Chinesische Satelliten über Westasien bilden einen stillen Schutzschild für den Iran

Quelle: Pixabay, Foto: 文 邵

Berlin, BRD (Weltexpress). In dem kommunistischen Magazin „Contropiano“ berichtet der Publizist Shivan Mahendrarajah  am 6. März 2026, dass chinesische Satelliten über Westasien einen stillen Schutzschild für den Iran bilden. 1 Damit wird widerlegt, die VR China halte sich mit militärischer Unterstützung Teherans zurück. Diese VR-chinesische Unterstützung, so der Autor, habe den Angriff des Iran auf den US-Flugzeugträger Lincoln, der im Indischen Ozean positioniert war, um seinen Bombern einen einfachen Start zu sichern, ermöglicht, was vom Pentagon nicht dementiert wurde. Dann habe der Iran am 5. März, fast zeitgleich mit dem angekündigten Angriff auf die Lincoln, die Indienststellung eines neuen Drohnentyps bekannt gegeben, mit größerer Reichweite, viel höherer Geschwindigkeit und vor allem so konstruiert, dass er schwer zu orten ist, also schwieriger per Radar zu erfassen. Woher weiß Teheran genau, wo sich jede Komponente befindet?

Der Iran betreibt, so der Autor, ein bescheidenes Satellitenprogramm. Es mangelt ihm an der Dichte, Redundanz und dauerhafter Abdeckung, die für eine hochauflösende, kontinuierliche militärische Überwachung notwendig sind. So wie Israel auf die Aufklärungsarchitektur der USA angewiesen ist, benötigt der Iran einen technologisch fortgeschrittenen Verbündeten, der in der Lage ist, kontinuierliche Überwachung und die schnelle Verlegung von Missionen zu gewährleisten.

Dieser Partner ist China. Seine Satellitenflotte wird auf 1.100 bis 1.350 aktive Einheiten geschätzt, die GEO, LEO und spezielle Umlaufbahnen wie die für das BeiDou-Navigationssystem abdecken. Militärische und kommerzielle Plattformen operieren parallel. Viele zivile Satelliten sind für den doppelten Einsatz konzipiert. Jede Plattform, die Details eines Fußballstadions erfassen kann, kann ebenso problemlos einen Militärkomplex kartieren.

Die Reichweite des chinesischen Satellitennetzes ermöglicht die kontinuierliche Bildaufnahme, das Durchdringen von Wolken mit Radar, die Erfassung abfangender Signale, die Wetterbeobachtung, die Telekommunikation und die Datenübertragung. Hinsichtlich Umfang und technischer Raffinesse ist das Netzwerk dem System des US-amerikanischen National Reconnaissance Office ebenbürtig, welches die strategische Vorherrschaft der USA und Israels sichert. Chinas orbitale Infrastruktur ist riesig, vielschichtig und wird zunehmend selbstbewusster genutzt.   China  veröffentlichte  Bildern des Truppenaufmarsches im Persischen Golf, die  zwei strategische Funktionen hatten: Sie enthüllte Kriegsvorbereitungen, die US-Beamte lieber geheim gehalten hätten.  Ein weiterer Grund für die Veröffentlichung war, Amerikaner und Israelis auf Chinas Unterstützung für den Iran aufmerksam zu machen. Chinesische Systeme verfolgten die Positionen der THAAD- und Patriot-Batterien. Sie erfassten die Positionen von Flugzeugen auf regionalen Stützpunkten. Sie beobachteten die Truppenkonzentration vor deren Mobilisierung. In der modernen Kriegsführung prägt der Informationsbereich das Schlachtfeld bereits vor dem Abschuss der ersten Rakete. China hat   gezeigt, diesen Vorteil zu haben.

Shivan Mahendrarajah verweist auf die Rolle des chinesischen Unternehmens MizarVision, zudem sich naheliegende Fragen stellten: Warum veröffentlicht ein chinesisches Unternehmen Material, das westliche Unternehmen systematisch verbergen? Wer steckt hinter MizarVision? Warum veröffentlicht dieses chinesische Unternehmen sensible Bilder, die noch nie zuvor öffentlich zu sehen waren? Laut öffentlich zugänglichen Informationen handele es sich bei MizarVision um einen Wiederverkäufer von Bildmaterial privater chinesischer Satelliten.

MizarVision selbst startet und betreibt keine Satelliten, erwirbt aber Bildmaterial von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und sechs privaten chinesischen Satellitenbetreibern. Von besonderer Bedeutung ist laut dem Autor die Chang Guang Satellite Technology, Ltd., eine Tochtergesellschaft der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Chang Guang besitzt und betreibt eine Satellitenfamilie namens „Jilin-1“. Laut einer Schätzung von 2024 liegt die Zahl der aktiven Einheiten bei rund 120, dürfte aber höher sein, da China über ein robustes Satellitenprogramm verfügt und regelmäßig neue Satelliten in den Orbit bringt.

Die Jilin-1-Satelliten sind auf hochauflösende Bildgebung spezialisiert und operieren in koordinierten Gruppen von fünf bis zehn Satelliten. Panchromatische Systeme kombinieren sichtbares und infrarotes Licht und erzeugen Graustufenbilder mit Auflösungen von 50 bis 75 Zentimetern. Multispektrale Systeme liefern Farbbilder bis zu einer Tiefe von zwei bis drei Metern. Die hochauflösende Videofunktion erreicht eine Auflösung von 92 bis 120 Zentimetern und erzeugt Videoclips von 30 bis 120 Sekunden Länge bei etwa 10 Bildern pro Sekunde. Die Satelliten sind wetterunabhängig.

Die Jilin-1-Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 535 Kilometern im erdnahen Orbit (LEO), sind permanent aktiv und schalten sich auch nachts nicht ab. Das koordinierte Satellitennetzwerk ermöglicht eine kontinuierliche Abdeckung, schnelle Umverteilung und mehrere Überflüge desselben Gebiets innerhalb eines Tages.

Sie sind flexibel; die Satelliten können sich neigen und manövrieren, um optimale Bilder aufzunehmen. Das Satellitennetzwerk ermöglicht Multifunktionalität und eine kontinuierliche Überwachung (rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr). Sie eignen sich ideal zur Überwachung von Gebieten bei Tag und Nacht.

Chang Guang ist jedoch nicht rein privat. Die von ihren Satelliten aufgenommenen Bilder werden von den chinesischen Streitkräften genutzt. Die meisten Jilin-1-Satelliten dienen der regionalen Überwachung, darunter auch Westasien.

Die MizarVision-Bilder stammen mit ziemlicher Sicherheit von Jilin-1. Die veröffentlichten Bilder sind herunterskaliert; das heißt, die Bildqualität wurde von „militärischer Qualität“ auf kommerzielle Qualität (oder vielleicht sogar darunter, angesichts der Unschärfe einiger Bilder) reduziert, um die Qualität der Bildgebungstechnologie des Satelliten sowie seine Neigungs- und Manövrierfähigkeiten vor Chinas Feinden zu verbergen.

Warum Jilin-1? Weil Chang Guang auch Russland Bildmaterial für den Krieg in der Ukraine lieferte, was zu Sanktionen der US-Regierung führte. Im April 2025 räumte das US-Außenministerium auf einer Pressekonferenz ein, dass Chang Guang auch Ansarallah im Jemen Bildmaterial zur Verfügung gestellt hatte.

Washington bezeichnete die Kooperation als destabilisierende Einmischung. Peking hingegen betrachtete sie als souveräne Zusammenarbeit im Rahmen einer sich entwickelnden multipolaren Ordnung.

Anmerkung:

1  Shivan Mahendrarajah ist Mitglied der Royal Historical Society. Er studierte an der Columbia University und promovierte an der University of Cambridge in Nahost- und Islamgeschichte. Er ist Autor von Fachartikeln zu den Themen Islam, Iran und Afghanistan, Aufstandsbekämpfung sowie al-Qaida und Taliban in Afghanistan und Pakistan. Übersetzung aus The Gray Zone – von https://thecradle.co/articles-id/36262.

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