Berlin, BRD (Weltexpress). Die Regierung in Rom verfolgt besorgt die Lage in Libyen, wo Fawzi al-Mansouri, der Chef des Militärgeheimdienstes der Libyschen Nationalarmee (LNA) von General Haftar, die den Osten des Landes kontrolliert, bei einem Angriff in Bengasi getötet wurde. Dann folgten Drohnenangriffe auf den wichtigen Ölkomplex Zawiya im Westen. Schließlich trat Zentralbankgouverneur Naji Issa zurück.
Wie das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 16. August 2026 berichtete, war in dem Fahrzeug Fawzis ein Sprengsatz platziert worden, der explodierte, als er einstieg. Der Anschlag ereignete sich in der Nähe seines Hauses. Die Drohnenangriffe lösten einen Großbrand in der Raffinerie Zawiya, einer der wichtigsten Ölanlagen Libyens, aus. Laut „Contropiano“ rief die staatliche Ölgesellschaft den Notstand aus. Das Werk in Zawiya, etwa 45 Kilometer westlich von Tripolis gelegen, beherbergt Libyens größte betriebsbereite Raffinerie mit einer Kapazität von rund 120.000 Barrel pro Tag. Es wird über eine lange Pipeline mit Rohöl aus Sharara versorgt. Das letztgenannte Feld fördert rund 300.000 Barrel pro Tag und wird von Akakus Oil Operations betrieben, einem Unternehmen, das sich im Besitz der libyschen National Oil Corporation sowie des spanischen Konzerns Repsol, des französischen Konzerns TotalEnergies, des österreichischen Konzerns OMV und des norwegischen Konzerns Equinor befindet. Das Oil & Gas Mellitah, ist ein Joint Venture zwischen der libyschen NOC und dem italienischen Unternehmen Eni, was die Versorgung Italiens betrifft rohen Produktionskürzungen in den beiden Feldern infolge der Angriffe auf Zawiya.
„Contropiano“ betonte, die Sicherheit der Anlage in Zawiya sei für Italien, den Hauptabnehmer libyschen Rohöls, von besonderer Bedeutung. Laut den jüngsten Schätzungen entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund 45 Prozent der libyschen Ölexporte auf den italienischen Markt. Libysches Rohöl sei besonders begehrt, da es „leicht süß“ ist, also leichter und schwefelärmer. „Dadurch lässt es sich einfacher und kostengünstiger fördern und verarbeiten und benötigt weniger Entschwefelungsprozesse, was die Gewinnung hochwertiger Produkte wie Benzin, Diesel und Flugkraftstoff erleichtert. Zu diesen Vorteilen kommen die geografische Nähe zu italienischen und europäischen Raffinerien sowie die kurzen Seewege hinzu, die weder die Straße von Hormus noch die Meerenge von Bad El Mandeb kreuzen, die derzeit im Zentrum des Konflikts zwischen den USA und Israel und dem Iran steht. Für Italien sei Libyen, so „Contropiano“ weiter, einer der wichtigsten Knotenpunkte der italienischen Energiestrategie im Mittelmeerraum. Die bedeutendste Verbindung besteht zu Eni, das über Eni North Africa, Mellitah Oil & Gas und GreenStream in Libyen vertreten ist.
Die GreenStream-Pipeline transportiert Gas aus den libyschen Feldern Wafa und Bahr Essalam nach Italien. Im Juni letzten Jahres starteten Eni und die libysche Nationale Ölgesellschaft das Sabratha-Kompressionsprojekt, das die Produktion im Offshore-Feld Bahr Essalam steigern soll. Das neue Kompressionssystem soll die Gewinnung von rund 800 Millionen Kubikmetern Gas pro Jahr ermöglichen. Im März gab Eni neue Gasfunde in Libyen mit einem Gesamtvolumen von über 28 Milliarden Kubikmetern bekannt. Die Ereignisse zeigten, dass Libyen, nach wie vor von weit verbreiteter Instabilität und tiefen Spaltungen geprägt ist, und dies könnte
auch Auswirkungen auf Italien haben. Denn Libyen bleibe gespalten und instabil“. In Tripolis amtiere die von Abdul Hamid Dbeibeh geführte Regierung der nationalen Einheit, die jedoch mit Milizen und bewaffneten Gruppen zu kämpfen hat, die um die Kontrolle über Territorium und Ressourcen konkurrieren. Im Osten hingegen behalte General Haftar durch die Libysche Nationalarmee eine starke militärische und politische Kontrolle über die Kyrenaika. Hinzu komme, dass voraussichtlich Wahlen zur Wiedervereinigung der Institutionen und der Durchführung nationaler Wahlen stattfinden werden.







