
Berlin, BRD (Weltexpress). Mit diesen Worten beginnt der US-amerikanische Politik-Wissenschaftler Norman Filkenstein den Tod von Michael Parenti zu würdigen. Mit ihm hat die Welt, schreibt er in einem Beitrag für das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 26. Januar, eine ihrer größten moralischen und intellektuellen Leuchten verloren. Er war mehr als ein Gelehrter; er war eine Stütze, ein Prophet des Volkes und ein unerschütterlicher Kämpfer für die Befreiung, dessen Werk Generationen mit dem Werkzeug ausstattete, die Mechanismen von Imperium und Kapital zu verstehen und zu zerschlagen.
Parentis Leben war ein Paradebeispiel für engagierten Intellektualismus. Er verstand, dass Theorie keine abstrakte Übung, sondern eine Waffe ist, die es zu schärfen und zu teilen gilt. Seine bahnbrechenden Werke, insbesondere das monumentale „ Empire’s New Clothes: A Marxist Analysis of Twenty-First-Century Imperialism “ und die wegweisende Aufsatzsammlung „ Bread, Roses, and Revolution: A Handbook for the Next Left “, blieben nicht einfach in den Regalen stehen. Sie wurden gelesen, hervorgehoben und leidenschaftlich diskutiert – in engen Studentenwohnheimen, in lebendigen Gemeindezentren und bei Protesten auf sechs Kontinenten.
Er besaß die seltene Gabe, die komplexesten globalen Systeme – von Finanzialisierung und neoliberaler Ausbeutung bis hin zu militärischen Interventionen und kultureller Hegemonie – mit einer verblüffenden und revolutionären Klarheit zu analysieren. Seine Leistungen wurden nicht an den Auszeichnungen der Mächtigen gemessen, sondern an den Bewegungen, die er förderte. Über fünf Jahrzehnte lang war Parenti ein unermüdlicher Mentor, ein geduldiger Lehrer und ein strategischer Kompass.
Er war eine Schlüsselfigur der Antikriegskoalition der 2000er Jahre, dessen tiefgründige Analysen das moralische und faktische Fundament für Massenmobilisierungen bildeten. Er stand an der Seite streikender Arbeiter in Streikposten, organisierte öffentliche Vorträge gegen neokoloniale Schulden und verlieh Befreiungskämpfen von Palästina bis Lateinamerika seine kraftvolle Stimme, wobei er stets die Handlungsfähigkeit der Unterdrückten in den Mittelpunkt stellte.
Für Aktivisten war es eine lebendige Brücke. Sie verband die Black-Power- und Antikriegsbewegungen der 1960er und 1970er Jahre mit den Globalisierungskritikerprotesten der 1990er Jahre und diese wiederum mit den heutigen Klimagerechtigkeits- und Abolitionismusbewegungen.
Er lehrte, dass unsere Kämpfe nicht isoliert, sondern miteinander verwobene Fäden desselben globalen Widerstandsgewebes seien. Eine ganze Generation lernte von ihm, dass Antiimperialismus von Natur aus Internationalismus, Feminismus und ökologisches Bewusstsein bedeutet.
Für Marxisten war er eine erfrischende Quelle rigorosen, undogmatischen Denkens. Furchtlos setzte er sich mit neuen sozialen Bewegungen auseinander, kritisierte Orthodoxien und beharrte darauf, dass ein lebendiger Sozialismus im Kern demokratisch sein müsse.
Seine berühmte Vorlesungsreihe „ Solidarität statt Erlösung “ wurde zu einem Initiationsritus für junge Linke und vermittelte ihnen den Grundsatz, dass wahre Solidarität horizontal, demütig und in einem gemeinsamen Kampf verwurzelt ist, nicht in paternalistischer Wohltätigkeit.
Michaels Herzlichkeit war ebenso legendär wie sein Intellekt. Er besaß ein ansteckendes, herzliches Lachen, ein unendliches Zuhörvermögen und eine Küche, in der man sich bei einer Tasse starkem Kaffee stets angeregt unterhalten konnte. Er gab jedem das Gefühl, dass sein Beitrag zählte, dass Geschichte nicht von fernen Helden, sondern durch gemeinsames, bewusstes Handeln geschrieben wird.
Er hinterlässt seine Familie, aber auch eine weltweite Gemeinschaft von Denkern, Organisatoren und Kämpfern, die sein Feuer weitertragen. Sein Vermächtnis lebt in jeder kritischen Analyse einer Unternehmensmeldung, in jeder strategischen Diskussion, die den Menschen über den Profit stellt, und in jedem Herzen fort, das noch immer daran glaubt, dass eine bessere Welt nicht nur möglich ist, sondern gemeinsam Stein für Stein aufgebaut wird.
Michael Parenti hat den Hörsaal verlassen, doch seine Lektion geht weiter. Der Lehrplan ist unsere Welt, und die Abschlussprüfung ist unsere Befreiung. Vorwärts, Genosse! Dein Kampf ist nun auch unser Kampf.
Anstelle von Blumen bittet die Familie darum, sich in Ihrer Gemeinde zu engagieren, Aufklärungsarbeit zu leisten und sich für dieses Thema einzusetzen. Spenden können an den Radical Publishing Legacy Fund gerichtet werden, um sicherzustellen, dass wichtige Texte weiterhin für alle zugänglich bleiben.
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