Als wir den Mussolini tanzten – Zum Buch „Das ist DAF – Deutsch-Amerikanische Freundschaft – Die autorisierte Biografie“

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Gabi Delgado und Robert Görl am 11.11.2017 in Hamburg. © Anne Kurras

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Auch für mich waren DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) eine der wichtigsten Bands der frühen Achtziger. Ihr elektronischer Sound und die provokanten Texte (Tanz den Mussolini, Die lustigen Stiefel marschieren über Polen, Kebapträume in der Mauerstadt, Türkentür hinter Stacheldraht, Neu-Izmir liegt in der DDR, Atatürk der neue Herr) gingen uns jungen Abenteurern in der Zonen-Provinz runter wie Oil.

DAF war Avantgarde

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Das ist DAF. © Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Das wollten wir auch sein und liefen schon bald in Lederhosen Marke Gabi Delgado erst durch Weimar und später durch Westberlin. In WB war der DAF-Stern aber schon versunken, Mitte der 80er murmelten Gabi und Robi durch die Discos dieser Welt, waren aber für die Westberliner Szene kein Maßstab mehr. Das lag auch an ihrer unnachahmlichen Art, sich permanent zu verstreiten, im Schmollwinkel zu daddeln und sich selbst für den Nabel der Welt zu halten. Wenn sie zufällig mal einer Meinung waren, entstand daraus große Musik, die eine ganze Epoche prägte. Leider ist ihnen seit 30 Jahren kein großes Lied mehr geglückt, obgleich sie regelmäßig unterwegs sind, neue Titel auf den Markt werfen und mit Anfang 60 noch ordentlich das Tanzbein schwingen. Kleine Säle sind gut gefüllt mit Retrobuben- und Retromädels, die jedoch allesamt die ollen Kamellen aus den 80ern hören wollen. Der Laden läuft, das sei ihnen gegönnt. Nun beglückt zum 40-jährigen BandJubiläum eine Art Tribut-Bio die treuen Fans. Es war wohl eine schwere Geburt, die beiden Narzissten Görl und Delgado ins gemeinsame Buchboot zu bekommen. Selbstverständlich hat jeder der zwei Altpioniere seine eigene Wahrheit – und darf sie auch ausführlich kundtun, das ist wohl der Kompromiss einer autorisierten Biografie, unter der es offensichtlich nicht ging. Manchmal ist es lustig, wenn z. Bsp. Görl sich darüber erregt, dass er nur als der Junge am Schlagzeug ahrgenommen wurde (und wird). Oder wenn Ereignisse in völlig konträren Kontexten wahrgenommen werden. Häufig ist es der Eitelkeit der Herren geschuldet, das ermüdet schon ein wenig, man hätte sich als Leser häufiger einen von außen kommenden Blick gewünscht. Nichtsdestotrotz bietet das Buch eine Menge Infos zu Texten, Bandhistorie und musikalischen Ereignissen der BRD. Daneben ist es mit Fotos, Covern, Eintrittskarten und Plakaten garniert, dass es eine Lust ist. Ja, es gehört in jede gut sortierte Musikbüchersammlung. Bissel schade ist die Aufbereitung, bei stolzen 24,99 Euro möchte man doch mehr als ein broschiertes Buch in der Hand haben.

Bibliographische Angaben

Robert Görl und Gabi Delgado, Aufgeschrieben von Miriam Spies und Rudi Esch, Das ist DAF, Deutsch Amerikanische Freundschaft – Die autorisierte Biografie, einmalige Erstausgabe, von Robert Görl und Gabi Delgado handsigniert, 360 Seiten plus 16 Seite Bildteil, großformatige BroschurVerlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2017, ISBN: 3-86265-663-9, Preis: 24,99 EUR

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