Wo das Frankfurter Bürgertum (bald wieder) adäquat feiern kann – Ein interessantes Buch zur Geschichte des Gesellschaftshauses im Palmengarten

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© Foto: Dr. Jí¼rgen Pyschik
Frankfurt am Main / Deutschland (Weltexpress). Manchmal profitierte Frankfurt auch von der ungeliebten preußischen Besatzungsmacht. Durch sie verlor nicht nur die Stadt ihren Status sondern auch die Nassauer Herzöge ihre Souveränität, weshalb der Bestand der Gewächshäuser ihres Biebricher Schlosses zu Wiesbaden auf den Markt kam und flugs von den Frankfurter Bürgen als Grundstock des neugegründeten Palmengartens aufgekauft wurde.

Das war 1868. Und wo sich die Bürger ergehen, da wollen sie auch feiern. Daher wurde schon 1871 ein stattliches Gesellschaftshaus errichtet und eingeweiht, wo hinter schlichter klassizistischer Fassade ein Festsaal mit einem Palmenhaus und weiteren Restaurationsräumen kombiniert wurde. Das Ganze ähnelte im Baukörper den zu jener Zeit ebenfalls beliebten Kopfbahnhöfen und wurde vom Publikum schnell angenommen.

Umso größer die Katastrophe, als es sieben Jahre später in Flammen aufging. Aber in der Kombination vom Versicherungsgeldern und Bürgerspenden war schnell das Kapital zur Wiedererrichtung zusammen und eine große Frankfurter Baufirma (inzwischen auch Geschichte) errichtete in nur 10 Monaten einen Ersatz. Was auf der Strecke blieb, war die schlichte Fassade, die durch opulente Neorenaissance ersetzt wurde und auch für die Ausgestaltung des Festsaales gewinnt man den Architekten Thiersch, der hier schon ein Raumkonzept umsetzt, dass er später im Wiesbadener Kurhaus noch üppiger realisieren wird.

© Foto: Dr. Jürgen PyschikEs braucht aber nicht immer einen Großbrand, um einschneidende Veränderungen herbeizuführen. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatten die Architekten May und Elsaesser in Frankfurt das Sagen und forcierten die Moderne. Neben wegweisenden Projekten wie dem Siedlungs-Wohnungsbau (May) und der Großmarkthalle (Elsaesser) rückten sie aber auch dem Historismus zu Leibe, was im vorliegenden Falle bedeutete, dass der Eingangsbereich abgerissen und im Stile der Moderne umgestaltet wurde. So steht er noch heute. Dass der Festsaal verschont wurde, ist weniger der Einsicht der Architekten zu verdanken als akutem Geldmangel. May konnte ja auch nach dem zweiten Weltkrieg nur mit Mühe und in letzter Minute daran gehindert werden, die historischen Viertel in Wiesbaden „zu schleifen“ und die Stadt autogerecht umzubauen.

© Foto: Dr. Jürgen PyschikVerdienstvoll ist, dass das Buch in seiner Darstellung auch die Nazizeit nicht ausspart und für die sich anschließende amerikanische Besetzung (das Haus diente bis 1953 der US-Army als Club und Freizeitzentrum) viele neue Dokumente und Bilder erschließen konnte.

Nachdem das Gesellschaftshaus 2002 aus brandschutztechnischen Gründen geschlossen werden musste, zog sich die Renovierung endlos dahin. Die für 2009 geplante feierliche Eröffnung wird nun hoffentlich endgültig am 8. Dezember 2012 stattfinden. Dann wird auch das „Buch zum Haus“ im Buchhandel erhältlich sein.

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Sabine Börchers, Wo Frankfurts Bürger feiern – Die Geschichte des Gesellschaftshauses im Palmengarten“, Sozietätsverlag 2012– ISBN 978-3-942921-88-6

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