Berlin, BRD (Weltexpress). Am 16. Juni 2026 begehen die Metallarbeiter Italiens den 125. Jahrestag der Gründung ihres eignen Verbandes. Sie fand in der Hafenstadt Livorno als Federazione Impiegati e Operai Metallurgici (Verband der Metall-Angestellten und Arbeiter – FIOM) statt. Das Umfeld dieser Gründung bildeten die 1876 entstandene überregionale Föderation der norditalienischen Sozialisten, die sich mit weiteren Organisationen 1892 zur einheitlichen Sozialistischen Partei zusammenschloss und die Inbesitznahme der Produktionsmittel (Arbeitsmittel) forderte. 1900 setzten die Arbeiter im Ergebnis eines Generalstreiks in der Industrie- und Hafenstadt Genua das Streikrecht durch. Danach wuchsen die Arbeitsniederlegungen von Jahr zu Jahr an. 1907 nahmen 581.244 Arbeiter an 2.160 Streiks teil. Die FIOM war Triebkraft des 1906 entstehenden Allgemeinen Italienischen Gewerkschaftsbundes Confederazione Generale del Lavoro, in dem sich rund 700 Einzelorganisationen mit 250.000 Mitgliedern zusammenschlossen. Viele Gewerkschafter, vor allem FIOM-Mitglieder, traten der ISP bei, die 1906 Anfang des 20. Jahrhunderts mit 250.000 Mitgliedern zur drittstärksten Arbeiterpartei Europas aufstieg.

Der Generalsekretär der FIOM, Michele De Palma, hat das Jubiläum zum Anlass genommen, die Aufgaben der Metaller in der heutigen Auseinandersetzung mit dem schonungslosen Sozialabbau unter der Unterdrückung der Arbeiter- und Gewerkschaftsrechte durch die faschistische Regierung von Giorgia Meloni aufzuzeigen und sie zum entschlossenen Kampf dagegen aufzurufen. In einem ausführlichen Interview mit der CGIL-Plattform „Collettiva“ kritisierte er schonungslos ihre Regierung als Verantwortliche für die katastrophale Lage der Industrie und ihren Auswirkungen auf die soziale Lage und forderte einen Kurswechsel durchzusetzen. „Wir befinden uns jenseits des Dammbruchs; unsere Zukunft steht auf dem Spiel.“ Die italienische Industrie „steht an einem Scheideweg. Nach Jahren rückläufiger Produktion und Beschäftigung droht dem Land ein Weg ohne Wiederkehr“. Er bezog sich auf die Daten des Statistikamtes ISTAT , die auswiesen, dass in der Industrie von 2007 bis heute rund 700.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Zu den heikelsten Konflikten zählte De Palma das US-Unternehmen Electrolux, das trotz positiver Geschäftszahlen in Italien über 1.700 Entlassungen und die Schließung eines Werks angekündigt hat. Die Krise betreffe auch die Automobil-, Stahl-Branche und viele andere strategische Sektoren. „ Heute stehen wir an einem Wendepunkt: Wollen wir ein Industrieland sein oder nicht “, fragte der Gewerkschaftsführer, der weiter betonte, dass es in dem industriellen Niedergang jedoch nicht nur um Arbeitsplätze gehe. Auf dem Spiel stehe Italiens Fähigkeit, seine eigene Zukunft zu gestalten. „Der Verlust der Industrie bedeutet den Verlust der Souveränität, den Verlust des Bewusstseins für die eigene Geschichte und die Rolle der Arbeit in der Geschichte.“ Dazu werde die FIOM ihren Kampf, ihre Verhandlungen und ihre Mobilisierung fortsetzen. Die heutige Aufgabe besteht darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Arbeiterinnen und Arbeiter sowie die neuen Generationen in der Tradition des langjährigen Kampfes der Arbeiter und Angestellten des Metallarbeiterverbandes „ihren Platz in der Geschichte einnehmen“.

Die unter der Diktatur Mussolinis verbotene FIOM wurde 1944 wiedergegründet und schloss sich dem am 3. Juni 1944 ebenfalls wieder gebildeten einheitlichen Gewerkschaftsbund Confederazione Generale Italiana del Lavoro an, in dem Kommunisten und Sozialisten die entscheidenden Positionen einnahmen. FIOM- Mitglieder kämpften in den Reihen der Partisanenarmee, nahmen an der Organisation von Streiks teil und sabotierten die Produktion. so standen sie auch in dem am 18. April 1945 in Norditalien begonnen Generalstreik, der den bewaffneten Aufstand auslöste, der zur Befreiung aller noch von der Hitlerwehrmacht besetzen Gebiete und zum Sieg über den Faschismus Ende April führte, in der ersten Reihe. Vom Kampf gegen den NATO-Beitritt, für die Verteidigung der antifaschistischen Grundlagen in der Verfassung, über den Widerstand gegen den Sozialabbau bis zu dem gegen die faschistischen Regierungen unter Berlusconi, der gegen die der Meloni-Regierung fortgesetzt wird, standen die Metaller der FIOM weiter stets auf diesem Posten. Sie stehen ebenso an der Seite der Linken und Kommunisten und anderer Organisationen, um mit ihnen eine Alternative zum Ende der Meloni-Regierung 2027 zu formieren. Nach jüngsten Angaben ist sie mit etwa 360.000 Mitgliedern die stärkste Branchenorganisation.

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