Geschichte wird gemacht – Abenteuer und Amateurhistorie in “Nachts im Museum 2”

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Ben Stiller und Hank Azaria in "Nachts im Museum 2"

Im Smithsonian will Pharao-Relikt Khamunrah (Hank Azaria) mit Hilfe historischer Fieslinge die Macht übernehmen. Für weibliche Verstärkung an Larrys Seite sorgt Amelia Earhart (Amy Adams). Die filmische Wiedererweckung der Flugpionierin erscheint wie Werbung für deren anstehende Filmbiografie “Amelia“. Denn Geschichte lernt man von der Leinwand, lehrt “Nachts im Museum 2”. Weil das Lustigste an historischen Personen ihre Sprache und Kleidung ist, verwendet Miss Earhart einen 30er-Jahre-Fantasiejargon, der etwa so authentisch ist, wie einen Franzosen ständig “merde” und “mon dieu” sagen zu lassen. Als solcher muss in Levys Komödie der böseste Franzose aller Zeiten herhalten.  Nein, nicht Sarcozy, dem zum keifenden Giftzwerg verzerrten Napoleon gebührt die Ehre. Mit Iwan dem Schrecklichen und Al Capone bildet er eine Triple Entente des Bösen. Eigentlich bedeute sein Beiname der “Furchteinflößende” korrigiert der Zar und fügt hinzu, er sei ein recht fähiger Staatsmann gewesen. So “akribisch” wie behauptet kann Regisseur Levy hier nicht recherchiert haben. Groznyi bedeutet der “Strenge”, aber streng nimmt es keiner mit der Historie. Mit dem fähigen Staatsmann hat Iwan allerdings recht, doch die Russen zählten schon immer zu den Lieblingsfeinden der Amerikaner. Folglich kämpft auf nobler Seite im Raufahrtsmuseum ein ominöser Affe aus dem US-Versuchslabor statt Weltraumhündin Laika. Um zu zeigen, wie makellos die US-Geschichte ist, bedanken sich auch noch die ersten afroamerikanischen Piloten bei der weißen, weiblich Flugpionierin für ihre Vorreiterstellung. Schöne, heile Museumswelt.

“Nachts im Museum 2” hetzt von einem Charakter zum nächsten, ohne ins Detail zu gehen. Bloß nicht zu lange verweilen, bevor einer die historischen Fehler bemerkt! Geschichtlicher Tiefgang ist nicht das filmische Anliegen. “Das ist, wofür man sich deiner erinnern wird.”, sagt Larry vor dem Endkampf zu General Custer. Traurig, aber wahr. Die Leinwandkarikaturen werden besser im Gedächtnis bleiben als die historischen Persönlichkeiten. Massenunterhaltung kommt in beiden Filmmuseen vor der Bildung. Die alten Exponate sollen demnach anfangs zugunsten hochtechnologischer Hologramme im Keller eingemottet werden. Kritisch verfährt der Film mit dieser Neuinszenierung der Geschichte als Familienunterhaltung nicht. Im Gegenteil umarmt er sie für seine eigenen Zwecke.

“Nachts im Museum 2” zeigt nicht Geschichte, sondern Historie, wie man sie gerne hätte. Gut und Böse sind klar unterteilt. Die Amerikaner sind die Guten, andere nett, aber minderbemittelt oder Bilderbuchschurken. Stammte nicht sogar Gangsterboss Al Capone von italienischen Einwanderern ab? Na bitte! Amis sind die wahren Helden. Selbst ein als “Squawkiller” bekannter Rassist wie General Custer tritt als Retter auf. Wen interessiert schon, dass dessen militärischer Größenwahn die legendäre siebente Kompanie in den Tod riss? Das geschichtliche Gemetzel an Weißen und Indianern dient lediglich als Witzlieferant. Nun wird Custer mit der Indianerin Sacajewa auf engstem Raum eingesperrt, womit die ideologische Konfrontation unvermeidlich scheint. Doch Wunder, Custer versichert der als Frau und Indianerin doppelt Diskreditierten, sie sei “ein Mensch genau wie er”. Dass das schüttere Haupthaar des echten Custer den Indianern nicht einmal das Skalpieren wert war, sein Filmpendant hingegen seine Lockenpracht pflegt, ist da harmlos.

“Nachts im Museum 2” hat wie sein Vorgänger eine unterhaltsame Idee für einen fantasievollen Familienfilm. Was, wenn die Museumsexponate lebendig würden? Mehr als ein paar Krawalleffekte holt der Film aus dem humorigen Aufhänger jedoch nicht heraus. Von Einstein bis Neandertaler werden die Figuren verbrannt, ohne Funken zu schlagen. Sogar Abraham Lincoln darf sich von seinem “Memorial” für einen Kurzauftritt erheben. Wie das im nächsten Teil übertroffen werden kann, deutet die Computerrecherche von Larrys Sohn an. Sie zeigt das Krümelmonster, die Rubinschuhe aus dem “Zauberer von Oz” und Marlon Brandos Filmmotorrad. Einen übergroßen Präsidenten kann nur ein größenwahnsinniger Schauspieler aufhalten: “Nachts im Filmmuseum”. Levys Klamauk wird es dahin hoffentlich nie schaffen.

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Deutscher Titel: Nachts im Museum 2

Originaltitel: Night At The Museum 2: Escape From The Smithsonian

Genre: Abenteuer-Komödie

Land/Jahr: USA 2009

Kinostart: 21. Mai 2009

Regie: Ben Levy

Drehbuch: Robert Ben Garant, Thomas Lennon

Darsteller: Ben stiller, Amy Adams, Hank Azaria, Owen Wilson, Alain Chabat, Steve Coogan

Verleih: Fox

Laufzeit: 105 Minuten

FSK: Ab 6

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