der Berichterstattung auf Schwerpunkte beschränken. Da ist zum Beispiel Korsika. Ja, das ist Frankreich und zwar von einer besonders pittoresken Seite. Daß die Mittelmeerinsel Korsika ein Geheimtip sei, kann man schon lange nicht mehr behaupten, denn viele haben diese „Insel der Schönheit“ schon einmal besucht. Wir nicht. Deshalb haben wir hier besonders gut zugehört. Das lag auch daran, daß Madame X. aus Korsika ein wunderbares Französisch sprach, aber kein Deutsch, das uns alle Konzentration abforderte. Wir hatten noch die zentralen Ausführungen im Ohr, daß die Insel Korsika: „mit ihren Weilern, Dörfern und kleinen Orten nicht nur eine Ansammlung beeindruckender Landschaften ist. Sie verfügt auch über ein unendlich reiches kulturelles Erbe.“

Dabei ging es um die Nennung der „turbulenten“ Vergangenheit und die Stadtgründungen: Bastia, Corte und Ajaccio, die wechselnd Hauptstadt waren. Heute wundert man sich, wie die relativ geringe Zahl von Korsen, rund 290 000 derzeit, die diese viertgrößte Mittelmeerinsel besiedeln, über einen derart üppigen kulturellen Schatz verfügen können, denn die architektonischen Schätze auf dem Land stehen in keinem Verhältnis zur heutigen Bedeutung dieser Regionen. Es muß also Zeiten gegeben haben, wo es sich für die Besitzer lohnte, in den verwunschenen Ecken Korsikas prächtige überdimensionierte Kirchen mit reicher Ausstattung zu bauen und als Mäzen sich damit brüsten zu können.

Inwieweit sich diese Kirchen vom Stil der französischen Kirchen generell unterscheiden, wissen wir noch nicht, dies ist aber einer der Gründe, warum wir die Insel aufsuchen wollen. Denn allerorten hört man, daß die Korsen gar keine richtigen Franzosen seien, nicht, weil sie vom Festland nicht anerkannt würden, nein, ganz im Gegenteil. Sie sind etwas Besseres, zwar auch mit Paß französisch, aber doch eigentlich korsisch, was die eigene Sprache betont und die spezifisch korsische Kultur auch. Wie es um diese bestellt ist, wie die Eigenständigkeit sich abgrenzt gegenüber dem Französischem, wie das Verhältnis zum benachbarten Italien ist, das sind alles Fragen, die man nur im Lande selbst recherchieren kann. Genau. Deshalb wollen wir gerne hinfahren, um auch in den Schulen direkt mitzubekommen, wie die Kinder reden, ob Französisch für sie die erste Fremdsprache ist oder wie man das handhabt mit den zwei Kulturen, von denen alle sprechen.

Als erstes holte Madam X. eine Karte heraus und schlägt sie auf: schmal in der Breite und ellenlang. Als erstes fallen einem die zerklüfteten Küstenlinien auf der Linken auf: Buchten, Golfe, Einschnitte, fast wie Fjorde, eine unendliche Anzahl von Küstengliederungen, während auf der rechten Seite, dem Osten, vom Norden bei Macinaggio bis zum südlichen Golf von Pinarellu, ein fast vollkommen glatter Küstenverlauf vorherrscht. Warum? Auch so etwas muß man im Lande erforschen. Unsere nächste Frage wäre jetzt, welche Küste dichter besiedelt gewesen wäre zu den Zeiten, als Korsika erst zu Korsika wurde. Aber allein die Lage der drei Hauptstädte des Landes zeigt, wie undurchsichtig das ist, denn Bastia liegt oben im Norden an der Ostküste, Corte mitten im Lande und Ajaccio an der südlichen Westküste. Von allem also etwas. Das ist geschichtlich schon hochinteressant und zeigt die internen Kämpfe auf.

Überhaupt die Geschichte. Den meisten ist bekannt, daß der große Napoleon, der so klein war, auf St. Helena im südlichen Atlantik starb. Daß er aber in der Hauptstadt Korsikas 1769 als Napoleone Bonaparte geboren wurde, hat sich immer noch nicht überall herumgesprochen und auch in Korsika selbst ist das Verhältnis zum Imperator mehr als ambivalent, denn Napoleon ist ein gutes Beispiel dafür für eine Großkotzigkeit, was man heutzutage ein Neureichengehabe nennen täte. Aber richtige Inselbewohner wollen nie mehr scheinen, als sie sind. Die Geschichte müssen wir jetzt links liegen lassen, denn die Karte Korsikas mit den auffälligen Farbschattierungen liegt vor uns.

Auf den ersten Blick versteht man, warum die Phönizier wohl der Insel ihren Namen gaben. Denn alles ist im Inneren Grün. ’Die mit Wald bedeckte` sollen sie mit dem Wort korsai diese Insel genannt haben. Holz allerdings war genau das, was die Phönizier, einst vor ihrer Niederlage durch die Römer die mächtigste Mittelmeermacht, für ihre Schiffsflotte brauchten. Das satte Grün der Landkarte suggeriert einem eine satte Tiefebene. Das wäre falsch gedacht. Denn Korsika ist von allen Inseln des Mittelmeeres mit einer durchschnittlichen Höhe von 568 m die gebirgigste. Es sind – so nennt es uns Madame X. genau – 86 Prozent, die Bergland sind und nur 14 Prozent bleiben für das Küstentiefland. Die durchschnittliche Höhe kommt deshalb zustande, weil es in Korsika nicht ein, zwei, drei Zweitausender gibt, sondern ganze fünfzig an der Zahl! Der höchste Berg heißt Monte Cinto und Madame X. legt ihren Finger auf die erstaunliche Meterzahl von 2706 Meter. Inzwischen haben wir auch kapiert, daß das tiefe Grün inmitten Korsikas noch nicht einmal den Wald symbolisieren soll, sondern ganz allgemein für den Parc naturel regional de Corse steht, worin sich helleres Grün für Wälder abzeichnet, während die bräunlichen Flecken auf der Ostseite Weinberge darstellen und die scharf gelben Linien die Sandstrände aufzeigen und die bräunlichen die Steilküsten anzeigen.

Unser Routenvorschlag von Madame X. sieht folgendermaßen aus: Wir kommen mit der Fähre von Nizza, Toulon oder Marseille nach Bastia an der Ostküste – allerdings kann man auch in der Hauptstadt Ajaccio vom französischen Festland aus ankommen. Aber wir bleiben bei Bastia. Dort ist es sinnvoll, ein bergsicheres Auto zu mieten und sich nicht gemütlich an den Sandstrand zu legen, sondern direkt in die alte Hauptstadt Corte zu fahren. Aber dann durchaus zurück an die Ostküste nach Aleria und im Uhrzeigersinn den gesamten Küstenstreifen hinunter, bis zu Spitze Bonifacio. Sieht man sich das auf der Karte an, dann denkt man tatsächlich an ein sehr langes gleichschenkliges Dreieck mit schmaler Hypotenuse im Norden. Von der Südspitze aus geht es nun wieder nach Norden, aber an der zerklüfteten Westküste entlang. Leider liegt die Straße im Inland, aber ist man erst dort, wird man froh sein, nicht die kleinen Küstenstraßen unendlich lange fahren zu müssen. Bei Ajaccio landet man und jetzt verstehen wir, daß wir die Fahrt auch im umgedrehten Sinne machen können.

Wie es wirklich war und was unterwegs zu sehen war, zu essen und zu trinken, zu singen, tanzen und zu erleben, das erfahren Sie ein andermal, wenn wir auf Korsika waren.

Internet: www.franceguide.com