Wie lange noch bleibt die Türkei Mitglied der NATO? – Erdogan zieht Soldaten von Manöver ab

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Quelle: Pixabay, gemeinfrei, CC0 Public Domain

Ankara, Türkei (Weltexpress). Der Türkei ist von den USA und anderen NATO-Staaten in den vergangenen Jahren übler mitgespielt worden, doch für Erdogan scheint die aktuelle Geschmacklosigkeit während einer Übung der NATO wohl des Guten zu viel. Ein Tropfen im norwegischen Stavanger brachte das Fass zum Überlaufen.

Recep Tayyip Erdogan zog als Präsident der Republik Türkei beim NATO-Manöver namens „Trident Javelin“ seine Soldaten und Offiziere ab. Rund 40 türkische Soldaten hätten an der Übung in Norwegen teilgenommen, heißt es in verschiedenen Berichten übereinstimmend.

Erdogan und Atatürk als „Feinde“ der NATO?

Erdogan erklärte dazu, dass die NATO ihn und Mustafa Kemal Atatürk, den Gründer der Republik Türkei, als „Feinde“ und „Ziele“ genutzt hätten. Erdogan und Atatürk im Bild auf einer Übersichtskarte für Kriegsspiele des angeblichen Verteidigungsbündnisses?

Schlechter Scherz! Stoltenberg entschuldigt sich

Nicht nur der Generalsekretär der Organisation des Nordatlantikvertrags Jens Stoltenberg entschuldigte sich. Stoltenberg wörtlich: „Die Türkei ist ein geschätzter NATO-Verbündeter, der wichtige Beiträge zur Bündnissicherheit leistet.“

Erdogan nimmt die Entschuldigung nicht an

Der türkische Präsident weigert sich, die Entschuldigung anzunehmen, und erklärt laut Nachrichtenagentur Reuters: „Sie haben das respektlose Verhalten bei der Nato-Übung gestern gesehen. Es gibt Fehler, die nicht von Narren, sondern nur von niederträchtigen Menschen gemacht werden.“

Entfremdung und Zuwendung

Immer mehr und immer schneller entfremdet sich die Türkei nicht nur vom „Westen“ im Allgemeinen und der USA und EU im Besonderen, sondern auch von dem US-geführten Militär- und Kriegsbündnis, dem sie seit 1952 angehört. Das ist verständlich: Wer will schon Vasall und Schießfigur sein.

Noch stellt Ankara die zweitgrößte Armee der Organisation, die seit ihrem Bestehen von Generälen der USA kommandiert wird. Doch Erdogan wendet sich zunehmen ab vom Weißen Haus und seit der Krise 2015 verstärkt dem Kreml zu. Demnächst wollen die Herrscher in Kleinasien von der Russischen Föderation das neueste Flugabwehrsystem namens S-400 kaufen. In Washington ist man not amused. Wenn die Türkei endlich austritt, dann dürfte ganz Schluss mit lustig sein.

Zuletzt trafen sich Erdogan und Wladimir Putin am 13. November in Sotschi. Das nächste Treffen ist laut „Sputnik“ (18.11.2017) für den 22. November 2017 geplant. Offenbar haben sich beide Präsidenten viel zu sagen. Dabei geht es nicht nur um die S-400, sondern auch um die „Gaspipeline Turkish Stream, den Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes in Akkuyu, die Koordinierung der Maßnahmen zum Syrien-Krieg.

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