Zum Tode von Helmut Schmidt – Staatsakt für den Altkanzler findet in Hamburg statt

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© Karikatur: Marian Kamensky, 2015

Hamburg, Deutschland (Weltexpress). Helmut Schmidt raucht nicht mehr. Der prominenteste Kettenraucher der Bonner und Berliner Republik starb am Dienstag gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimat- und Hansestadt Hamburg.

Der Nachfolger von Bundeskanzler Willy Brandt regierte Westdeutschland von 1974 und bis 1982. Die SPD, deren Mitglied er war, koalierte damals mit der FDP. Gestürzt wurde Schmidt von Helmut Kohl (CDU). Der Pfälzer konnte den Hanseaten vom Thron stürzen, weil die FDP von den Sozial- zu den Christdemokraten kippte.

Zuvor führte Schmidt während der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD von 1967 bis 1969 die SPD-Bundestagsfraktion. Anschließend wurde er Verteidigungs- und Finanzminister.

Für viele scheint Schmidt vieles gewesen zu sein, vor allem schön und gut, doch der kurz vor Heiligabend in Hamburg 1918 geborene Helmut war kein Heiliger. Er war auch Hitlerjunge und Wehrmachtssoldat, wenn auch kein Nationalsozialist, weil sein Großvater Jude war, was lange verschwiegen wurde, auch ihm.

Im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), in dem sich vor den Berlinern Bernd Rabehl und Rudi Dutschke, die den Laden mit anderen auf APO trimmten, war er Bundesvorsitzender in der Besatzungszone der Briten. Da war der SDS noch eine sozialdemokratische Kaderschmiede und deren Mitglieder akademische SPD-Elite. Später stritt er sich als SPD-Studenten mit Ulrike Meinhof. Auf Studententagen war er für die atomare Aufrüstung, sie dagegen.

Im Bundestag war er für die Notstandsgesetzgebung. Als Verteidigungsminister war er für den NATO-Doppelbeschluß. Nicht nur das, er führte dafür die Feder.

Als Kanzler war Schmidt der erste mit SPD-Parteibuch, der die Axt an den Sozialstaat legt. Schlimmeren Sozialstaatsabbau betrieb Jahre später Gerhard Schröder als SPD`ler. Das war schon Raubbau. Während Schmidt die Axt anlegte, war Schröder die Axt im Sozialstaatswald. Das Schlimmere unter Schröder macht das Schlimme unter Schmidt nicht besser.

Keine Politiker schadeten der Sozialdemokratie in Deutschland so sehr wie Helmut Schmidt mit seiner Atom-, Notstands-, Raketen- und Sozialabbaupolitik und Gerhard Schröder mit seiner Kriegspolitik nach außen und innen.

Schmidt war und blieb ein autoritärer Charakter und Politiker, den Aftergänger des Autoritären huldigten ihn bis zu seinem Tod und darüber hinaus. Schröder war und ist Genosse der Bosse.

Wer Helmut Schmidt eine Träne nachweinen und seine Trauer zur Schau tragen will: Der Staatsakt für den Altkanzler wird im Hamburger Michel, der Kirche St. Michaelis, in zwei, drei Wochen stattfinden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Anschließend wird es im Hamburger Rathaus eine Trauerfeier geben.

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