Berlin, BRD (Weltexpress). Nachdem US-Präsident Trump den italienischen Militäreinsatz in Afghanistan mit der Bemerkung, sie hätten Truppen nach Afghanistan geschickt, aber sie haben sich „etwas zurückgezogen, etwas von der Frontlinie ferngehalten“, herabwürdigte, ließ die Reaktion von Verteidigungsminister Crosetto nicht lange auf sich warten; er gedachte der 53 italienischen Soldaten, die während der militärischen Besetzung Afghanistans ums Leben gekommen waren.
Auch Ministerpräsidentin Meloni, die wie üblich auf Eierschalen tanzte – und damit die Diskrepanz zwischen dem, was sie sagen möchte, und dem, was sie sagen muss, bestätigte –, musste ihrem privilegierten Gesprächspartner Trump antworten, indem sie ihn daran erinnerte: „Im Laufe von fast zwanzig Jahren Einsatz hat unsere Nation einen unbestreitbaren Preis gezahlt: 53 italienische Soldaten wurden getötet und über 700 verwundet bei Kampfeinsätzen, Sicherheitsmissionen und Ausbildungsprogrammen für afghanische Streitkräfte. Aus diesem Grund sind Aussagen, die den Beitrag der NATO-Staaten in Afghanistan herunterspielen, inakzeptabel, insbesondere wenn sie von einem verbündeten Land kommen“, gab das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 28. Januar 2026 wider und bemerkte, dass Trumps Ausbrüche, den Fokus kurzzeitig wieder auf die dunklen Geheimnisse dieses Krieges lenkten, die schnell in den Verborgenen unseres Landes verschwunden waren.
„Contropiano“ enthüllt im Weiteren, dass das erste italienische Militärkontingent , bestehend aus etwa 400 Mann des 2. Regiments „San Marco“ am 7. November 2001 den Stützpunkt Brindisi verließ, und im Rahmen der US-amerikanischen Operation „Enduring Freedom“ teilnahm, die Teil der NATO-Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten, die Artikel 5 des Vertrags aktiviert hatten, war. Seit 2004 waren italienische Soldaten in die NATO-Mission ISAF in Afghanistan integriert und vorwiegend in der westlichen Region Herat sowie zum Schutz der Botschaft in Kabul eingesetzt. Bei dieser unpopulären, schlecht konzipierten und schlecht geführten Militärmission, die zum Sturz der zweiten Prodi-Regierung führte,1 blieben sie bis 2021 in Afghanistan; 53 Tote und fast 700 Verwundete wurden zurückgelassen. Fast fünf Jahre sind vergangen seit dem überstürzten Abzug aller Militärkontingente aus Kabul, erzwungen durch Taliban, die innerhalb von 48 Stunden die von den USA und der NATO – einschließlich Italien – aufgebaute, bewaffnete und ausgebildete Marionettenarmee überwältigt hatten, die die westlichen Streitkräfte bei der Gewährleistung von Sicherheit, Stabilität und „Demokratie“ in diesem unruhigen Land ersetzen sollte.
Doch seit viereinhalb Jahren, also seit dem Abzug der Militärkontingente aus Afghanistan, herrscht in Italien zu diesem Thema ein todesähnliches Schweigen, das offen und hartnäckig parteiübergreifend getragen wird, weil sich diese Militärmission für alle Regierungen, ob Mitte-rechts oder Mitte-links, als peinliches Ärgernis erwiesen hat.
Die Mitte-Rechts-Regierungen Berlusconis folgten sklavisch den Anweisungen der Vereinigten Staaten unter Bush Jr., indem sie ein Militärkontingent nach Afghanistan (und zwei Jahre später in den Irak) entsandten.
Die italienischen Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak erwiesen sich als nutzlos, ausbeuterisch und sogar blutig; Dutzende Soldaten wurden getötet und Hunderte verwundet.
Doch selbst die Regierungen nach Berlusconis Sturz (2011) sahen es nicht für angebracht, den Militäreinsatz in Afghanistan nach zehn Jahren zu beenden. Trotz der unterwürfigen Medienberichte, Leitartikel und Artikel, die die militärische Besetzung des Landes als „Kampf für die Rechte afghanischer Frauen“, als Zivilisierungsmission in einem rückständigen Land unter der Herrschaft der Mullahs usw. zu rechtfertigen suchten, fand der Militäreinsatz in Afghanistan, wie auch im Irak, nie breite Zustimmung in der Bevölkerung.
Im Gegensatz dazu stimmten im Parlament sowohl die Rechte als auch die Demokratische Partei konsequent für die Verlängerung der Militärpräsenz in Afghanistan. Bis Trump selbst mit den Taliban über den US-Abzug aus dem Land verhandelte – ein Schritt, der dann von der neu gewählten Biden-Regierung im Jahr 2021 umgesetzt wurde.
In den fast fünf Jahren seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes hat Italien nie wieder über diese verhängnisvolle Militärmission, ihre menschlichen, wirtschaftlichen und politischen Kosten oder die beschämende Haltung der verschiedenen Regierungen und politischen Kräfte gesprochen. Im Gegenteil, haben wir in unserer Zeitung in den letzten Jahren mehrfach versucht, Bilanz dieser beschämenden Episode zu ziehen.
,Auch auf politischer Ebene oder im Hinblick auf eine umfassendere historische und politische Bewertung haben wir keine Zugeständnisse gemacht.
Italiens Engagement in Afghanistan wurde bewusst unterdrückt und einem peinlichen Schweigen unterworfen, das erst vor einem Jahr durch die europäische Fernseh-Miniserie „Kabul“ gebrochen wurde. Keine Debatte im Parlament, keine Berichterstattung in den Zeitungen, keine Talkshows – einfach Vergessenheit.
Doch wenn wir einen der Wendepunkte und den Zusammenbruch der Glaubwürdigkeit der herrschenden Klassen des kapitalistischen Westens benennen müssen, so ist der Rückzug aus Afghanistan ein entscheidender. Dieser überstürzte und beschämende Rückzug vor den Augen der Weltöffentlichkeit wurde von vielen als Indiz für einen Niedergang der Hegemonie gesehen und verstanden, der sich in den folgenden Jahren noch deutlich verstärkte.
Anmerkung:
1 2006 bis 2008 Ministerpräsident einer Mitte Links-Regierung, an der sich Kommunisten beteiligten. Da er sich weigerte, deren Forderung, die Truppen aus Afghanistan abzuziehen, nachzukommen, entzogen sie ihm ihre Unterstützung und er musste zurücktreten.
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