Berlin, BRD (Weltexpress). Vatikan-Kenner befürchten, Leo XIV. wolle sich mit den klerikalfaschistischen Pius-Brüdern aussöhnen. Anlass ist ein Bericht von „Vatikan News“ vom 12. Februar 2026, nachdem am gleichen Tag der Präfekt des vatikanischen Dikasterium für Glaubenslehre, Kardinal Victor Manuel Fernandez, im Auftrag des Papstes den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., Don Davide Pagliarani, empfing und die Aufnahme eines Dialogs vereinbart wurde. Es war von einem „freundlichen und aufrichtigen Treffen“ die Rede. Mit einer Aussöhnung ginge Leo XIV., von der Kurie als progressiver Nachfolger Franziskus‘ gefeiert, in Wirklichkeit einen weiteren Schritt, seine konservativ-reaktionäre Basis auszubauen. Denn die von dem Erzbischof Lefebrve 1970 gegründete, nach Pius X. benannte Brüderschaft steht mit ihrem Hass auf Juden, Muslime, Homosexuelle und alle irgendwie Abtrünnigen auf dem äußersten rechten Flügel des Katholizismus.
Die Pius-Brüder sollen heute nach eigenen Angaben 735 Priester, davon 2 Bischöfe, 264 Seminaristen, 145 Ordensbrüder, 250 Schwestern und 88 Oblatinnen zählen. Lefebvre hatte sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962/63) der von Johannes XXIII. angestrebten vorsichtigen Anpassung der katholischen Kirche an neuzeitliche Entwicklungen widersetzt, vor allem dem Dekret „Über die Religionsfreiheit“, einer Absage an Antijudaismus und Antisemitismus, seine Zustimmung verweigert. Als Lefebrve 1988 vier Bischöfe der Pius-Brüder – Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson – ohne päpstliche Zustimmung weihte, kam der polnische Papst Johannes Paul II. nicht umhin, ihn und die Geweihten zu exkommunizieren. Den deutschen Papst Benedikt XVI. hielt das nicht ab, am 24. Januar 2009 den Ausschluss zurückzunehmen, um die Pius-Brüder, wie er erklärte, wieder in die „volle Gemeinschaft“ einzugliedern und ein „Zeichen zur Förderung der Einheit der Kirche“ zu setzen.
Noch vor dieser Anerkennung hatte der deutscher Vertreter der Plius-Brüder, Franz Schmidberger, in einem Rundbrief an alle 27 deutschen Bischöfe wiederholt, dass „die Juden unserer Tage“ des „Gottesmordes mitschuldig (sind), solange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren. Bischof Williamson hatte, wie der „Spiegel“ ihn in seiner Nr. 6/2009 zitierte, seine frühere Leugnung des Holocaust bekräftigt: „Kein einziger Jude ist in einer Gaskammer umgekommen“. Der damalige, 2018 verstorbene, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, hatte auf die historische Verwurzelung der Piusbrüder in der „Action francaise“ verwiesen, von der viele Anhänger 1940 das Pétain-Regime (Vichy-Regierung) und die Besatzungsmacht Hitlerdeutschlands unterstützten. In dieser Tradition pflegte Lefebvre auch enge Beziehungen zum weiter bzw. wiedererstehenden Faschismus der Nachkriegszeit, so zu Frankreichs Front National-Chef Jean Marie Le Pen, für dessen Neonazis der Generalobere der Bruderschaft, Bernard Fellay, Gottesdienste zelebrierte. Die Vatikaninsider Gordon Thomas und Max Morgan-Witts hatten das in ihrem 1984 veröffentlichten Buch „Vatikan. Mechanismen kirchlicher Macht” (Zürich 1984) als “religiösen Faschismus Lefebvrescher Prägung“ charakterisiert.
Jetzt sollen laut „Vatikan News“ einige Punkte geklärt worden sein. Dabei könnte eine Rolle gespielt haben, dass Hauptbeteiligte inzwischen verstorben sind – Lefebrve 1991, Holocaustleugner Williamson 2005 und Fellay 2019 nicht wieder gewählt wurde. Das einzige Zugeständnis war bisher jedoch, dass Williamson untersagt worden war, seine Haltung zum Holocaust nicht weiter zu verbreiten (eine Zurücknahme war nicht gefordert worden). Als er sich daran nicht hielt, war er 2012 aus dem Orden ausgeschlossen worden. Don Pagliarani erklärte 2022 jedoch, eine Anerkennung des zweiten Vatikanischen Konzils werde “weiter ausgeschlossen”.
Anmerkung:
Siehe die Beiträge
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im WELTEXPRESS.
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