Siziliens Südosten neu entdecken – die Provinz Syrakus macht’s möglich

Die barock geprägte Kirchen-Piazza der Stadt Ferla.

Unser Touristenbus ist auf dem Weg vom einst griechisch-antiken Syrakus in die Kleinstadt Noto, einem viel zu wenig bekannten und besuchten Barockjuwel – 2002 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Typisch sind hier die in hellem Kalktuff erstrahlenden zahlreichen spätbarocken Kirchen und Paläste.

Um in den Südosten Siziliens zu kommen, müssen wir ja heutzutage zum Glück nicht – wie einst von Johann Gottfried Seume in seinem berühmten Buch „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ beschrieben – drei Monate lang vom sächsischen Grimma aus zu Fuß gehen. Heute gibt es sogar Direktflüge von Berlin und anderen deutschen Städten nach Catania. Und von dort bis nach Syrakus dauert es auf der gut ausgebauten Schnellstraße nur etwa eine gute Stunde.

Von dem schönen Barockstädtchen Noto geht’s weiter über Serpentinenstraßen in die ebenfalls von Barockbauten geprägte Stadt Palazzolo Acreide; auch sie Unesco-Weltkulturerbe. Später gelangen wir über die Meer und Berge verbindende Schnellstraße „Maremonti“ zurück nach Syrakus, dieser stimmungsvollen, quirligen Hafenstadt mit 110. 000 Einwohnern. In einer der vielen engen Gasse warten in der „Osteria Per Bacco“ bereits frische Garnelen, Muscheln, Tintenfische, gegrillter Octopus und Spaghetti mit Seeigel auf uns. Ein kultureller Hochgenuß indes: abendlicher Besuch des berühmten Griechischen Theaters von Syrakus. Gleich nebenan lädt das „Ohr des Dionysos“ ein, die einst als Gefängnis genutzte 65 Meter lange und 23 Meter hohe Grotte mit ihrer außergewöhnlichen Akustik.

Das Changieren zwischen Antike, Barock und Moderne ist typisch für eine solche Bildungs- und Erlebnisreise durch den Südosten Siziliens, wobei diesmal des öfteren auch Ziele besucht werden, die etwas abseits der üblichen Reiseführer-Routen liegen. Denn die klassische Destination Sizilien mit ihrer schon von Goethe in seiner „Italienischen Reise“ (1786 – 1788) bewunderten Einheit aus Natur- und Kunstschönheit ist gerade dabei, speziell im Südosten der größten Mittelmeerinsel touristische Angebote auszubauen und neue kreativ zu entwickeln. „Der ländliche Raum der Provinz Syrakus erprobt ein neues Tourismusmodell“, so die Formel von Sebastiano di Mauro, dem ideenreichen und engagierten Direktor der lokalen Aktionsgruppe G.A.L Hyblon-Tukles, die an der Spitze dieser auch mit EU-Geldern geförderten Inivitiative steht, die beispielgebend für den gesamten Mittelmeeraum werden soll.

Es handelt sich um eine schon vor den Griechen von den Hyblon- und Tukles-Völkern besiedelte Region mit bedeutenden archäologischen Resten alter Städte, Höhlen und Nekropolen sowie mit reichen Schätzen an barocker Baukunst. Zwölf der Sehenswürdigkeiten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hinzu kommt die bereits erwähnte eindrucksvolle Karstlandschaft der Iblei-Berge mit ihren tiefen Felsschluchten, ein Dorado für Camping-und Trekkingtouristen. Durch planvollen Wieder-Aufbau soll dieses Gebiet gleichsam als eine „Insel auf der Insel“ wieder erkennbar und damit auch für internationale Gäste attraktiver werden. Angestrebt wird dabei kein Massentourismus, sondern eine sanfte, nachhaltige Entwicklung, bei der die Besucher persönliche Gastfreundschaft wie in alten Zeiten erfahren sollen.

Fremdenverkehr war im Binnenland der Provinz Syrakus bis vor wenigen Jahren kaum vorhanden. Heute registriert die aufstrebende Gegend bereits rund 20.000 Übernachtungsgäste jährlich. Die rund 50 größtenteils neu geschaffenen bzw. restaurierten Gästeeinrichtungen verfügen über annähernd 1000 Betten. Am häufigsten sind komfortable „Agriturismi“-Anlagen anzutreffen, die eine Art „Urlaub auf dem Bauernhof“ anbieten. Einige davon besonders gelungene sind z. B. der inmitten eines Olivenhaines gelegenen Hof „Borgo degli ulivi“ mit Swimmingpool unter Palmen oder der umgebaute alte Herrensitz „Bisco Bauli“ mit seinen fast 100 Betten in stilvollen Zimmern.

Die markantesten Sehendwüdigkeiten sind neben den historischen Altstädten, wie Palazzole Acreide, Noto, Modica, Ferla, Cássaro und Sortino, das Naturreservat von Pantalica (Felsennekropole mit 5.000 Grotten)) und die Cava Grande del Cassibile – eine imposante Felsschlucht, die jährlich bereits 30.000 Besucher, davon ein Viertel Ausländer, anzieht.

Weitere Highlights einer solchen Reise der besonderen Art: Die weithin sichtbar auf einem Bergkegel gelegene sizilianische Keramik-Metropole Caltagirone. Dort kann man eine der vielen Werkstätten besuchen und sich an der einzigartigen Treppe mit Majolikakacheln erfreuen. Im geologischen Park Floristella erleben Besucher den Abbau von Mineralien und staunen im nahen „Park der Naturwunder“ über pittoreske Steinfiguren, die dort buchstäblich aus der Erde gewachsen sind. Stark aufgewertet wird gerade das 15 km lange Flusstal Val d’Anapo, z. B. durch die Wiederblebung einer alten Bahnstrecke. Das Tal ergänzt optimal die Küstenzone bei Syrakus, wodurch sich eine touristische Kombination beider Reiseregionen anbietet.

Zu den Perspektiven erklärt Projektleiter Sebastiano di Mauro am G.A.L.-Sitz in Canicattini: „Derzeit werden organisatorische Maßnahmen für die touristische Umsetzung unseres Projektes definiert. Mit Reiseveranstaltern erarbeiten wir Touren-Programme, die es ermöglichen werden, verstärkt Gäste aus Deutschland zu empfangen.“ Schon haben erste kleine Tour Operatoren „angebissen“, so der Hamburger Kultur- und Wanderspezialist „ReiseSpaß“ und „CamperCastello24“ aus Düsseldorf. Da mit anderen G.A.L.-Aktionsgruppen Siziliens kooperiert wird, ist es möglich, den Reiseradius auch auf benachbarte sizilianische Provinzen wie Ragusa und Catania auszudehnen. So geht es beispielsweise von Catania aus, Siziliens zweitgrößter Stadt, in das Ätna-Gebiet.

Wir nähern uns dem legendären Vulkan oberhalb des Ortes Linguaglosso bis auf 1.800 Meter Höhe, wo noch große Schäden des letzten Ausbruchs von 2002 zu sehen sind. Besuchenwert die 635 m hoch gelegene Bergstadt Castiglione di Sicilia. Mauern, Torbögen und Straßenpflaster sind hier aus schwarzem Lavagestein. Im Agriturismo „Zur Alten Weinpresse“ kredenzt ein Sommelier zu typisch sizilianischen Gerichten die gefragten Rotweine der fruchtbaren Ätna-Hänge „Mascalese“ und „Torrepalino“.

Infos:

Italienische Handelskammer für Deutschland e.V., Büro Berlin / Dr. Vincenza d’Ambrogio, D-10179 Berlin, Märkisches Ufer 28; Tel. (030) 24 31 04 30; Fax (030) 24 31 04 – 11; e-Mail: vdambrogio@itkam.org; www.itkam.org

ReiseSpaß, D-22605 Hamburg, Parkstraße 9a; Tel. (040) 827606; Fax (040) 827686; e-Mail: c.hoernke@reise-spass.de; www.reise-spass.de

CamperCastello 24, D-40231 Düsseldorf, Schweidnitzstraße 20; Tel. (0211) 221646; Fax (0211) 221666; e-Mail: info@cc-24.org; www.cc-24.org

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