In Iran verfolgen die USA eine Strategie der „Enthauptung“

Pentagon. Quelle: Pixabay, Foto: D W

Berlin, BRD (Weltexpress). Die ersten Stunden der aktuellen Angriffe der USA und des Staates Israel gegen den Iran offenbaren grundlegende Unterschiede zu dem, was als „Zwölf-Tage-Krieg“ bekannt war, sei es in Bezug auf den Zeitpunkt, die Ziele, den Grad der Koordination oder das Ausmaß der Eskalation, schätzt Hamidreza Azizi in einem Beitrag im kommunistischen Magazin „Contropiano“ am 1. März 2026 ein.1 Die bisher verfügbaren Daten deuten auf Folgendes hin:

Die Angriffe begannen mit simultanen Explosionen in verschiedenen Teilen Teherans. Ersten Berichten zufolge richtete sich die erste Angriffswelle gegen rund dreißig Ziele, darunter Hauptquartiere, Geheimdiensteinrichtungen und – Gerüchten zufolge – sogar gegen Objekte im Umfeld des Obersten Führers. Dieses Ausmaß verdeutlicht von Anfang an die Bandbreite der anvisierten Ziele und die Art des ersten Angriffs.

Anders als der Zwölftagekrieg, der mit nächtlichen Angriffen begann, startete diese Operation in den frühen Morgenstunden des ersten Tages der iranischen Woche. Der Zeitpunkt erscheint sorgfältig kalkuliert, um eine stärkere institutionelle Destabilisierung zu ermöglichen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Entscheidungs- und Führungszentren von Beginn der offiziellen Operationen an ins Visier zu nehmen.

Die Auswahl der Ziele deutet auf eine Strategie der „Enthauptung“ hin. Erste Anzeichen lassen vermuten, dass der Fokus nicht nur auf der konventionellen militärischen Infrastruktur, sondern auch auf der Führung und dem Sicherheitsapparat des Regimes liegt. Diese veränderte Zielausrichtung hat eine klare politische Bedeutung, die über die Schwächung von Fähigkeiten hinausgeht und die Machtstrukturen selbst untergräbt.

Die amerikanische Beteiligung stellt diesmal einen entscheidenden Unterschied dar. Washington scheint von Anfang an direkt involviert zu sein, mit Berichten über enge Abstimmung mit Israel und der amerikanischen Beschreibung der Operation als groß angelegt. Diese offene Beteiligung hebt den Konflikt von einem israelisch-iranischen Konflikt zu einem mit einer direkten amerikanischen Dimension.

Donald Trumps Rede konzentrierte sich auf die Verteidigung der Amerikaner und die Beseitigung unmittelbarer Bedrohungen, doch seine Signale der Unterstützung für das iranische Volk gegen das Regime lassen vermuten, dass ein Regimewechsel zu den unausgesprochenen Zielen gehört. Die Verbindung von Sicherheitsdimension und politischer Botschaft verstärkt den Eindruck, dass die Operation nicht allein der Abschreckung dient.

Das operative Konzept scheint phasenweise angelegt zu sein. Die erste Welle bestand aus Raketenangriffen auf Kommandozentralen und Luftverteidigungssysteme, darunter auch Standorte im Süden Irans wie Chabahar, wodurch der Weg für nachfolgende Angriffe der Luftwaffe auf Raketenbasen und strategische Anlagen geebnet wurde.

Irans Reaktion erfolgte ungewöhnlich schnell. Berichten zufolge wurden innerhalb weniger Stunden Raketen abgefeuert, Angriffe sollen Tel Aviv und Haifa getroffen haben. In einer iranischen Erklärung hieß es, die „roten Linien“ existierten nicht mehr und die Antwort werde entschieden ausfallen.

Diese schnelle Reaktion lässt auf eine vorab genehmigte Vergeltungsaktion schließen, bei der die Militäreinheiten nicht auf eine langwierige zentrale Koordinierung warten, sondern gemäß vorab vereinbarter Anweisungen handeln, um von Anfang an ein fortgesetztes Feuer zu gewährleisten.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Iran den Konflikt von Anfang an über Israel hinaus ausweitete. Berichte über Explosionen in den Golfstaaten deuten darauf hin, dass US-Stützpunkte angegriffen wurden, was auf eine sofortige Eskalation zu einer direkten Konfrontation mit Washington hindeutet.

Dies unterscheidet sich deutlich von dem, was im Juni 2025 geschah, als der iranische Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar weitgehend symbolischen Charakter hatte und Teil einer kalkulierten Eskalation war, die darauf abzielte, den Weg für einen Waffenstillstand zu ebnen.

Unterdessen kündigten die Huthis im Jemen die Wiederaufnahme ihrer Angriffe im Roten Meer an, was darauf hindeutet, dass sich der Konflikt bereits zu einem regionalen Mehrfrontenkrieg entwickelt.

Insgesamt deutet die anfängliche Entwicklung auf einen koordinierteren, umfassenderen und eskalierenden Konflikt hin als im Zwölftagekrieg. Es gibt einen klaren Versuch, das Regime zu stürzen, eine direkte Beteiligung der USA, eine rasche iranische Reaktion und eine frühe Ausweitung des Konflikts auf regionale Gebiete.

Die zentrale Frage ist nun, ob die Eskalation zu einem kalkulierten und beherrschbaren Austausch führen wird oder ob das Überschreiten bisheriger roter Linien die Region in einen langwierigen regionalen Krieg stürzen wird, dessen Verlauf schwer zu kontrollieren sein wird.

*Iranischer Autor und Forscher beim Middle East Council on Global Affairs und der Deutschen Stiftung für Internationale und Sicherheitspolitik 

Anmerkungen:

1 Iranischer Autor und Forscher beim Middle East Council on Global Affairs und der Deutschen Stiftung für Internationale Sicherheit 

Siehe die Beiträge

im WELTEXPRESS.

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