33.157 Zuschauer beim Freitagspiel der Hertha hin und hergerissen

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Dass nach dem feststehenden Aufstieg die Luft raus ist und etwa mit angezogener Handbremse gespielt wird, akzeptieren weder Trainer noch Anhänger. So aber steht sofort die bange Frage im Raum, mit dieser Mannschaft in der ersten Liga bestehen, wie kann das gehen? Und genau das ist doch der Punkt für viele Wackelkandidaten im Team. Sie könnten doch jetzt befreit aufspielen, für einen überspringenden Funken begeisterter Fans in Berlin sorgen und alle Zweifel von sich werfen, ob die Akteure wirklich bundesligatauglich sind. Ansatzweise war das in Hälfte eins gegeben, aber nur ansatzweise.

Von wegen schnelles Spiel nach vorn in die Spitze und Tiefe, das Aufbauspiel ist nach wie vor bedächtig und in Hälfte zwei war der FC Aue eindeutig besser. Natürlich darf jetzt vergleichsweise geschaut werden, mit welchem Tempo in Liga Eins versucht wird, Abwehrreihen zu knacken und mit welchem Tempo durchs Mittelfeld marschiert wird. Und mit welchem Tempo gehen die Herthaner beispielsweise mit dem Ball am Fuß auf den Gegner zu und wie versucht z.B. Ronny Gegenspieler auszutricksen? Trauen sich Herthas Offensivspieler überhaupt, in vollem Tempo mit dem Ball am Fuß auf Gegenspieler zuzulaufen? Die zweite Halbzeit war eine reine Enttäuschung. Und trotzdem kann man Trainer Jos Luhukay verstehen, wenn er von der (öffentlich) gar nicht sprechen möchte, schließlich wurde ja gewonnen.

72 Punkte auf der Habenseite, 78 könnten es werden, wenn die zwei noch ausstehenden Spiele, wie auch immer, noch siegreich bestritten werden. Sechs Zähler kämen hinzu und die Meisterschale wäre den Berlinern nicht mehr zu nehmen. Bekanntlich geht es am Sonntag, 12. Mai zum 1.FC Köln. Dort muss die Hertha nicht das Spiel machen. Sie kann sich aufs Kontern verlegen und die Abwehr dicht halten. Etwas anderes ist es am 18.Mai im letzten, im 34. Saisonspiel, dem Abschlussfestival gegen Energie Cottbus im Berliner Olympiastadion.

Und wie sieht es für Falko Götz und dem FC Erzgebirge Aue aus? Dynamo Dresden gewann das Heimspiel gegen Paderborn mit 2:1. Dresden und Aue sind punktgleich, 34, Aue hat das minimal bessere Torverhältnis und empfängt nun den bereits gesicherten FC Ingolstadt. Falko Götz konnte Hertha zwar in der zweiten Halbzeit ordentlich ärgern, fast demütigen, fuhr aber mit leeren Händen zurück ins Erzgebirge. In der Pressekonferenz richtete er den Focus bereits aufs nächste Spiel: „Das müssen wir unbedingt gewinnen“! Torjäger Jakub Sylvestr hatte lange Zeit Ladehemmung. In Berlin war der Knoten geplatzt, erzielte beide Tore und legte sich beim möglichen 3:3 den Ball nur zu weit vor. Thomas Kraft konnte retten.

In meinem etwas anderen (keinem) Spielbericht ist es doch Chronistenpflicht, die drei Torschützen für Hertha auch zu nennen: 1:0 (10.) Adrian Ramos auf Vorlage von Sami Allagui, 2:0 (34.) Ronny, abgefälscht aus 20 m auf Zuspiel von Ramos, 3:0 (44.) Roman Hubnik per Kopfball. Pierre-Michel Lasogga, Ben Sahar und Sandro Wagner wurden in Halbzeit zwei für Ramos (46.), Ben-Hatira (70.) und Ronny (84.) ohne zählbaren Erfolg eingewechselt. Auf Kluge und Kobiashvili hatte Jos Luhukay ganz verzichtet, Franz und Ndjeng waren gesperrt, 5. Gelbe Karte. Käpt’n Niemeyer war noch verletzt.

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