Vielfalt oder Einfalt? „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ – Singender Knallbonbon aus Israel gewinnt 63. ESC in Lissabon

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ESC. Quelle: Pixabay

Lissabon, Portugal (Weltexpress). Vom 8. bis zum 12. Mai 2018 fand in der Altice Arena in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon der 63. Eurovision Song Contest (ESC) statt. An dem Spektakel nahmen Vertreter aus 26 Staaten teil. Ein singender Knallbonbon vom US-amerikanischen Flugzeugträger in der arabischen Welt schlug ein wie eine Bombe der israelischen Armee im Gazastreifen. Netta Barzilai gewann ein gläsernes Mikrofon. Toll?!

Unter dem Motto „Alle an Bord“ wurde am Tejo auch gesungen, vor allem aber viel geschwätzt und das getan, was man heute feiern nennt. Dabei sammelte der harmlose wirkende Wonneproppen aus Hod Hascharon nördlich der Schwulen-und-Lesben-Metropole-am-Mittelmeer Tel Aviv 529 Punkte, also deutlich mehr als Zypern (436), das auf dem zweiten Platz landete. Immerhin liegt das immer noch halb von den Türken besetze Zypern wenigstens näher an Europa als Israel. Warum singen die Ägypten eigentlich nicht mit?!

In der Mehrzweckhalle im modernen Lissabonner Stadtteil Parque das Nações rund um die futuristische Bahnstation Oriente holte der Vertreter der Republik Österreich, Cesár Sampson, mit dem Lied „Nobody But You“ den dritten Platz, während der ebenfalls harmlos anmutende Vertreter der Bundesrepublik Deutschland (BRD) den vierten Platz schaffte. Vor allem Lockenkopf Michael Schulte als Vertreter der BRD tat in diesen harten Zeiten gut daran, sich nicht mit der Masse treiben zu lassen und weich zu wirken. Wenn das im Reich der Politischen Ökonomie halb Europa dominierende Deutschland tut, was alle machen, dann wird es dafür abgestraft. Nur mit Bescheidenheit holt ein BRD-Vertreter heutzutage Ich-mag-Dich-Punkte. Und darum geht es doch vor allem, weit weniger um musikalisches Können.

Nebenbei bemerkt erreichten Österreich und Schweden bei den Jurys in 43 Ländern mehr Punkte als beim Publikum, doch das gab am Ende den Ausschlag für Israel.

Beim von Schwulen, Lesben und allerlei schrägen Vögeln mischbevölkerten und von allen anderen als von Stinos und Heteros dominierten ESC kam der Knallbonbon an.

Die laut Kennern größte Drogenparty der Welt fand dieses Mal in Lissabon statt, weil der portugiesische Schmachtfetzen Salvador Sobral mit dem Lied Amar Pelos Dois für Portugal den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew (Ukraine) gewinnen konnte, so dass die süße Sause dieses Jahr am westlichen Rand Europa stattfinden durfte.

Nächstes Jahr zieht der Singsang-Zirkus in die jüdische Festung, nach Israel, weil Barzilai mit ihrem Lied Toy für Israel gewann. Die 25-Jährige sang davon, dass sie „nicht dein Spielzeug“ sei. So und nicht anders.

Noch in der Nacht soll Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der dreifachen Mutter getwittert haben: „Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Wohl wahr, das geht auch ohne Uzi.

Frau Barzilai zeigte sich auf der anschließenden Pressekonferenz in Lissabon „begeistert“, dass das Publikum „etwas nicht Standardmäßiges und Wichtiges“ bevorzugt habe. „Für mich ist es eine Ehre, daran teilzuhaben. Und ich bin sehr stolz, dass ich dieses unwahrscheinliche Ereignis nach Israel bringe“, sagte die Sängerin.

Zuvor bedankte sie sich beim Publikum dafür, „dass ihr die Vielfalt gefeiert habt“. Doch das dürften manche Kritiker anders sehen. Denen erscheint der ESC als Einfalt in einer Welt der Ware und des Spektakels.

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