Alba Berlin: Kaum Leistungs-Einbußen nach Radikal-Kaderumbruch – Basketball als globales Sport-Entertainment

Der achtmalige Basketball-Meister – letzter Titelgewinn allerdings 2008 – hat nur einen Akteur aus der Vorsaison gehalten und zwölf neue Spieler verpflichtet.

Eine Radikal-Zäsur, die manche Fans dazu veranlasst hat, den Albatrossen die Freundschaft aufzukündigen.

Der zweite Europacup-Auftritt am Mittwoch in der heimischen O 2-Arena hat jedoch verdeutlicht, dass die Protesthaltung vielleicht nicht mehr zeitgemäß ist. Alba besiegte die Gäste von CAI Saragossa nach einem sehenswerten Basketballspiel im Europacup 71:68. Und bestätigte, dass die Berliner auch in der neuen Saison ein wettbewerbsfähiges Aufgebot beisammen haben.

Das hatte sich bereits nach dem Erfolg im Champions Cup-Finale gegen den mehrfachen Doppel-Sieger aus Pokal und Meisterschaft, Brose Bamberg, vermuten lassen. Und war danach in der Beko BBL-Bundesliga sowie bei der erfolgreichen Europacup-Premiere gegen Bonn fortgesetzt worden.

Einige Korbjäger waren auch wegen Differenzen mit Alba-Cheftrainer Sasa Obradovic gegangen. Der Serbe, Markenzeichen Zappelei am Spielfeld und autoritärer Umgang mit Spielern, war ebenso wie Oldie Sven Schultze als Antreiber und Motivator geblieben. Und hat es erstaunlicherweise innerhalb weniger Wochen geschafft, der Mannschaft schon eine deutliche Struktur in Angriff und Abwehr zu verpassen.

Und die emotionale Bereitschaft, für den neuen Klub und Trainer alles zu geben, war gegen Saragossa erkennbar. Die Spanier, immerhin mit Aktiven aus acht Ländern angetreten, sahen lange Zeit einen Tick technisch und taktisch geschickter aus. Führten ständig – 21:15, 37:36, 57:55 -, doch im letzten Drittel drehten die Gastgeber mit Herz und kühlem Verstand die Partie. 7700 Fans, der harte Kern bei der parallelen Champions League mit Bayern München, bejubelten letztendlich den Drei-Punkte-Vorsprung bei der Schluss-Sirene.

Dass war dem klugen Coaching von Obradovic zu verdanken, der seine Matchwinner David Logan, Reggie Redding (beide USA) und den Mazedonier Vojdan Stojanovski sowie den deutschen Center Jonas Wohlfarth-Bottermann noch frisch bei Kräften in der entscheidenden Phase auf die Platte brachte. Vier Minuten lang wurde dank einer vorbildichen Team-Verteidigung den Gästen kein Korberfolg gestattet.

Gästecoach Joe Luis Abos war unzufrieden, dass mann trotz 80 Prozent Spielkontrolle den Sieg noch aus den Händen gab: “Wir haben leider am Ende unsere freien Würfe im Gegensatz zu Alba nicht getroffen.“

Und Obradovic meinte: „Nicht alles war schon perfekt heute, aber jeder aus der Mannschaft hat sein Bestes gegeben. Wobei die Zuschauer uns geholfen haben. Ich denke, sie haben ein spannendes und gutes Spiel erlebt.“

Bedauerlicherweise erlitt der 2,08 m große Kroate Leon Radosevic, ein Mann mit feiner Motorik, Schnelligkeit, Wurfgefühl und NBA-Perspektive, eine Verletzung im Sprunggelenk und fällt bis zu sechs Wochen aus. Dass die Mannschaft insgesamt so schnell das Zusammenspiel gefunden hat, hängt mit der individuellen Klasse der ausländischen Angestellten zusammen. Die fünf mit deutschem Pass dürften bis auf Wohlfarth-Bottermann sowie die kurz eingewechselten Akeem Vargas (Doppelpass Deutschland/USA) und Jan-Hendrik Jagla vor allem den Part als Ergänzungsspieler ausfüllen.

Die erwähnten Ausländer jedoch haben zumeist in Vereinen unterschiedlicher Länder ihren Job ausgeübt und entsprechende Spielsysteme kennengelernt. Und die haben sich im Internet-Zeitalter weitgehend angeglichen. Nationale Spezifika – serbische Schule, russischer Basketball, US-Style – das war einmal. Basketball ist globales Sport-Entertainment geworden.

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