
Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Man nehme eine offene Flamme (gerne Gas) und bringe einen Topf (ich bevorzuge Kupfel, Edelstahl und Gußeisen) mit Wasser zum Kochen. Derweil schneide man Zwiebeln, Mohrrüben und Echten Sellerie.Anschließend darf ein Roter Amerikanischer Sumpfkrebs oder ein Hummer darin baden. Das Abschrecken in Eiswasser nicht vergessen!
Die Bilder sieht man zu Beginn des Filmes „Couscous und Geheimnisse“, aber kein Wort darüber, daß das Abschrecken von Krebsen aller Art das Garen schlagartig stoppt und somit verhindert, daß das Fleisch durch die Wärme trocken oder zäh wird. Richtig, es bleibt zart. Zudem läßt sich das Fleisch bequemer von der Schale lösen.
Daß diese Speise für Personen in Palästen auch in Hütten gut gelingt, das versteht sich von selbst. Liebe geht durch den Magen und ohne Mampf kein Kampf im Allgemeinen und Klassenkampf im Besonderen. Das gilt auch für Köche und Kellner am heimischen Herd.
Im Film „Couscous und Geheimnisse“ wird gekocht und gekellnert, gegessen und getrunken. Geredet wird auch. Sprache ist nicht nur das Salz in der Suppe einer Komödie. In dieser erzählt Amine Adjina von einem aus Algerien stammenden Koch namens Mehdi (Younès Boucif) in der Französischen Republik, der in Lyon für Lohn arbeitet (immerhin), liebt und lügt. Damit läßt er einen Reigen von Irrungen und Wirrungen gedeihen, die sich auswachsen..
Gemeinsam mit seiner Freundin Léa (Clara Bretheau) will Mehdi das Restaurant, in dem er kocht und küßt, übernehmen. Daß Liebe lustig und die Arbeit in der Gastronomie streßich sein kann, das wird von Anfang an gezeigt. Im Restaurant bleibt die Romantik auf der Strecke. Statt Tête-à-Tête am Herd gibt es Bestellungen am Tisch und dann taucht auch noch Faïza (Inès Boukhelifa), eine der drei Schwestern von Mehdi, im Le Baratin genannten Bistro auf wie Falschgeld in der Kasse. Léa (rote Haare, rote Lippen, ansonsten blauäugig bis aufs Blut) will nicht nur Mehdi kennenlernen und lieben, sondern auch dessen Schwestern und verwitwete Mutter Fatima (Malika Zerrouki). Doch der Nafri (schwarze Haare, schwarze Augen, schwarze Füß) will nicht. Er läßt Souhila (Hiam Abbass), die eine Bar- und nicht Puffmutter spielt, sich als dessen Mutter ausgeben. Puff, Peng, Knall! Das Schauspiel nimmt seinen Lauf.
Irgendwann wird eine Dose mit Tomarkenmark geöffnet. Das Geschrei der weiblichen Vertreter fremder Völker (Zaghruta genannt) ist groß. Das Kino ist es auch. Großes Kino in einem kleinen Film mit dem Originaltitel „La petite cuisine de Mehdi“. Diese und weitere Momente sind witzig, manche tragisch-komisch. Der Film ist flott geschnitten. Die Kamera nah am Geschehen und an Gesichtern.
Allerdings wird kein Couscous gekocht und das intellektuelle Niveau wird auf kleiner Flamme gehalten – für meinen Geschmack. Auch wenn der Kopf mal Pause hat, sorgte Amine Adjina, die mit Fabien Gorgeart das Drehbuch schrieb, in dieser für einen liebevollen Film, in dem nicht nur Personen aufeinanderprallen, sondern auch „Kulturen“, wie man so sagt. Mit anderen Worten: Es wird nicht nur Obst und Gemüse beschnitten.
Kochen wenigstens Sie ein Gericht mit Couscous, dann speisen und spazieren Sie in ein gemütliches Kino und schauen Sie sich diesen Film an.
Filmographische Angaben:
- Titel: Couscous und Geheimnisse (2025)
- Originaltitel: La petite cuisine de Mehdi
- Internationaler Titel: Spices and Lies
- Produktionsstaat: Französische Republik
- Produktionsjahr: 2025
- Genre: romantische Komödie
- Regie: Amine Adjina
- Drehbuch: Amine Adjina, Fabien Gorgeart
- Kamera: Sébastien Goepfert
- Schnitt: Guerric Catala
- Darsteller: Younès Boucif, Clara Bretheau, Hiam Abbass, Gustave Kervern u.v.a.m.
- Filmlänge: 104 Min
- Altersfreigabe BRD: FSK 6
- Filmverleih BRD: Lighthouse Home Entertainment
- Vertrieb: 24 Bilder Film GmbH
- Kinostart in der BRD: 25.6.2026
Anzeige:
Reisen aller Art, aber nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert und mit Persönlichkeiten – auch kulturelle und kulinarische Reisen durch die Französische Republik –, bietet Retroreisen an. Bei Retroreisen wird kein Etikettenschwindel betrieben, sondern die Begriffe Sustainability, Fair Travel und Slow Food werden großgeschrieben.



