Von Agadir nach Marrakesch – Berberkultur am Hohen Atlas in Marokko

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Marokko
Dromedar in der Medina von Agadir. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Marrakesch, Marokko (Weltexpress). Entlang der Route von Agadir nach Marrakesch begegnet Marokko in faszinierender kultureller Vielfalt.

Der „Panthersprung nach Agadir“ ist Legende. Die Entsendung des deutschen Kanonenbootes „Panther“ an die marokkanische Atlantikküste im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs zählt noch heute zu den Musterbeispielen früherer Kanonenbootdiplomatie. Nach Anhaltspunkten für dieses mehr hemdsärmelige als diplomatische Unternehmen sucht man am Strand von Agadir heute allerdings vergeblich, selbst wenn damals die Existenz der Stadt auf dem Spiel stand.

Schuld an dem Debakel war die fixe Idee der politischen Führung in Berlin, man müsse den kolonialen Interessen des Deutschen Reiches auch mit militärischen Mitteln Nachdruck verleihen. So blieb über spannungsgeladene Monate hinweg offen, ob die verfahrene Situation zwischen den europäischen Kolonialmächten nicht doch noch in einen politischen Kompromiss einmünden würde. Das Wunder geschah, und die Stadt kam zum Glück mit dem Schrecken davon.

Gassen und Gässchen

Berberischer Stadtführer in Agadir. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Berberischer Stadtführer in Agadir. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Längst ist die imperiale Großmannssucht verraucht, und seit jener Zeit haben sich auch die Motive der überwiegend deutschen Besucher in Agadir grundlegend gewandelt. Heute geht es vor allem darum, die Reize der marokkanischen Küstenlandschaft zu genießen. Und dabei natürlich in das bunte Leben der Medina von Agadir einzutauchen, um das pulsierende Leben der Souks an Ort und Stelle mitzuerleben.

So sieht es auch Abdullah, der sympathische berberische Stadtbegleiter. Dank seiner Hilfe gelingt es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen über die Gassen und Gässchen der Medina mit ihren verwinkelten Ladenzeilen. Ihm steht der Stolz ins Gesicht geschrieben über die alte Berberkultur, die sich hier längst etabliert hatte, als Jahrhunderte später der arabische Ansturm über den afrikanischen Orient hinweg fegte.

Reizvolle Oasenstädte

Majestätische Palmen in Marrakesch. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Majestätische Palmen in Marrakesch. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Von ganz anderem Reiz sind die Oasenstädte im Hinterland von Agadir. Allen voran die Stadt Taroudant, der der Ruf eines „marokkanischen Venedigs“ voraus eilt. Auch wenn diese Würdigung wohl eine Schuhnummer zu groß geraten sein mag, verfügt die Stadt doch über Anwesen wie das Dar al Hossoun, in dem die Vorzüge orientalischer Wohnkultur spürbar sind. Eingebettet mit seinen versteckten Wohneinheiten in eine unüberschaubare Gartenlandschaft, erinnert hier nichts mehr, so Inhaber Oliver Verra, an die knochentrockene Steinlandschaft jenseits der Gartenmauer.

Noch traditioneller und bodenständiger geht es zu in dem Oasenstädtchen Tiout. Gelegen am Fuß einer mächtigen Burgruine, dreht sich auch hier, das verraten die prächtigen Palmenhaine, seit Jahrhunderten alles ums Wasser. Nach einem genauen Verteilungsschlüssel wird es in kleinen Kanälen zu gleichmäßigen Anteilen auf die Felder geleitet. In Zeiten der Wasserknappheit kommt es da bisweilen zu Streitigkeiten. Diese werden jedoch, so versichert Oasenbegleiter Mohammed, zumeist im Sinne des Gewohnheitsrechts von einem ehrwürdigen Sachverständigenrat einvernehmlich gelöst. Gegenwärtig, so wird am Ende seiner Führung deutlich, reicht es sogar noch für ein randvoll gefülltes Schwimmbecken, in dessen frischem Quellwasser sich die Jugend der Oasenanlage am Spätnachmittag bei untergehender Sonne voller Lebensfreude ausgelassen tummelt.

Wuchtige Arganbäume

Abendstimmung auf dem Jemaa el-Fna. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Abendstimmung auf dem Jemaa el-Fna. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

So attraktiv die Zwischenstationen auch sein mögen: Alle Wege im „Großen Süden“ Marokkos führen irgendwann nach Marrakesch, dem nördlichen Eingangstor ins Atlasgebirge. Der Weg führt vorbei an verästelten Arganbäumen, aus deren dichten Kronen lebendige Ziegen heraus zu wachsen scheinen. Denn längst haben die geschickten Tiere gelernt, sich in karger Umgebung eine ebenso nahrhafte wie schmackhafte neue Futterquelle zu erschließen.

Schon bald grüßt das ehrwürdige alte Minarett von Marrakesch herüber und beflügelt die Vorfreude auf die mit Kulturschätzen überquellende Berberstadt. Dazu zählt nicht nur die zentral gelegene Medina, die in ihren Souks zwischen Gewürzen, Gebäck und Goldschmuck stets angefüllt ist mit reger Geschäftigkeit. Daneben gibt es auch eine besinnliche Seite des Stadtgeschehens zu bewundern. So mit seiner floralen Fülle das charmante Riad Catalina mitten in der Medina.

Garten Eden in Miniatur

Pavillon im „Geheimen Garten“ in Marrakesch. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Pavillon im „Geheimen Garten“ in Marrakesch. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Ja, die Gartenkunst in Marrakesch blickt zurück auf eine lange Tradition. Musterbeispiel dafür ist der heute noch komplett erhaltene „Verborgene Garten“ aus dem 16. Jahrhundert im andalusischen Stil. Gespeist von einer artesischen Quelle, laufen hier vier Wasserarme zu einem zentralen Springbrunnen zusammen und laden bei munterem Vogelgezwitscher zum Verweilen ein.

Ein Vorbild auch für den Garten mit dem geheimnisvollen Namen „Anima“ mitten in der Einöde außerhalb von Marrakesch? Er ist das Werk des Wiener Allroundkünstlers André Heller, der hier inmitten der Wüsteneinsamkeit seiner Fantasie freien Lauf ließ. Das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen, da der Garten mit seinen ausgewählten Kunstwerken inmitten eines üppigen Pflanzenbestandes Seele atmet, ähnlich einem Garten Eden im Miniaturformat.

Karge Bergeinsamkeit

Teezeremonie im Berberdorf Ait Amir. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Teezeremonie im Berberdorf Ait Amir. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Doch bereits hinter der Stadt türmt sich die Gebirgskulisse des Hohen Atlas auf. Mehr als zehn Viertausender sind es, die dem 900 Kilometer langen Gebirgszug Größe und Würde verleihen. Mühsam schlängelt sich die schmale Straße hinauf in die Bergeinsamkeit. Von karger Schönheit zeugen auch die Berberdörfer, die wie Schwalbennester an den Berghängen kleben. Denn wer wollte es wagen, sich im Tal den Sturzfluten auszusetzen, die sich bei Gewitterstürmen in den Flusstälern chaotisch entladen?

Doch unter dieser Kargheit leidet keinesfalls die Gastfreundschaft, die dem neugierigen Besucher auf rührende Weise immer wieder begegnet. Schnell sprudelt im Berberdorf Ait Amir kochendes Wasser im Kessel. Schon kurz darauf verwandelt es sich mit kunstvollen Handbewegungen in einen aromatischen Tee, der in hohem Bogen zielgenau seinen Platz in den aufgereihten Teegläsern findet. Dabei entsteht genau jene entspannte Atmosphäre, in der nach einem berberischen Sprichwort „über alles und nichts“ gesprochen wird, bis auch das dritte und damit letzte Glas geleert ist.

Kontraste der Steinwüste

Anlage der Kasbah Tamadot bei Asni. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Anlage der Kasbah Tamadot bei Asni. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Doch die Steinwüste lebt auch von ihren Kontrasten. Die Kasbah Tamadot unweit von Asni ist bereits mehr als ein Kontrast. Denn offenbar hat sich Richard Branson als der Besitzer des Hotels zum Ziel gesetzt, hier in der Kargheit der Gebirgsumwelt einen Himmel auf Erden entstehen zu lassen. Ein Traumziel zwischen hohen Bergspitzen und einem zerfurchten Flussbett im Tal. Überhöht mit einer stilvollen der Landschaft angepassten Architektur, wohltuend zugleich für Auge und Seele.

Doch irgendwann heißt es Abschied nehmen. Wo fände man dazu einen geeigneteren Ort als den Jemaa el-Fna in Marrakesch? Einst der „Platz der Gehenkten“, heute das Zentrum purer Lebenslust. Geschmeidige Gnaua-Tänzer mit ihren klappernden Metall-Kastagnetten stimmen sich bereits am späten Nachmittag ein auf ihr Abendprogramm. Und das hat es in der Tat in sich: mit Gauklern und Künstlern mit Musikern und Schlangenbeschwörern. Insgesamt sogar ein Sp iegelbild lebendiger Berberkultur am Fuße den Hohen Atlas?

Reiseinformationen “Marokko / Hoher Atlas”:

Anreise: Günstige Direktflüge nach Agadir: Die./Sa. Ab Frankfurt, München, Düsseldorf, Hannover, Leipzig; Die. ab Berlin; nach Marrakesch ab Nov. 2017: Die./Fr. ab Frankfurt, Düsseldorf, München; Fr. ab Hannover; Fluglinien: Condor, Eurowings, Sun Express TUI Fly

Enreise: Es genügt der noch 6 Monate gültige Reisepass. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Reisezeit: Ganzjährig; besonders empfehlenswert sind jedoch die Übergangszeiten Frühling (März, April, Mai, Juni) und Herbst (Sept., Okt., Nov.); heiß im Sommer, kühl im Winter.

Reiseveranstalter: Marktführer für Pauschalreisen nach Marokko ist die FTI Touristik GmbH, Landsberger Straße 88, 80339 München; Web: www.fti.de; einwöchige Kombinationsreisen Agadir – Marrakesch ab Euro 584, buchbar unter Telefon: 089-71045-1498, E-Mail: info@fti.de oder im Reisebüro.

Unterkunft: Agadir: Hotel Labranda Amadil Beach und Marrakesch: Labranda Aqua Fun, www.fti.de/Labranda/Hotels; Taroudant: www.alhossoun.com; Marrakesch: www.riadcatalina.com; Hoher Atlas/Asni: Kasbah Tamadot, www.kasbahtamadot.virgin.com

Auskunft: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Str. 59, 40210 Düsseldorf, Telefon: 0211-370551, E-Mail: marokko@mfva.de; Web: www.visitmorocco.com/de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine Erstveröffentlichung im WELTEXPRESS. Die Recherche wurde von der FTI Touristik GmbH unterstützt.

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