Ob Iran oder Grönland, die NATO ist tot und wird keine Ruhe finden

Symbolbild. Quelle: RT

Berlin, BRD (Weltexpress). Zu dieser Einschätzung gelangt der bekannte italienische Publizist Ennio Remondini in einem Beitrag, den er dem kommunistichen Magazin „Contropiano“ am 16. Januar 2026 überlassen hat. 1 „Die Strukturkrise der NATO“, werde durch die Analyse eines hochrangigen Offiziers, des ehemaligen Stabschefs des NATO-Schnelleinsatzkorps Italien (jetzt im Ruhestand) belegt, die feststelle; „Seit über siebzig Jahren hat die NATO Krisen, selbst tiefgreifende, überstanden, ohne jemals ihr Überleben in Frage zu stellen. Vom Kalten Krieg bis zu den Randkonflikten nach 1989 gab es viele politische Meinungsverschiedenheiten, manche schwerwiegend, aber nie einen strukturellen Widerspruch. Die gegenwärtige Krise ist jedoch“, stellt der Militär fest, „grundlegend anders“.

Trumps Äußerungen zu Grönland und seine Verachtung für multilaterale Organisationen, einschließlich der NATO, stellten den endgültigen Schlag für eine Organisation dar, deren drei institutionelle Aufgaben – kollektive Verteidigung und Sicherheitskooperation – schon lange vor der Äußerung des US-Präsidenten über die Möglichkeit einer Annexion des Territoriums eines Verbündeten als unerfüllbar galten . Jetzt, so führt Remondini den italienischen Militärexperten an, ist Schluss mit den Mythen und Lügen. Die NATO war geeint und stand geschlossen gegen die Sowjetunion. Damals ereigneten sich drei schwere Krisen: die Sueskrise von 1956, der französische Austritt aus der NATO-Führungsstruktur 1966 und die einseitige Entscheidung des US-Präsidenten Ronald Reagan, Libyen 1986 zu bombardieren.

Neben diesen drei großen Krisen entstanden weitere politische Differenzen über die europäische Verteidigungsfinanzierung, den Vietnamkrieg, die deutsche Ostpolitik, den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan, die amerikanischen Militärinvasionen in Grenada und Panama sowie die Stationierung von US-amerikanischen atomwaffenfähigen Raketen in Europa.

Nach dem Kalten Krieg

Das Bündnis der Nachkriegszeit geriet im ersten Golfkrieg gegen Saddam Hussein ins Wanken. Hinzu kam die einseitige Haltung der USA im Nahen Osten und auf dem Balkan. Artikel 5 des NATO-Beistandsabkommens fiel zwar nicht in den Anwendungsbereich, doch italienische, deutsche und belgische Flugzeuge sowie niederländische Raketenabwehrsysteme kamen zum Einsatz.

Und dies war der Beginn weiterer Katastrophen. Während des Zweiten Golfkriegs 2003 blockierten Frankreich, Deutschland und Belgien die Aktivierung von Artikel 4 des Washingtoner Vertrags, der es den Vertragsparteien ermöglicht, sich zu beraten, ob die kollektive Verteidigungsklausel in Anspruch genommen werden soll oder nicht.

Uneinigkeit darüber, wie und wann die Allianz angesichts der neuen Szenarien handeln sollte und damit auch über ihren Verantwortungsbereich, einschließlich des geografischen.

Wer entscheidet, ob eine Bedrohung die NATO betrifft?

Es entstand Uneinigkeit über die Verantwortlichkeiten, die das Bündnis in den neuen Szenarien übernehmen sollte, sowie über seinen Verantwortungsbereich, einschließlich seines geografischen Geltungsbereichs. Daraufhin wurde beschlossen, dass ein Hilfeersuchen eines NATO-Mitgliedstaates nur dann bewilligt würde, wenn alle anderen Mitglieder die konkrete Natur der Bedrohung anerkannten.

Anders ausgedrückt: Wenn Ursprung und Umstände eines Angriffs unklar sind, ist die Bereitschaft eines einzelnen Verbündeten zu einer militärischen Reaktion nicht mehr gewährleistet. Dies ist nach wie vor ein relevantes Thema.

Politisch-militärischer Widerstand: Kosovo und Libyen

Der Angriff auf Serbien im Jahr 1999, mit dem Kosovo Belgrad entrissen werden sollte, der ohne UN-Mandat und unter Umgehung des russisch-chinesischen Vetos durchgeführt wurde, führte zu operativen Spannungen zwischen Washington und den europäischen Hauptstädten hinsichtlich der Festlegung von Zielen und des Einsatzes von Gewalt.

Persönliche Erinnerungen, die er mit General Maurizio Boni teilte, dessen Analyse hier noch nicht endet. Der Angriff auf Libyen 2011: Deutschland übernahm zusammen mi Russland, China, Frankreich und Großbritannien die militärische Führung, während die USA nach einer ersten Intervention im Hintergrund agierten. November 2019: Die einseitige Offensive der Türkei in Syrien gegen die Kurden ohne NATO-Koordination und Macrons Erklärung, das Bündnis sei „ hirntot “.

Die NATO stirbt in der Ukraine

« Die Gründungsaufgabe der kollektiven Verteidigung wird vor allem durch die Beteiligung am Stellvertreterkrieg in der Ukraine zur Liquidierung Russlands und, angesichts der nun unausweichlichen Niederlage Kiews, durch die unhaltbare Hypothese einer russischen Invasion Europas beeinträchtigt », betont Maurizo Boni in Analisi Difesa .

Nach vier Kriegsjahren offenbaren interne Differenzen zwischen den erbündeten die Widersprüchlichkeit des Atlantischen Bündnisses. Die Ambivalenz ihrer politischen Rolle im russisch-ukrainischen Krieg, in dem die NATO faktisch aktiv beteiligt ist, führt dazu, dass sie sich weiterhin als nichtkriegführende Einheit darstellt, um Moskau nicht offen herauszufordern.

Ein letzter Schlag der US-amerikanischen Nationalen Verteidigungsstrategie, wobei Russland nicht länger ein strategischer Feind, sondern ein Gesprächspartner ist, mit dem eine stabile Beziehung wiederhergestellt werden soll.

Eine „à la carte“-Allianz

Das NGO-Modell der NATO: Nicht länger die Verteidigung des verbündeten Territoriums (Artikel 5), sondern „ Stabilisierungsinterventionen “ nach Bedarf. Die NATO hat ein Netzwerk politisch-militärischer Beziehungen über vier Kontinente aufgebaut. Ein Netzwerk von „ Allianzen à la carte “, das den Einfluss des Bündnisses ohne formale Mitgliedschaft erweitert und so seine ursprünglichen geografischen Grenzen überwindet.

In diesem Kontext werden die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, mit den jüngsten Neuzugängen) zu einer Alternative und schlagen eine Vision der internationalen Ordnung vor, die auf Multipolarität, nationaler Souveränität und der Ablehnung der Hegemonie Washingtons basiert und die NATO weiter marginalisiert.

Die NATO ist strategisch veraltet

Wenn der US-Präsident sagt, er müsse sich zwischen dem Erhalt der NATO und der Annexion Grönlands entscheiden, provoziert er nicht. Er gibt lediglich zu, dass die NATO für Washington eine Variable und keine Konstante mehr ist. Daher ist sie kein Bündnis mehr.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Fredriksen brachte die Unumkehrbarkeit der Situation auf den Punkt, indem sie erklärte: „Ein Angriff auf Grönland wäre das Ende der NATO .“

Die Tatsache, dass die Europäer, wie „Politico“ berichtet , die Verteidigung Grönlands ohne die Vereinigten Staaten planen, vervollständigt das Bild: Die Mitglieder der Allianz bereiten operative Szenarien vor, um sich gegen ihren wichtigsten Verbündeten zu verteidigen.

Die NATO wird als formale Struktur wohl fortbestehen, doch ihre strategische Substanz wird nahezu bedeutungslos bleiben. Die Herausforderung besteht nun darin, zu verstehen, was sie ersetzen kann und zu welchem ​​Zweck, wobei auch die Tatsache berücksichtigt werden muss, dass eine europäische Verteidigung ein Wunschtraum bleiben wird.

Alles wird von der Sicherheitsarchitektur abhängen, die nach dem Ende des russisch-ukrainischen Konflikts entstehen wird, über die aber niemand spricht.

Anmerkungen:

1 Ennio Remondino ist ein typischer Vertreter des  investigativen Journalismus, der unter anderem Korrespondent der Rai im Krieg gegen Jugoslawien war. Vorher konzentrierten sich seine Ermittlungen auf brennende Themen wie die Roten Brigaden, die Mafia und ihre Massaker. Zu seinen Leistungen zählte eine Sendung von  TG1 über die wahrscheinliche internationale Verschwörung, die zum Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme  geführt haben soll und an deren Verwirklichung Personen aus dem Umfeld der faschistischen Putschloge P2 des Mussolini-Anhängers Licio Gelli beteiligt gewesen sein sollten. Dazu gehörten weitere Enthüllungen über die operativen Beziehungen und die enormen Finanzmittel, die in diesen Jahren zwischen den US-Geheimdiensten und der P2 ausgetauscht wurden, mit präzisen Hinweisen auf die CIA-Strategie der Spannung.

Siehe die Beiträge

im WELTEXPRESS.

Anzeige:

Reisen aller Art, aber nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert und mit Persönlichkeiten – auch Bildungs- und Studienreisen mit Themen aus Politik, Wirtschaft (Politische Ökonomie und Geopolitik) und Geschichte und so weiter und so fort in einer Welt im (Wirtschafts-)Krieg durch alle Staaten, die beim Kriegsbündnis Atlantikpakt mitmachen –, bietet Retroreisen an. Bei Retroreisen wird kein Etikettenschwindel betrieben, sondern die Begriffe Sustainability, Fair Travel und Slow Food werden großgeschrieben.


Vorheriger ArtikelStatt Klugheit, Profitintelligenz – die Inkarnation von tödlicher Dummheit