Nordische Küsten des Lichtes – Viele Wege führen nach Stockholm

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Historische Festungen und Weltkulturerbe
Die Einen behaupten es sind 1650, die Anderen es wären 1993 Schären, die sich in Schwedens südlichstem Schärengarten um Karlskrona scharen. Die Hafenstadt an der Ostsee in der südschwedischen Provinz Blekinge wurde 1680 von Karl XI. gegründet. Vater war Gustav von Schweden X. und seine Mutter dessen Frau Hedwig von Schleswig-Holstein-Gottorp. Als er bereits mit 5 Jahren die Königskrone erbte, konnte er wohl kaum ahnen, dass noch nach 300 Jahren die Stadt in der er einst eine Marinebasis errichtete 1998 Weltkulturerbe wird und begeisterte Besucher durch die historischen Straßen und den Hafen bummeln. Bei einer Schärengartentour mit Boot erhält man den besten Überblick. Oder man gelangt per Brücke dorthin. Auf der östlich gelegenen Insel Stumholmen lohnt sich ein Stopp beim Kungsholmen Fort. Die Wehranlage bewacht seit 1680 den Eingang zur Stadt. Maritim Interessantes zeigt auch das Marinemuseum, das sich  seit Sommer 2014 mit einer U-Boothalle präsentiert. Die HMS Hajen war das erste U-Boot der schwedischen Flotte von 1904. Noch aus der Zeit des kalten Krieges stammt die HMS Neptun. Trotz der imposanten Größe ging es im Innern der Boote doch bedrückend eng zu. Bei der Rückkehr aus den düsteren Schiffen ins Freie bläst einem frischer Wind entgegen. Auf dem Wasser nützen Segelboote die steife Brise bei herrlichem Sonnenschein.
Die Marinebasis ist auch heute noch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Sie führte zur Gründung von Werften zum Kriegsschiffbau und ist der größte Arbeitgeber. Bei der wichtigen Rolle welche die Marine damals wie heute in Karlskrona spielte ist es nicht verwunderlich, dass die größte 1697 erbaute Holzkirche Schwedens den Namen „Admiralitätskirche“ erhielt.
Nur ungefähr eine Fahrstunde von Karlskrona entfernt erreicht man Kalmar mit dem bekannten Schloss in der Provinz Smí¥land am zur Ostsee gehörenden Kalmarsund. Einst lag die Stadt an der Grenze zwischen Dänemark und Schweden, mehrere Schlachten zwischen den Staaten fanden hier statt. Gegen Ende des Schonischen Krieges 1679 wurde Kalmar geschlagen. Längst sind diese kriegerischen Zeiten vorbei und der Besucher trifft auf eine moderne Stadt mit allen Annehmlichkeiten. Trotzdem haben die historisch bedeutenden Stadtteile nicht an Attraktivität verloren. Heute trinkt man entspannt seinen Capuccino wo früher in zähen Kämpfen über das Schicksal der Menschen entschieden wurde. Zudem besitzt Kalmar mit dem „Saga“ das älteste noch in Betrieb befindliche Kino Schwedens. Eine neuzeitliche „Sehenswürdigkeit“ ist die 6 Kilometer lange Brücke auf die Insel Öland. Unzählige Orchideen-Arten lassen vor allem im Frühjahr das scheinbare Ödland erblühen. Die Alvared-Heide ist ein beliebtes Forschungsgebiet bei Naturfreunden.
Die Reiseroute nach Stockholm entlang der Ostsee würde wohl Wochen dauern, würde man all die Stichstraßen zum Wasser zu den malerischen Hafenstädtchen verfolgen. Manchmal gibt es auch ein „nächstes Mal“.
Schloss Gripsholm – Wasser, Licht, Kunst und eine Sommergeschichte
© Visit SoermlandIn Mariefred, rund 60 km westlich von Stockholm, erhebt sich über den klaren Wassern des Mälarsees der Inbegriff schwedischer Romantik: Schloss Gripsholm. Malerisch ruhen die vier gewaltigen runden Türme aus hellrotem Backstein, die je nach Sonnenstand in verschiedenen Rottönen leuchten im Wasser. Das Gebäude hat eine abwechslungsreiche Baugeschichte hinter sich. 
Die Entstehung des festungsartigen Schlosses geht sogar bis in das 14. Jahrhundert zurück. Heute beherbergt es eine spektakuläre Möbel- und Porträtsammlung.
„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“. Ein schlichtes Grab unter einer alten Eiche mit diesem Goethe-Zitat auf dem Gemeinde-Friedhof in Mariefred ist die letzte Ruhestätte Kurt Tucholskys. Bekannt für sein „Schloss Gripsholm“ eine beschwingte Sommergeschichte, kehrte er 1929 desillusioniert Deutschland den Rücken. Auch seine messerscharfen Essays gegen den aufkeimenden Nationalsizialismus brachten ihm keine Ruhe. 1935 setzte er mit einer Überdosis an Schlaftabletten seinem unglücklichen Leben ein vorzeitiges Ende.
Stockholm, die Stadt die auf dem Wasser schwimmt
© Foto: Rainer Hamberger, 2015„Es war eines Abends Anfang Mai. Die Sonne stand über Liljeholmen und schoss ganze Strahlenbündel gen Osten, sie brachen durch den Rauch von Bergsund, eilten über den Riddarfjärden, kletterten zum Kreuz der Riddarholmkyrkan hinauf, warfen sich über das steile Dach der Tyska Kyrkan spielten mit den Wimpeln der Schiffe an der Skeppsbron, illuminierten die Fenster am großen Seezoll, erleuchteten die Wälder auf Lidingö und verklangen weit, weit in der Ferne in einer rosafarbenen Wolke“. August Strindberg konnte in einem Satz Stockholm beschreiben. So geschehen in seinem Roman: „Das rote Zimmer“ mit dem er sich einen Platz in der Literaturgeschichte erwarb. 
In Stockholm geht es turbulent zu. Der stundenlange starke Regen bildet kleine Seen in den Unterführungen. Auch auf der Straße steht das Wasser. Die Feuerwehr ist im Einsatz. Fußgänger weichen spritzenden Autos und Pfützen aus. Am Tag darauf: Ein strahlend blauer Himmel über der Stadt und nur ein paar Wolkenfetzen von der sich langsam auflösenden Feuchtigkeit des Vortages werden vom Wind verblasen. Längst sind die Bänke der Grünanlagen von Familien belegt, welche die wärmende Sonne genießen während sich Kinder in den verbliebenen Wasserpfützen vergnügen. Das Zusammentreffen von Ostsee und Mälarsee war eine ideale Voraussetzung zur Bildung einer Siedlung. Über Jahrhunderte hat diese Lage Stockholm geprägt, denn von hier aus wurden Waren ins Landesinnere transportiert. Heute genießen Touristen wie Einheimische gleichermaßen die Wasserarme zwischen den ca. 30.000 Inseln. Stockholm ist jedoch nicht nur Wasserstadt sondern auch Kinderbuchhauptstadt. Astrid Lindgren, Autorin zahlreicher berühmter Kinderbücher lebte jahrzehntelang in der Dalagatan  in Vasastan. Und natürlich steht Stockholm alljährlich im Fokus des internationalen Interesses bei der Verleihung der Nobelpreise. Im Wallenbergrummet, einem kleinen Armee-Museum wird eines weiteren berühmten Stockholmers gedacht. Raoul Wallenberg rettete 1944 Tausende von Menschen in Budapest vor der Deportation nach Ausschwitz. 
© Foto: Rainer Hamberger, 2015Die engen Gassen mit den alten Kaufmannshäusern in Gamla Stan sind ein Treffpunkt nicht nur für Touristen. Hier findet man alles von Kitsch bis Kunst an skandinavischem Handwerk. Oder man genießt einfach den Blick aufs Wasser von einem der zahlreichen Straßencafés. Vor ungefähr 750 Jahren wurde auf der kleinen Insel Stadsholmen die schwedische Hauptstadt gegründet. Die deutsche Kirche „Tyska Kyrkan“, in der jeden Sonntag noch auf Deutsch gepredigt wird, gibt Zeugnis welche Bedeutung die deutschen Hansekaufleute für den wachsenden Wohlstand in jener Zeit hatten. Bei einer Gruseltour durch diesen Stadtteil wird man in allerhand Schauergeschichten von Mord, Seuchen und Feuersbrünsten eingeweiht. Oder man wandelt auf Stieg Larson ´s Spuren. Dieser Spaziergang durch Södermalm führt an den Schauplätzen der Trilogie vorbei. Etwas weniger mörderisch geht es bei den Anglern vor dem Schloss und dem Parlamentsgebäude zu. Hier verlieren nur die Fische ihr Leben.
Aus dem futuristischen Museumsgebäude strecken sich Schiffsmasten gen Himmel. Vor dem Kartenschalter eine lange Schlange, die jedoch schnell vorankommt. Das Vasa-Museum, inzwischen zum beliebtesten Museum Skandinaviens aufgerückt mit dem weltweit einzigen erhaltenen Schiff aus dem 17. Jahrhundert ist ein Muss jeder Stockholmtour. Das imposante Kriegs-Schiff, das nur wenige hundert Meter vom Hafen bei seiner Jungfernfahrt sank, wurde nach 333 Jahren vom Meeresgrund geborgen. Fast ein halbes Jahrhundert dauerte die Restaurierung, bei der zu 95 % Originalteile verwendet wurden. Mit modernster Technik wurden Modelle der Menschen „rekonstruiert“, die mit dem Schiff untergingen. Eine Wind-Bö brachte es in Schräglage. Wasser drang durch die Kanonenlöcher ein. Damit war das Schicksal der stolzen Vasa besiegelt.
ABBA – Legende der schwedischen Musikszene
© Foto: Rainer Hamberger, 2015Beim Gang in das Untergeschoss tönt von allen Seiten „Waterloo“, der Song mit dem die schwedische Pop-Gruppe ABBA 1974 den Eurovisionstest in Brighton gewann. Nur ca. 5 Minuten zu Fuß vom Freilichtmuseum Skansen und dem Vasa-Museum entfernt wurde den vier Künstlern schon zu Lebzeiten ein Denkmal in der brandneuen „Swedish Music Hall“ auf der Insel Djurgarden gesetzt. 
Obwohl die Gruppe eigentlich nur 10 Jahre offiziell bestand, ist die Musik von Agneta, Björn, Benny und Anni-Frid auch heute noch fast täglich im Radio zu hören. Es gelang ihnen bestimmte Klangteile zu kombinieren, die sich als sehr einprägsam erwiesen. Das Musical Mamma Mia besuchten 50 Millionen Menschen. In Form von gelungenen Silikon-Figuren stehen die Vier im Museum. Ebenso ausgestellt das glamouröse Outfit samt Plateauschuhen. Jeder Besucher kann sich auch selbst mit der Interpretation der bekannten Songs versuchen. Leben und Werdegang der weltberühmten Gruppe werden auf vielfältige Weise dargestellt. Dazu, natürlich keine Frage, die bekanntesten Lieder. Stockholm war übrigens die Stadt wo die Band ihre ersten Erfolge hatte und wo die meisten ihrer Hits aufgenommen wurden.
Die Melodie von „Hasta Manana“ noch im Ohr geht es zurück ins Hotel. Vielleicht nicht gleich morgen aber bestimmt bei einem weiteren Besuch gilt es noch viel in dieser Stadt und ihrem Umland zu entdecken.
Informationen:

Anreise z. B. mit TT Line von Travemünde nach Trelleborg; Abfahrten tägl. abends mit den Premium Schiffen Nils Holgerson oder Peter Pan, und Ankunft am nächsten Morgen in Südschweden; häufig das Jahr über Sonderpreise.

Auskünfte über Reiseziele in Schweden gibt es in Deutschland bei Visit Schweden per E-Mail unter germany@visitsweden.com bzw. telefonisch unter 069-22223496.
Reiseliteratur: „Die Hauptstädte Europas“; ob Stockholm, Helsinki, Paris oder Warschau – all diese Städte haben ihre wechselvolle Geschichte, historische Gebäude, lebendige Atmosphäre, Parks und Museen. Viele davon etablierten sich ab dem ausgehenden Mittelalter als Landeszentren und sind heute wahrhafte Weltstädte. 47 Städteportraits; Beschreibung der touristischen Highlights; wissenswerte Daten und Fakten; 240 Seiten; Kunth Verlag, Format 23,1 x 29,5 cm; Preis: 19,95 Euro (D).

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von Visit Sweden und DERtour unterstützt.

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