Hirntot in Rosarot – “Prinzessin Lillifee” verseucht die Leinwand mit ihrer Lieblingsfarbe

Wenn eine ehemalige Modedesignerin ins Kinderbuchfach wechselt, ist es nicht überraschend, dass das Resultat ganz im Zeichen von Glitzer und Glamour steht - nur eben in kindgerechter Form. Der pädagogische Wert von Monika Finsterbuschs „Prinzessin Lillifee“-Büchern ist aufgrund affirmativ aneinandergereihter Geschlechterklischees zwar eher zweifelhaft, den Nerv ihres ganz kleinen Publikums hat sie damit aber genau getroffen.

“Was ziehe ich heute an?” Eine brandaktuelle Frage, die moderne Mädchen beschäftigt, oder? Streit mit den Eltern, Schulprobleme, Armut – nicht in Rosarien! Über das von Elfen und Feen bewohnte Zauberland herrscht die kleine Prinzessin Lillifee. “Jeder Tag in Rosarien ist wunderschön.”, verkündet sie und droht umgehend: “Und morgen machen wir es noch viel schöner.” Lillifee hat einen ganzen Raum voll rosa Glitzerkleider – was die Frage nach der Kleiderwahl ziemlich absurd erscheinen lässt. Zu besagter Farbe hat sie ein Verhältnis wie ein Junkie zu seinem Stoff. “Milch muss doch weiß sein.”, entfährt es ihrer Freundin einmal. Rosa schmeckt sie Lillifee aber viel besser. Praktischerweise kann sie bei dem Getränk wie auch allem anderen mit Hilfe ihres Feenzauberstabs nachhelfen. “In Rosarot ist die Welt doch viel hübscher.” Präziser als in dem verräterischen Satz der Titelfigur lässt sich die Botschaft des Kinderfilms nicht formulieren.

“Prinzessin Lillifee” erzählt ein naives Moralmärchen von Anpassung und Gleichmacherei. Oberflächlichkeit wird als Freundschaft ausgegeben. Besonders deutlich wird dies in der Szene, in der Lillifees Ferkel Pups sagt, es sei ihr bester Freund, weil es rosa ist. Wer die Farbfetischistin Lillifee erlebt, glaubt dies aufs Wort. Was nicht rosaglitzerwunderschön ist, damit stimmt etwas nicht. So identifizieren schnörkellose Frisuren und Kleidung die übrigen Feen in Rosarien als aufrührerisch. Sie veranstalten gerne Wettflüge, bei denen manchmal etwas zu Bruch geht. Normale Kinderspiele wie Fangen und Wettrennen interpretiert der Film hier als groben Vandalismus. Anders als Prinzessin Lillifee zwingen sie nicht jedem ihre Zaubereien auf. Skrupellose Egoisten! Die anderen Einwohner drohen, Rosarien zu verlassen. Halten sie den rosa verpesteten Ort nicht mehr aus? Nein, die gemeinen Feen stören. Also lehrt Prinzessin Lillifee die Rabauken eine Lektion in punkto Altruismus, Angepasstheit und Artigkeit. In welcher Farbe das endet, ist nicht schwer zu erraten.

Geld scheffeln scheint ein Hauptanliegen der Macher. “Prinzessin Lilifee” ist Patin einer rosaroten Mafia. Mit der gleichnamigen Buchreihe Monika Finsterbuschs begann es. An denen beschmiert man sich die Finger mit echtem Glitzerstaub, sofern man die Erlebnisse der Heldin überhaupt ansehen will. “Prinzessin Lillifee” ist keine Kinderreihe, sondern eine “Mädchenreihe”. Speziell auf eine weibliche Zielgruppe ausgerichtet, dreht sie sich um Blumen, Kleidchen, Niedlichsein. Jedes kleine Mädchen liebt doch Feen und möchte eine Prinzessin sein. Warum nicht beides zu kommerziellen Zwecken kombinieren? In unverschämt reaktionären Klischeebildern dachten so anscheinend die Macher. “Prinzessin Lillifee” verfügt über eine eigene Produktreihe mit Nagelack, Schmuckdöschen, Handspiegeln und anderen “mädchenhaften” Accessoires. Natürlich in Rosarot. Normale Mädchen müssen Charaktere wie Lillifee in ihrer unerträglichen Puppenhaftigkeit als Beleidigung empfinden. “Unglaubliche Kraft und Fantasie” dichtet Co-Drehbuchautorin Gabriele M. Walther Prinzessin Lillifee an. Dabei verzweifelt ihre Hauptfigur bereits am minimalen Konflikt der Handlung, ist somit weder stark noch mutig. Ihr Tick, alles rosa zu zaubern, wirkt nicht fantasievoll sondern fantasiearm.

Die perfide Assimilierungsbotschaft, der sich in den antiquierten Klischees abzeichnende Machismo, die eintönigen Zeichnungen – nicht einmal durch die rosarote Brille lässt sich Gutes an dem Kinderfilm sehen. Die Absicht, mit einem von Werbestrategen konzipierten Retortenwerk Kinder in die Kinos zu locken, ist offensichtlich. “Feen sind echt doof!“, ruft einer der Charaktere. “Und Feenprinzessinnen sind noch viel doofer!“ Wie wahr. Vielleicht kommt ja Tank Girl rechtzeitig vor dem in Planung befindlichen zweiten Teil und überfährt Prinzessin Lillifee mit dem Panzer. Das Blut spritzt dann rosarot.

Titel: Prinzessin Lillifee

Genre: Animationsfilm

Land/Jahr: Deutschland 2009

Kinostart: 26. März 2009

Regie: Ansgar Niebuhr, Zhijiang Xu

Drehbuch: Mark Slater, Gabriele M. Walther

Verleih: Universum Film

Laufzeit: 73 Minuten

FSK: Ohne Altersbeschränkung