
Berlin, BRD (Weltexpress). Mit der Uraufführung seiner Oper „Nabucco“ am 9. März 1842 an der Mailänder Scala war Giuseppe Verdi mit einem Schlag nicht nur der bedeutendste Opernmeister Italiens, sondern auch und vor allem ein Wegbereiter der Revolution von 1848/49 geworden. Die für ihre Unabhängigkeit von Habsburg, Frankreich und dem Vatikan kämpfenden Italiener verstanden sofort, dass der revolutionäre Inhalt – von der Herrschaft des babylonischen Königs Nebukadnezar und dem Kampf des jüdischen Volkes für Freiheit und Glauben – sich auf den Geist ihres im Risorgimento geborenen Freiheitskampfes bezog. Inbrünstig stimmten die Besucher der Premiere in den Freiheitschor der gefangenen Juden ein Va pensiero, sull’ali dorate („Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln“), der zu einer italienischen Nationalhymne aufstieg, die die Menschen begeistert auf den Straßen sangen.
Verdi, der am 9. oder 10. Oktober 1813 in Mailand geboren wurde, hieß mit seinem vollen Namen Giuseppe Fortunino Francesco Verdi. Er entstammte einfachen Verhältnissen, sein Vater Carlo war Gastwirt und Kleinbauer, seine Mutter Louise Uttini Spinnerin. Mit einem außergewöhnlichen Talent ausgestattet, wurde er mit 21 Jahren Organist und 1835 Musikdirektor. Er studierte nicht nur Kontrapunkt und die Grundlagen der Operngestaltung, sondern beschäftigte sich auch mit Politik und Literatur. Sein Meisterwerk „Nabucco“, das ursprünglich „Nabucodonosor“ hieß, machte ihn mit einem Schlag zum bedeutendsten Opernmeister Italiens. Mit Werken wie „Die Lombarden“ (1843), „Ernani“ 1844, „Giovanna d´Arco“ 1845 oder „Die Schlacht von Legnano“ über den Sieg des Mailänder Städtebundes gegen Barbarossas Ritterheer 1849, gestaltete Verdi am Vorabend und während der Revolution weitere zeitbezogene historische Themen patriotischen Inhalts. Die volkstümlichen Opern „Rigoletto“ (1851), „Der Troubadour“ (1853) und „La Traviata“ (ebenfalls 1853) begründeten seinen Weltruhm als Komponist. Victor Hugo lieferte ihm die Vorlagen für „Ernani“ und „Rigoletto“, Shakespeare für „Macbeth“, Lord Byron für I“ due Foscari“ („Die beiden Foscari“) und „ Il Corsaro“ (Der Korsar), Voltaire für „Alzira“ und Friedrich Schiller für „Giovanna d’Arco“ nach dem Drama Die Jungfrau von Orléans, „I masnadieri“ („Die Räuber“) nach dem gleichnamigen Stück und schließlich Luisa Miller nach „Kabale und Liebe“.
Verdi stand in der Tradition Alfieris, Pellicos sowie Alessandro Manzonis und wollte sich mit seinen Werken an die Menschen des Volkes wenden, für die, wie er einmal sagte, „Singen ein zweites Atmen“ ist. Verdis Wirken schlug sich in der Verbreitung der progressiven nationalen Ideen nieder, so ab 1847 in der Toscana in mehrerern revoltionären Zeitschriften: „L´Etrusco“, „L´Arno“, „L´Alba“ und „L´Italia“. In Rom nutzten die Republikaner Giuseppe Montanelli und Carlo Armellini die Atmosphäre für ihre Forderungen nach Reformen, die sie in der politischen Wochenschrift „Il Contemporaneo“ verbreiteten.
Im November 1869 wurde das Kairoer Opernhaus mit Verdis „Rigoletto“ eingeweiht nach der wenige Tage später der Suezkanal eröffnet wurde. Der ägyptische Vizekönig Ismail Pascha wünschte sich für die folgende Saison eine neue Oper von Verdi für sein Opernhaus. Doch erst im Juni 1870 stimmte Verdi zu und komponierte die „Aida“, die er so weder für die Eröffnung des Kairoer Opernhauses noch für die des Suezkanals geschaffen hat. Die Uraufführung fand 1871 in Kairo statt. Es war ein rauschender Erfolg, denn die Oper war ein Werk aus einem Guss.
Nach der Vereinigung Italiens 1860 wurde Verdi ein Jahr später als Mitglied in die Abgeordnetenkammer gewählt, trat jedoch bald zurück. Denn wie viele der Revolutionäre war auch er enttäuscht vom Ausbleiben eines durchgreifenden sozialen Fortschritts in Italien und zog sich auf sein Landgut Sant’Agata bei Mailand zurück und widmete sich der Bewirtschaftung des Guts. Gleichzeitig setzte er sich für die Verbesserung der Infrastruktur seiner Umgebung ein. So wurden auf seine Initiative hin Straßen gebaut und ausgebessert, Gräben eingedämmt, Wälder wieder aufgeforstet, Bauernhäuser gebaut, selbst ein kleines Spital wurde gestiftet. Auch in dieser Zeit dirigierte er jedoch noch Konzerte und Opern. In Mailand errichtete er die Casa di Riposo per Musicisti, ein Altersheim für ehemalige Musiker. 1874 wurde Verdi zum Senator des Königreichs Italien ernannt.
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