„Versuchskaninchen-Kritik“ wird eingestellt – FIFA-Weltfußball -Trainerin Silvia Neid akzeptiert den Einsatz von Kunstrasen bei der WM 2015 der Frauen in Kanada – Die normative Kraft des Faktischen in der FIFA

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Bundestrainerin Silvia Neid mit der Nationalmannschaft im Frankfurter Volksbank Stadion. © Dietmar Tietzmann
Frankfurt, Hessen, Deutschland (Weltexpress). Silvia Neid und Nadine Angerer wurden jüngst beim FIFA Ballon d'Or 2013 im Kongresshaus Zürich mit den höchsten Ehrungen der Fußballwelt ausgezeichnet - Nadine Angerer als weltbeste Frauenfußballerin und Silvia Neid als weltbeste Frauenfußballtrainerin. Beide waren bisher nachgewiesen keine Freunde von Kunstrasen bei Weltmeisterschaften, sondern standen der Idee sehr ablehnend gegenüber.

Im Interview mit Annette Seitz in dfb.de vom 17. März 2014 bekundet die deutsche Bundestrainerin Silvia Neid einen plötzlichen Positionswechsel.

Wir zitieren.

DFB.de: Hinzu kommt, dass die WM komplett auf Kunstrasen ausgetragen wird.

Neid: Diese Entscheidung ist gefallen, und das müssen wir jetzt akzeptieren. Immerhin ist es unserer DFB-Direktorin Steffi Jones in intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen der FIFA gelungen, dass die Kunstrasen auf den Trainingsplätzen von der gleichen Qualität sind wie der Kunstrasen in den Stadien. Wir werden versuchen, uns bestmöglich auf diese Situation vorzubereiten, auch wenn das sicher nicht so einfach sein wird.

Wir werden zu Versuchskaninchen

Unlängst kritisierte Weltfußballerin Nadine Angerer bei einer Pressekonferenz im Commerzbank Tower in Frankfurt vor dem Kroatien-Spiel im Oktober 2013 fast zeitgleich mit Bundestrainerin Silvia Neid ziemlich heftig den Einsatz von synthetischen Rasen zur WM 2015 in Kanada. „Eine WM auf Kunstrasen geht gar nicht. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir werden zu Versuchskaninchen. Die FIFA muss dafür sorgen, dass wir auf anständigen Plätzen spielen. Oder was würden wir sagen, wenn unsere Männer in Brasilien auf Sand spielen sollen?“, moserte die Bundestrainerin ziemlich aufgebracht.

Kunstrasen verändert das Spiel

Nadine Angerer befand im Beisein von Anja Mittag (LdB Malmö) und Annike Krahn (Paris St. Germain), dass die Elite-Kickerinnen der Weltmeisterschaft ausgenutzt werden sollen, um zu testen, ob das funktioniert oder nicht. "Das gibt Brand- und Schürfwunden und verändert echt das Spiel. Ich habe echt kein Bock, das Versuchskaninchen zu sein. Ich finde das richtig scheiße!“ Für die Öffentlichkeit stellt sich jetzt die Frage, ob Angerer ernsthaft sich darüber informiert hat, dass sie in Portland mit den Thorns auf Kunstrasen spielen muss? Oder hat sie ihre Vorbehalte auf Grund besserer Information durch den neuen Arbeitgeber etwas reduziert?

Wir haben in den USA recherchiert

Im Heimstadion dem "Jeld-Wen-Field" erwartet Angerer in Portland ab April 2014 Kunstrasen der Sorte Blue Sky Grass. Die FIFA Frauen-WM 2015 wird in Kanada nach aktuellen Plänen vollständig auf Kunstrasen ausgetragen. Das Moncton Stadium, bisher die einzige der sechs WM-Arenen mit Naturrasen, wird dafür gerade für knapp eine Million Kanadische Dollar umgerüstet. Es gilt nicht nur deshalb als sehr unwahrscheinlich, dass die FIFA von ihren Kunstrasenplänen noch abrücken wird. Zumindest nicht bei der Frauen-WM.

Es gibt bisher keinerlei Erfahrungen

Der von Topspielerinnen wie Nadine Angerer geäußerten Verdacht, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft eine Art Testballon für mehrwöchige Fußballturniere auf Kunstrasen werden soll, wird nun real umgesetzt. Was hat sich geändert? Weltfußballtrainerin Silvia Neid stimmt dem Handeln der FIFA zu. Es gibt bisher keinerlei Erfahrungen, wie sich ein internationales Turnier mit vielen englischen Wochen auf dem härteren Untergrund auf die Bänder und Gelenke auswirkt. Der Frauenfußball wäre damit das Versuchskaninchen für die Männer. Denn Kanada bewarb sich im Januar 2014 bei der FIFA für das Jahr 2026 für die Durchführung der Männer-WM. 

Wir fragen uns

Was waren die Beweggründe für Bundestrainerin Silvia Neid, sich in der Frage Kunstrasen gemäß ihrer heutigen öffentlichen Bekundung sich bei ihrem Standpunkt scheinbar um 180 Grad zu drehen? Was waren die Ergebnisse der intensiven Gespräche von DFB-Direktorin Stefanie Jones mit den Verantwortlichen der FIFA ? Was denken die Nationalspielerinnen, die die internationale Online-Petition gegen WM-Kunstrasen unterschrieben haben ?

Folgende Weltfußballerinnen von insgesamt 4000 Fußballerinnen unterschrieben bisher

Abby Wambach – USA, Carli Lloyd – USA, Ali Krieger – USA. Alex Morgan – USA, Whitney Engen – USA, 安藤 梢 (Kozue Ando) – JPN, 大儀見 優季 (YÅ«ki ÅŒgimi) – JPN, Anja Mittag – GER, Nadine Angerer – GER, Annike Krahn – GER, Célia Sasic – GER, Kim Kulig – GER, Almuth Schult – GER, Laura Benkarth – GER, Melanie Behringer – GER, Melissa Barbieri – AUSSam Kerr – AUS, Caitlin Foord – AUS. Natalia Gaitan – COL, Melissa Ortiz – COL, Nataly Arias – COL, Eugénie Le Sommer – FRA, Camille Abily – FRA, Wendie Renard – FRA, Veronica Boquete – ESP, Caroline Seger – SWE, Lotta Schelin – SWE, Kosavare Asllani – SWE, Olivia Schough – SWE, Sara Thunebro – SWE, Malin Levenstad – SWE, Sofia Lundgren – SWE, Emma Berglund – SWE, Charlotte Rohlin – SWE, Hedvig Lindahl – SWE, Nilla Fischer – SWE, Annica Svensson – SWE, Therese Sjoran – SWE, Caroline Jönsson – SWE, Anita Asante – ENG, Faye White – ENG, Natasha Dowie – ENG, Nora Holstad – NOR, Ingvild Isaken – NOR, Theresa ‚Lupita‘ Worbis – MEX, Ana-Maria Crnogorčević – SUI, Sarah Walsh – AUS (Karriereende), Michelle Akers – USA (Karriereende), Sandra Smisek – GER (Karriereende)

Die Online-Petition wurde an das FIFA Women’s World Cup Committee und Peter Montopoli, dem Chief Executive Officer für die FIFA Women’s World Cup Canada 2015 gesandt. Was passierte in den Gremien der FIFA und wie war die Antwort der FIFA an die Organisatoren der Petition ?

Testspiel auf Kunstrasen in Kanada

Im Juni wird die deutsche Nationalmannschaft eigens ein Testspiel in Kanada auf Kunstrasen bestreiten. Daraufhin von Frank Hellmann am 4. März 2014 angesprochen, antwortete Silvia Neid in der Frankfurter Rundschau (FR): "Dass darauf gespielt wird, steht wohl fest. Ich hatte in Zürich keine Gelegenheit mit dem Fifa-Präsidenten Sepp Blatter darüber zu sprechen. Ich hoffe, dass Steffi Jones das Thema noch einmal vorbringt, damit auch gewährleistet ist, dass die Qualität der Kunstrasenplätze bei Training und Spielen dieselbe ist.

Auf die Anmerkung: "Sie können ruhig noch mal sagen, dass das ein Unfug ist." reagiert die Bundestrainerin und FIFA-Welttrainerin – wir zitieren:

"Ich finde es nicht gut, eine WM auf Kunstrasen auszuspielen. Große Turniere gehören auf Naturrasen. Wir stehen mit unserem Protest zwar nicht ganz alleine da, müssen aber nun irgendwie sehen, dass wir zurechtkommen."

Sind die normativen Kräfte des Faktischen in der FIFA größer als die Wünsche der Hauptdarstellerinnen?

Quellen:

http://www.coworker.org/petitions/fifa-the-world-cup-should-be-played-on-natural-grass

http://www.usatoday.com/story/sports/soccer/2013/03/27/abby-wambach-not-happy-world-cup-turf/2026421/

https://twitter.com/AbbyWambach/status/314882077399068672

http://de.touch.fifa.com/u17womensworldcup/news/newsid=2292189/index.html

http://www.fr-online.de/sport/frauenfussball–eine-unheimliche-belastung-,1472784,26458972.html

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