Sommerfest im Bundesleistungszentrum Kienbaum – Schreie hallen durch die Nacht

0
142
Kienbaum, Brandenburg, Deutschland (Weltexpress). Dass kurz vor Mitternacht Schreie durch die Dunkelheit hallen, ist hier eigentlich nicht vorstellbar. Im Bundesleistungszentrum Kienbaum – ca. 35 km östlich vom Berliner Zentrum – ist Ruhe erste Bürgerpflicht. Klar, nach schweißtreibenden Trainingseinheiten, häufig mehrmals täglich”¦

Doch am Dienstag war alles ganz anders. Da schauten Weltmeister und Olympiasieger – von Kugelstoßer David Storl über Diskusriese Robert Harting bis hin zum Kanu-Goldjungen Sebastian Brendel – zusammen mit Kollegen/Kolleginnen sowie Akteuren der Nationalmannschaften Turnen, Volleyball (Frauen) und Basketball in Open Air-Form das denkwürdige Fußball-WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien. Wenigstens sieben Mal entlud sich die Begeisterung in Freudensprüngen und Jubelschreien”¦

Höhepunkt und Abschluss des traditionellen „Sommerfestes“ in der wichtigsten Trainingszentrale des deutschen Hochleistungssports, der bei der Terminierung wohl kaum so geplant sein dürfte. Denn wer hat Monate vorher schon den ersten WM-Halbfinaltag im Blick.

Auch das Wetter hatte perfekt mitgespielt, denn das Sommergewitter hatte rechtzeitig vorher seine nasse Ladung runterprasseln lassen. Ein überaus milder Sommerabend mit einem „historischen“ WM-Spektakel, wie hinterher überall zu hören und zu lesen war.

Begonnen hatte der Abend ganz unspektakulär mit dem Richtfest für den neuesten Neubau im Brandenburgischen: Einer Turnhalle für die speziellen Belange der Männer-Nationalmannschaft. Mit allen Finessen, die man sich denken kann – Filter für den Magnesiastaub, einer Klimaanlage, die Temperaturen (konstant 24 Grad) und je nach Bedarf die Luftfeuchtigkeit regelt, Kunst- und normales Tageslicht, Videoanschlüsse für Sofortanalysen u.v.a.m. 2400 m ² allein für den Trainingsbereich. Plus Kraftraum, Medizinbereich, Trainerraum, Technikbereich.

Alles in allem wohl „eine der modernsten Trainingsstätten für unsere Sportart“, wie ein stolzer Turnpräsident Rainer Brechtken feststellte. Man liege voll im Plan, lobte Bernhard Schwank, 1. Vorsitzender des Trägervereins Kienbaum e.V. Nach der Grundsteinlegung vor einem Jahr ist der Rohbau mit ansässigen Firmen in sechs Monaten hochgezogen worden. Im Januar kommenden Jahres soll die Exquisit-Trainingsstätte betriebsfertig sein.

Turn-Bundestrainer Andreas Hirsch strahlte. Nicht nur, weil er an diesem Tage zu seinem 56. Geburtstag viele Glückwünsche entgegen nehmen durfte. Auch, weil sein Bemühen, optimale Bedingungen zur Vorbereitung seiner Schützlinge auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu bekommen, erfolgreich war.

Die ist vor allem der Unterstützung des Bundesinnenministeriums zu verdanken, das über die Liegenschaft verfügt. Seit dem Jahr 2000 hat das BMI – unter Innenministern unterschiedlicher Neigungen für den Leistungssport – in Kienbaum Investitionen in Höhe von rund 55 Millionen Euro bewilligt. Mehr als 50 000 Sportlerinnen und Sportler nutzen jährlich die Einrichtung mit nun 14 Sportstätten, Wohneinheiten, Essensaal u.dgl.
Das Ende der Fahnenstange ist aber auch hier noch nicht erreicht. Die Leichtathleten beispielsweise wünschen sich anstelle der schon etwas maroden Laufhalle für das Wintertraining einen Ersatz. Und als der aus Bayern stammende Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, erstmals im schon zu DDR-Zeiten genutzten Leistungszentrums zu Gast, beim BMI-Vertreter Wohlwollen zur neuen Laufhalle heraushörte, stellte er fest: „Wir werten diese positive Resonanz als Zusage des BMI.“

Kienbaum modernisiert und erweitert sich. Aber ein Sommerfest mit nächtlichen Freudenbekundungen ob eines 7:1-Spektakels über ein desolates brasilianisches Aufgebot wird wohl eine Einmaligkeit bleiben.

Anzeige