Das Bärenduell: Eisbären gegen Grizzlys – 63 dramatische Minuten, 13 Tore

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Berliner Eisbären bezwingen im Bärenduell Wolfsburger Grizzlys.
Nick Petersen vor Gerald Kuhn und der Puck im Gehäuse der Grizzlys. © 2018, Foto: Joachim Lenz

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Krampf und Kampf sowie 13 Tore in 63 dramatischen Minuten brachte das fünfte Aufeinandertreffen zwischen Eisbären und Grizzlys im Bärenduell.

Das Anfangsdrittel

Die Berliner legten los wie die Eisenbahn: mit Feuer, mit Dampf, unter Strom. Mehrere Minuten spielten sie, als wollten sie das 8:1 wiederholen. So hoch gewannen die Berliner Eisbären gegen die Grizzlys Wolfsburg im letzten Heimspiel. Anschließend folgte ein wirklich knapper und ein wenig schmeichelhafter 3:1-Erfolg am Mittellandkanal. Doch heute sollten die Berliner nicht wie ein heißes Messer durch verkühlte Braunbären-Butter schneiden. Dem anfänglichen Sturm und Drang folgten zwei gefährliche Tempogegenstöße der Grizzlys (6.)

Wenig später lief Armin Wurm vom Eis. Er hielt sich die Hand (9.). Auch der Ex-Berliner Jimmy Sharrow bekam sein Fett weg, so dass Pavel Gross, Cheftrainer der Grizzlys, lautstarkt protestierte.

Sekunden später bekam Berlins Defensivspezialist Danny Richmond von den vielbeschäftigten Schiedsrichtern Lasse Kopitz und Daniel Piechaczek, die mehrfach den Videobeweis bevorzugten, zwei Strafminuten. Ein vom Hallensprecher verkündeter Haken als Grund der Strafe sahen wir zuvor nicht, aber unten im Oberring ist das auch weniger gut zu sehen und somit zu beurteilen.

Die Gunst der Minuten in Überzahl ließ sich Tyson Mulock nicht nehmen und traf ins von Petri Vehanen gehütete Berliner Tor (11.). Das war wirklich ein sauber herausgespielter Treffer für die Grizzlys.

Ein paar Dutzend vom Mittellandkanal mitgereiste Fans hegten Hoffnung für ihre Spieler. Deren tatkräftiger Torhüter, Gerald Kuhn, verlor bei einer Abwehraktion seinen Helm, aber nicht den Kopf (14.). So hielt er hervorragend gegen den Berliner Nick Petersen (16.).

Auch Vehanen pariert prächtig bei einem Angriff der Gäste über Philip Riefers (18.).

Dann konterten die Berliner. Daniel Fischbuch legte los, brachte den Puck perfekt auf Charlie Jahnke, der weiter zu Martin Buchwieser leitete. Kuhn konnte den Ausgleich nicht verhindern (19.). Die vierte Reihe der Eisbären verdiente sich Lorbeeren. Gross hingegen hätte gerne eine vierte Reihe gehabt.

Die von den Hauptschiedsrichtern angezeigte Strafe für Wolfsburg entfiel übrigens aufgrund des Treffers.

Die drei Reihen der Gäste drückten weiter gewaltig und griffen früh an. Die Berliner verloren das kleine Schwarze an der blauen Linie, die Grizzlys konterten über Brent Aubin und Sebastian Furchner so famos, dass der für Wolfsburg wichtige Verteidiger Robert Bina, der mit nach vorne geeilt war, toll traf. Zwar fuhr bei seinem Tor ein Grizzly hinter Vehanen, behinderte diesen aber nicht körperlich. Binas Treffer in buchstäblich letzter Minute des ersten Drittels zählte.

Das Mitteldrittel

Nach der 2:1-Führung der Gäste zur Pause mussten sich die Hausherren in heimischer Halle vor 13.927 Zuschern etwas einfallen lassen. Oder wollten und sollten sie die dezimierte Mannschaft vom Mittellandkanal, bei denen wichtige Schlüsselspieler fehlten, müde spielen?

Statt mit Feuer auf dem Eis wie zu Beginn des Anfangsdrittels starteten die Berliner verhalten. Das führte zu viel Freiraum für Christoph Höhenleitner, der sich Fleißpunkte für eine Vorarbeit holte, die Sharrow und Mulock nutzten. Sie vernaschte in Folge die Berliner Hintermannschaft und schwupps erhöten die Gäste auf 3:1.

Wie zu Beginn Wurm hielt sich Kris Foucault die Hand und verschwand vom Eis (26.).

Keine Frage: Die Grizzlys kämpften, standen eng am Mann, spielten kompakt und gaben ihr letzten Hemd. Doch die Kräfte schienen zu schwinden. Alexander Karachun holte sich wegen hohen Stocks zwei Strafminuten (27.).

Eisbären-Verteidiger Micki DuPont holte die Keller raus und brachte die Berliner mit einem Schlagschuss auf 2:3 ran (28.). Allerdings hielt Petersen seinen Schläger in den 122 km/h schnellen Schuss, so dass ihm der Treffer zugeschrieben wurde.

Der Anschlusstreffer wirkte Wunder und Buchwieser erzielte nach Vorarbeit von Jonas Müller und James Sheppard den 3:3-Ausgleich (30.). Fortan drängten die Eisbären. Marcel Noebels traf den Pfosten (33.).

Doch bei Angriffen der Berliner blieben sie zu fluffig. Ein Fehler: ein Konter. Vehanen klärte mit einem Hechtsprung voran knapp vor einem Grizzly (35.). Darauf sorgen Kopitz und Piecharczek für Platz auf dem Eis. Sie schickten Jamie MacQueen uwegen Stockschlags und Wurm wegen Behinderung für je zwei Minuten auf die Strafbank (35.).

Wenn Platz auf dem Eis ist, wenn man sie lässt, dann pflegen die Berliner das Schönspielen. Das sieht flott aus und führt zu Toren. Sie laufen und rochieren, passen den Puck, statt ihn zu führen. Nach sehenswerter Vorarbeit von Richmond schoss Noebels bei seinem erneuten Versuch endlich ins Tor (35.). Zwischenstand: 4:3 für den Rekordmeister. Zur zweiten Drittelpause gehen die Berliner mit einer Führung in die Kabine.

Das Abschlussdrittel

Gross muss Zaubertrank wenigstens in einen Pausentee gegossen haben, denn Kuhn hielt wie ein Besessener, während sich bei seinen Vorderleute die Batterien leerten. Die Berliner zogen dank eines Treffers von Louis-Marc Aubry auf 5:3 davon und sahen wie der sichere Sieger aus. Wolfsburg? Flasche leer. So sahen das auch die meisten Eisbären-Fans und sangen „Wir spielen Playoffs. Und was macht ihr über Ostern?“

Gross ahnte: Flasche leer. Er nahm eine Auszeit (55.). Wann würde er den tollkühnen Kuhn vom Eis holen, fragten sich viele in der vollen Halle. Überhaupt nicht. Denn Faucoult traf aus dem Gewühl vorm Eisbären-Tor (57.). Auf den Anschlusstreffer folgte sogleich der Ausgleich. Riefers traf (58.). Alles war wieder offen und deutete auf Verlängerung. Sekunden später traf Noebel (59.). Wieder Noebels. Und wieder führen die Berliner in einer zu diesem Zeitpunkt irren und wirren Begegnung. War`s das? Nein, war es nicht. Auch Foucault traf – Sekunden später – zum zweiten Mal in dieser denkwürdigen Nacht (59.). Erneuter Ausgleich. 6:6.

In der Spreehalle hielt es bei dieser Dramatik längst niemanden mehr auf den Sitzen.

Overtime

Aus „nur noch 20 Minuten“, welche Eisbären-Fans den Grizzlys nach dem 4:3 prophezeiten wurden drei Minuten mehr, denn Berlins Neuer Rihards Bukarts erzielte in seinem fünften Spiel den dritten Treffer (63.). Der Stürmer sorgte für den Sieg und stellte den 7:6-Endstand nach Vorarbeit von MacQueen in einem spannungsreichen Playoff-Spiel her. Das grgab auch der zum dritten Mal in dieser Nacht bemühte Videobeweis.

Die Viertelfinal-Serie ist zu Ende. Im Bärenduell siegten die Eisbären.

Die Grizzlys verloren knapp nach aufopferungsvollem Kampf. Sechs Tore in Berlin schießen nicht viele Mannschaften.

Die Berliner Eisbären stehen im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft.

Fotoreportage

Mehr Bilder zur Begegnung in der Fotoreportage: Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste. Ene, mene, muh und raus bist du von Joachim Lenz im WELTEXPRESS.

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