Was nach Meinung der Autoren Gebhardt, Ullrich und Zander von Steiner bleibt – Serie: Zum 150. Geburtstag von Rudolf Steiner (Teil 3/3)

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Frankfurt am Main (Weltexpress) - Helmut Zander haben wir dann am liebsten gelesen. Das liegt an seiner Sprache, die die literarischste ist und immer wieder Gedankenblitze zuwegebringt, die einen anfeuern, die er aber selbst wieder abbremst. Allerdings ist er auf den über 500 Seiten sehr ausführlich, manchmal zu ausführlich, wo wir dann weiterblätterten. Uns ist aber klar, daß jeder Leser andere Stellen ’als zu ausführlich` ansehen wird, insofern kann man sein Buch tatsächlich als einen Steinbruch nutzen, wo man das heraushaut, was auf dem eigenen Fragehorizont obenauf liegt.

Daß Zander nicht nur Historiker, sondern auch Theologe ist, merkt man dem Buch gewinnbringend an. Denn ihm gelingt es, dieses Zwischenreich, das die Theosophie beschwört und die Anthropologie beweisen will, verständlich in der Verschränkung von Mensch und Lehre zu formulieren, einschließlich eines esoterischen Christentums, der Freimaurerei, der Totengespräche, des Übersinnlichen und vor allem auch als „Ästhetisches Gesamtkunstwerk“.

Die in der Diskussion angesprochene Frage, ob und worin die drei Biographen die bleibende Wirkung Steiners sehen, beantworteten grundsätzlich alle drei mit einem Ja. In den Büchern kann man das nachempfinden. Für Zander ist sein Umgang mit dem Rituellen sowie seine Naturnähe bleibend, ja ausgesprochen modern. Die Hinwendung und der Schutz von Tieren, den Wert des Lebendigen und ökologische Fragen und Antworten hat er frühzeitig formuliert. Für Ullrich sind die Schriften irrelevant, aber seine pädagogischen Auffassungen grundlegend für heutige Pädagogik: u.a. das Klassenlehrerprinzip, die Förderung der Individualität, musische Erziehung. Gebhardt schließlich sieht ihn als einen, der frühzeitig zur Problemwahrnehmung fähig war, nämlich die Defizite und Ängste des Lebens in der Moderne zu erkennen und darauf Antworten zu geben, die noch heute – wo sich alle Welt um mögliche esoterische Regularien kümmert – zutreffen und den Menschen helfen.

Es ist übrigens nicht leicht in Worte zu fassen, worin sich die lebenskundlichen Blicke auf Steiner außerhalb der Anthroposophie – wie bei den beschriebenen Dreien- von denen unterscheiden, die aus dem Inneren der Bewegung ihren Meister historisch und persönlich würdigen möchten. Wer den Unterschied spüren möchte, sollte das Buch vom Amerikaner Gary Lachman, „Die Rudolf Steiner- Story. Ein neuer Blick auf Leben und Werk eines spirituellen Pioniers“, erschienen in Editioninfo3, zusätzlich lesen.

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Info:

www.medienstelle-anthroposphie.de

Miriam Gebhardt, Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet, DVA 2011

Heiner Ullrich, Rudolf Steiner. Leben und Lehre, C.H. Beck 2010

Helmut Zander, Rudolf Steiner. Die Biographie, Piper 2011

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