Würdigung eines Großen – „The Last Night of B.“ in der Berliner Philharmonie ist ein Uni-Musikfest vom Feinsten, gewidmet dem live auftretenden Bernhard Wyszynski

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Bernhard Wyszynski und Musiker in der Berliner Philharmonie. © Andreas Hagemoser, 2016

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Johannistag, ein heißer Freitagabend in Berlin. Einige treffen sich vor dem Wochenende zu Versammlungen, andere bleiben bis zur Schließzeit im Freibad an diesem EM-freien Tag. Ca 2000 Gäste trafen eine kluge Entscheidung und kamen in den fast ausverkauften Großen Saal der klimatisierten Philharmonie. Eine leere Ehren-Loge an diesem 24. Juni, wenige freie Plätze in der letzten Reihe von D Links sowie vereinzelte Lücken in den Blöcken E, F und G konnten nicht drüber hinwegtäuschen, dass das Haus sehr gut besucht war.

In der Luft schwang zusätzlich zu den bei Konzerten der Freien Universität gewohnten zeitlosen Lockerheit eine gehörige Prise Freude, Glückseligkeit und Herzlichkeit mit, die sich aus der Quelle der Verbundenheit mit dem 36 Jahre tätigen Geschäftsführer speist.

Ein bescheidener Mann, der mit im Hintergrund wirkt. Jedes Oevre hätte er sich für dieses Konzert wünschen können, doch angesichts der Kapazitäten in der begrenzten Zeit eines Semesters und des anspruchsvollen Programms verzichtete er freiwillig auf sein Lieblingsstück für Chor und Orchester.

Alle Höhepunkte zu nennen ist kaum möglich. Deswegen Auszüge.

In den Worten von B. Wyszynski: „dass der bekannte der ‚Pomp-and-Circumstance-Märsche“ von Edward Elgar zu unserem Last-Night-Programm dazugehört – wem muss man das erklären? Jahrelang haben wir dieses Stück bei der Queen’s Lecture in der TU dargeboten, bis letztes Jahr das eintraf, was ich nicht zu träumen gewagt hätte: Die Queen herself gab sich die Ehre, und mit ihr Bundespräsident, Kanzlerin, Regierender Bürgermeister … die alle andächtig dem Vortrag des Collegium Musicum lauschten.“

Für weitere Einzelheiten verweisen wir mit Nachdruck auf das ausgewogene, sehr gut gestaltete und sehr empfehlenswerte Programmheft.

Winzige Unperfektheiten im Orchester in der ersten Hälfte möchten nicht erwähnt werden. Der bleibende Eindruck ist ein hervorragender, der auch die Reihenfolge der bei sieben Komponisten leicht weniger kohärent wirkenden Auswahl betrifft.

Nachdem dem starken „Carmen“-Auftritt zu Beginn, der an das erste Konzert 1998 einer Reihe von konzertanten Opern erinnert, die Manfred Fabricius einführte: Pomp. Dann wunderbar der „Gesang der Parzen“, der Schicksalsgöttinnen. Duke Ellingtons „Freiheitssuite“ ertönte in vielen Sprachen, darunter die großen Weltsprachen russisch und chinesisch (‚ziyou‘), die die Vielfalt der Studierenden repräsentiert. „Freedom“ klang in diesem weltbesten Akustiktempel wie „Frieden“ und entließ phil-harmonisch zur Pause.

Danach: Rudolf Mauersbergers „Wie liegt die Stadt so wüst“, gegeben vom Kammerchor des CM. B.W.: „Der Kammerchor ist seit längerem wohl unser bestes Pferd im Stall.“ Er brachte gerade drei Goldmedaillen aus dem Ausland nach Hause.

Plötzlich betritt ein Solist die Bühne. Mahler steht auf dem Programm. Doch selbst Laien merken, dass das nicht dieser Komponist des 19. Jahrhunderts sein kann. Es war eine Überraschung mit B. (siehe Bild). Es erklang Rachmaninoffs Vocalise! Gelungen nicht nur die Surprise.

Dann der gewaltige Mahler, den Wyszynski zukünftigen Ensembles ans Herz legt. Zum Schluss Tschaikowski, sowas von einem Finale von Final, mit Fernblechbläsern an der Oper, auch das eine Tradition unter Fabricius.

Die Blöcke H und K erschienen vor der Pause seltsam leer, nun klärt sich alles auf: Der Große Chor, außen flankiert von vielen Ehemaligen, steht dort und lässt gewaltiges erschallen. Zuwenig Platz auf dem Podium für alle Sänger

Last Night of B. trägt in einem Buchstaben die Essenz desjenigen, der in fast vier Jahrzehnten die Basis gelegt hat und wesentlich mitgebaut und- gestaltet an Frieden, Freiheit und Völkerverständigung. Stadt- und landesweit sowie international hat der Organisationsleiter des Collegiums der Freien und Technischen Universitäten Berlins sich selbstlos in den Dienst des Guten gestellt. Dieser Abend ist eines der vielen Beispiele dafür, wie mit Musik, Liebe und Freundschaft Wunder bewirkt werden können. Sowie die Ensembles der Studierenden die besten Erinnerungen ihres Lebens an Auftritte in Donostia, Irun, Madrid, Belfort, Warschau, Innsbruck, Meran, München, Novara, Turin, Rom und Rimini haben, werden dort schöne Erinnerungsspuren nur langsam verklingen.

Das letzte Wort hatten die Studenten: Auf der Anzeigetafel, die die philharmonischen Zuhörer sonst daran erinnert, ihre Handys auszuschalten, erstrahlte nach dem großen Tschaikowski-Finale und dem frenitischen Applaus und standing ovations ein schlichtes „Danke, Berni!“

Last Night of B., Unimusikfest des Collegium musicum der Berliner Universitäten FU und TU, Leitung: Donka Miteva, Manfred Fabricius
Georges Bizet: Vorspiel zur Oper „Carmen“
Edward Elgar: Pomp & Circumstance, Op. 39 – March No.1
Johannes Brahms: Gesang der Parzen,
Duke Ellington: Freedom Suite,
Rudolf Mauersberger: Wie liegt die Stadt so wüst,
Gustav Mahler: 5. Sinfonie, 2. Satz
Pjotr Tschaikowski: Ouverture Solennelle „1812“

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