Wer bin ich und wieviele? – Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 3. März 2011 (Teil 2/2)

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Unknown Identity

Um genau diese Fallkonstruktion geht es in dem vorliegenden, ganz schön spannenden Film, in dem Martin Harris (Liam Neeson) als amerikanischer Wissenschaftler zusammen mit seiner Frau Elizabeth (January Jones) zu einem Kongreß nach Berlin kommt. Er verunglückt sehr schwer, liegt im Koma und als er aufwacht, erkennt er zwar die andren, aber diese ihn nicht. Selbst seine Frau hat ihn noch nie gesehen und ist froh, daß er den Unfall hatte und nicht der Ehemann an ihrer Seite. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch überhaupt nichts und eigentlich sollte man kein Wort mehr über den Film schreiben, auf jeden Fall keine Aufklärung leisten.

Damit kommt man nämlich weit, was Regisseur Jaume Collet-Serra in diesem Thriller „umgekehrte Amnesie“ nennt, was clever ausgedrückt ist, denn je länger der Zuschauer im Unklaren ist, was er für wahr, was für falsch halten sollte, desto spannender bleibt es. Das ist hier der Fall, noch dazu in einem winterlichen Berlin, das deutlich zu Wort, erst recht ins Bild kommt in dieser deutschen, Japanischen, kanadischen und US-amerikanischen Zusammenarbeit, weshalb auch Diane Krüger mitspielt und Sebastian Koch und ein völlig in seinem Element befindlicher Bruno Ganz, der einen ehemaligen Stasimann mimt, der die angebliche Wende bruchlos im Inneren überstanden hat und hier groß aufdreht.

Der Adler der neunten Legion

Hier geht es um die Verfilmung eines Jugendbuchbestsellers der Autorin Rosemary Sucliff mit gleichem Titel, der im Alten Rom spielt. Der Schotte Kevin Macdonald versucht sich an einer Analyse der römischen Gesellschaft, die auf lange Sicht perfekt die eroberten Gebiete der eigenen Macht unterwarfen, auch mit dem Recht der Eroberten, sich römische Bürger zu nennen. Mit dem Centurion Marcus Aquila (Channing Tatum) sind wir an der Nordgrenze des gewaltigen Imperiums und erleben erst einmal gewaltige Naturschönheiten.

Dorthin in die Diaspora ist Aquila nicht einfach versetzt worden. Er ist der Sohn des römischen Militärs, der dort mit der gesamten neunten Legion einschließlich ihrer goldenen Adlerstandarte verschütt ging. Spurlos weg. Große Schande für den Sohn, der seinen Vater durch Auffinden der Standarte rächen will. Da gibt es inzwischen mehrere filmische Vergleichsbeispiele für das Verschwinden der neunten Legion. Das ist in Großbritannien so etwa wie Varus in Deutschland.

Im Kern geht es wie bei Asterix und Obelix um den Widerstand einer kleinen Macht gegen eine große, die gelingen kann, wenn man verschworen ist und nicht aufgibt. Aber wie kann Aquila hinter das zwanzigjährige Geheimnis kommen? Hilft ihm sein britischer Sklave Seca (Jamie Bell)? Dies und auch die Frage nach der geschichtlichen Wahrheit beantwortet der Film dann doch nicht.

The Tree

Man könnte zu dem in Australien gedrehten, so französischen wie internationalen Film der Regisseurin Julie Bertuccelli sagen, er ist ein Kinderfilm, den Erwachsene anschauen sollten. Hier ist es eine Zehnjährige, deren Vater gestorben ist, was sie nur schafft, in dem sie imaginiert, er lebe hinter ihrem Haus in dem großen alten Baum. Der Film nun visualisiert die Erzählungen des Mädchens, wir gehen also mit ihr auf ihre Einbildungsreise, zu der sie auch ihre Familie gewinnen kann. So etwas kann gleichermaßen eine Verdrängung bedeuten, wie Verarbeitung sein. Im Detail liegt die Wahrheit und in diesem Film wird erstaunlich unsentimental und nüchtern von dem erzählt, was Menschen zwischen Himmel und Erde außerhalb der sichtbaren Realität fühlen und wie es ihnen hilft, mit der Welt fertig zu werden.

MEIN KAMPF, RANGO, IN DER WELT HABT IHR ANGST, STUTTGART 21 – DENK MAL!, BIG MAMA’S HAUS- DIE DOPPELTE PORTION sind weitere Filme, die anlaufen.

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