Sieben Perlen des Mittelmeers oder Insel-Hopping und Tanz auf den Äolischen Vulkaninseln vor Sizilien

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Lipari © Fototeca ENIT Fotograf Vito Arcomano
Lipari, Sizilien, Italien (Weltexpress). Die Umrisse und Vulkanberge der sieben Inseln nord-östlich Siziliens wie Lipari, Stromboli und Vulkano sind schon beim Anflug auf die Tochter des Ätnas, Catania, aus dem silbern schimmernden tyrrhenischen Meer ragend zu bewundern. Auch der riesige Ätna zeigt sich - mit wolkenverhangenem Haupt.

Von Catania aus geht es mit einem Shuttlebus vorbei an Sehenswürdigkeiten aller Art in 50-minütiger Fahrt zu den Städten Messina und Milazzo, von wo aus alle Arten von Fährbooten wie Tragflügelboote (Aliscafi), große Fähren und Doppeldecker-Boote die Überfahrt zu den Inseln in ein bis zwei Stunden für ca. 10 Euro anbieten – wenn der Windgott Aiolus, dem die Inseln ihren Namen verdanken, mitspielt. Auch Neptun kann – nicht nur in den Herbststürmen – mit vier Meter hohen Wellen ein Schnippchen schlagen und eine Übernachtung in diesen historischen, attraktiven Städten nötig machen, trotz 30 °C!
Mirabilia Network ist ein Netzwerk von zehn italienischen Unesco Weltkulturerbe Stätten, benannt nach dem Bestseller und "Mutter aller Reiseführer" über Rom "Mirabilia Urbis Romae". Zehn italienische Handelskammern (Brindisi, Genoa, La Spezia, Matera, Messina, Padua, Perugia, Salerno, Udine and Vicenza) sind Netzwerkpartner. Auf ihren Territorien befinden sich insgesamt 49 Unesco Weltkulturerbe Stätten. Mirabilia soll sowohl italienischen als auch internationalen Touristen diese Stätten bekannt machen.
Äolische Inseln: Lipari, Vulcano, Salina, Stromboli, Filicudi, Alicudi und Panarea -UUNESCO-Weltkulturerbe seit 2000

Auf der Mirabelia-Netzwerkseite bietet Mirabilia bereits ausgearbeitete Wege und Vorschläge an, um die Unesco-Stätten zu entdecken – auch für die Äolischen Inseln.

Vor über einer halben Millionen Jahre formierten sich die Inseln entlang eines Vulkanischen Bogens durch das Aufeinandertreffen der europäischen und afrikanischen Kontinentalplatten, Subduktion der afrikanischen Platte und Eruption von Magma. Die liparischen Inseln sind eine von vier "Vulkanprovinzen" in Italien. Sie hängen direkt mit dem vulkanischen Inselbogen der Ägäis zusammen.

Milazzo – Sizilien

Reste eines Hurricanes, der vom Atlantik über die Liparischen Inseln zog, verwehrten die Überfahrt nach Lipari und erzwangen eine Übernachtung in Milazzo. Nach einem deliziösen, typischen Mahl der Region mit frisch zubereiteten Meeresfrüchten Calamari, Vongole, Cozze, Gamberi in riso-pasta, in der Trattoria "La Casa Linga" in der Altstadt ließen sich im 4-Sterne-Hotel "Eolian Milazzo Hotel" die entsetzlich pfeifenden Winde über Nacht gut aushalten. Milazzo wäre eine Stadtbesichtigung wert gewesen mit seinem Castello und schöner Altstadt – unser Plan sah die Überfahrt am nächsten Morgen vor.
Entschleunigung und Ursprünglichkeit, Lipari – die größte der Äoischen Inseln
Lipari © Fototeca ENIT Fotograf Vito ArcomanoNachdem Windgott Aiolus und Meeresgott Neptun sich zur Ruhe gelegt haben, setzen wir mit der großen Fähre Siremar „Pietro Vangelis“ über – die Augen fest auf den Horizont des glitzernden Meeres gebannt – gegen Seekrankheit, denn die Riesenfähre geht doch noch ganz "schön" auf und ab bei den Restwehen des vergangenen Herbststurmes.
Kleiner Zwischenstopp für die Gäste der Insel Vulcano, die uns mit Schwefelschwaden begrüßt.

Ein paar Wellengitschten und erfrischenden Windbrisen weiter taucht vor uns einer der zwei Häfen Liparis "Marina Lunga" der quirrligen Inselhauptstadt Lipari auf. Blickfang inmitten der verschachtelten, sich um den mächtigen Felsen schmiegenden Häuser, ist der von Mauern umgebene Burgberg eines spanischen Kastells aus dem 16. Jh., die darauf stehende Basilica Cattedrale San Bartolomeo und das Museo Archeologico. Ein munteres Treiben begleitet das Entladen des Fährriesens, der auch Autos und Laster mit transportierte.

Nach Einchecken in dem sehr guten 4-Sterne Hotel Arciduca geht es zum Empfang ins Hotel Mea.

Hier wird alles präsentiert, was die Insel an Kulinarik und Folklore zu bieten hat: mitreißende musikalische Darbietung äolischer Fischergesänge von Marco Manni „Schegge d’Ossidiana“ (Obsidiansplitter) mit dem Hauptthema: La guerra santa – der heilige Krieg beim Thunfischfang sowie Kostüm-Tänze und pulsierende Gesänge der „Cantori Populari delle isole Eolie“. Neben der Legende vom Colapesce singen sie die Sage von Nick, dem tollen Schwimmer, der vom König beauftragt wird, die drei Säulen, auf denen Sizilien ruht, ständig zu inspizieren und zu reparieren. Nick hat Sizilien auf seinen Schultern ruhen und wenn er sich bewegt, kommt es zu Erdbeben”¦

Alle kulinarischen Köstlichkeiten der Inselküche wurden auf einmal präsentiert in kleinen Fingerfoodportionen: Antipasti: Tartar von Bernsteinmakrele, Stockfischsalat, Nassa-Shrimps, Salat von Kapern und Cucunci (Kapernäpfel), Caponata (süßsaures Gemüsegericht aus Auberginen, Tomaten, Paprika, Sellerie, Fenchel), Zucchini-Röllchen mit Riccotta, gegrilltes Gemüse mit Basilikum-Pesto und Walnüssen.

Il primo: "Tumminia, ein antikes, wiederentdecktes Korn, welches fast kein Gluten enthält, ist zum rising Star geworden." so Rosario Gugliotta der Slow Food Bewegung Sizilien. Pasta aus Tumminia mit Fischragout, kandierten Orangenschnitzen"Zeste d’arrancio", muddica atturata (Linguine con pepperoni)

Il secondo: Im Ofen mit Malvasia-Wein und Granatäpfeln gebackenes schwarzes Nebrodi-Schwein (spezielle sizilianische Rasse)
Dessert: hier wurde eine besondere Köstlichkeit kredenzt: Sorbet aus Kaktusfeigen (fichi d’India), Riccotta von Vulcano mit Honig schwarzer Bienen.
Weine: Malvasia – DER Wein der Inseln, und roter "Hauner"-Wein
Liparis Burgberg, Basilica Cattedrale San Bartolomeo, Museo Archeologico
Nach der Colazione (Frühstück) wird zuerst die Cattedrale, die Ausgrabungsstätte aus der Bronze- und Römerzeit und das Ärchologische Museum auf dem Burgfelsen "Rocca del Castello" besichtigt mit seinen unglaublich vielfältigen und zahlreichen Exponaten aus griechischer und römischer Zeit wie Nekropolen der Contrada Diana, Sarkophage, Berge von Terracotta-Amphoren, Grabstätten, Grabbeilagen, Vitrinen voller Schmuck, kunstvoll bemalte Terracotta-Vasen und -Gefäße, -Masken, -Statuetten. Draußen putzen sich Katzen aller Art in der Sonne ihr Fell und ein Schmuckverkäufer hält Preziosen aus Vulkangestein feil. 
Da Filippino – Beim kleinen Phillip

Diese vielfältigen, imposanten Eindrücke lassen sich am besten am Fuße des Burgberges auf der geräumigen Terrasse des preisgekrönten, von Bougainvillea, Iris, Palmen und Olivenbaum umrankten, herzlichen Familienbetriebes Ristorante "Da Fillippino" verarbeiten. Imposanter, fangfrischer weißer Zackenbarsch "Cernia bianca" wird in seiner ganzen Pracht auf einer Platte präsentiert. Grüne Pistazienbrötchen, Pasta und Tomatensalat mit Kapern. Kapern ist ein Sonderkapitel der Inseln – die absolute Spezialität in mannigfacher Darreichungsform! Vino: ein Chardonnay aus Sizilien "Brusio", leicht und spritzig bei 30 ° Sommertemperaturen im Herbst! Ein reichhaltiges Weinsortiment herausragender liparischer Weine steht zur Auswahl.  Ein erfrischendes Zitronensorbet und natürlich Cafè geben gute Energie für die nun folgende Inselexkursion per Bus.

Lipari – Inselexkursion (Bimssteinwerk Campo Bianco, Panoramapunkte und Vulkangestein)

Lipari © Fototeca ENIT Foto: Vito Arcomano"In zwei Stunden ist die Insel mit einer Vespa gut zu umrunden." verrät der Premio Enit preisgekrönte Reisebuchautor Peter Amman aus München, der uns begleitet zusammen mit dem Biologen Pietro von Vulcano.

Nach einem kurzen Fotostop im Fischerort Canneto mit seinem berühmten Badestrand "Spiaggia bianca" (natürlich schwarz, da Lavagestein) und erfrischendem Eintauchen der Füße ins Meer mit "Blauer Flagge" für 1A-Wasserqualität  fällt der Blick auf die Nachbarvulkaninseln. Es geht es weiter zum Bimssteinabbau von Campo Bianco. Die ins Meer abfallenden Halden leuchten schon von weitem weiß, die ins Meer reichenden, verrosteten Fließbänder sind stillgelegt. Es sieht hier aus wie in einem Wildwestfilm und als ob gleich Klaus Kinski in Räuberuniform aus den Lagerhallen mit Pistolen gerast kommt – kein Wunder: jede dieser Inseln war schon Schauplatz für berühmte Filme.
Diese Bimssteinanlage wurde stillgelegt, weil die ungeschützt arbeitenden Bergarbeiter die Lungenkrankheit Silikose entwickelten und außerdem erforderte das Unesco Weltkulturerbe-Siegel, dass die Vulkanekrater, für die das Siegel verliehen wurde, gepflegt werden. Weiterer Abbau dieses porösen, weißen Lavagesteins hätte den Krater beschädigt.

Auf einem kleinen Lavastrand harkt ein aufmerksamer Bademeister Lavageröll weg, damit Badegäste sich hier sonnen können. Kleine weiße Bimssteine tänzeln auf dem Meer und laden zum Mitnehmen ein.

Weiter und vorbei geht die Fahrt auf der Küstenstraße mit bezauberndem Blick auf das blaue Meer. Ein riesiger Obsidian mit mehreren Klötzen am Wegesrand zeigt die verschiedenen Schmelzpunkte der Lava, aus dem er hervorging. Der messerscharfe Obsidian wurde in Urzeiten als Pfeilspitze eingesetzt und wird heute zu Schmuck und Dekorationsgegenständen verarbeitet. Guida Pietro führt uns zu einem Aussichtspunkt und einem "Labor"-artigen Tal, wo alle Farben und Formen vulkanischen Lebens zu sehen sind: gelb, rot, marmoriert.
Thermalquellen und Kurbad von San Calogero

Angekommen in Calagero empfängt uns ein Palazzoartiges Haus von 1867 – die ehemaligen Thermen von Calagero. Wir erhalten eine Exklusivführung. Schon 2000 v.Chr. wurden die heilenden, heißen Quellen und Dämpfe entdeckt. Archäologen gruben einen Rundbaues innerhalb der antiken römischen Bades aus. In der antiken Igluartigen Kuppel läuft 60-Grad warmes Heilwasser in ein Steinbassin, wo sich Heilschlamm sammelt. Es entstehen heilende Dämpfe und der Schlamm wurde früher aus dem Becken entnommen und auf den Körper geschmiert. Draußen befindet sich ein kleines antikes Becken mit kaltem Wasser, das zur Reinigung und Erfrischung nach dem Saunagang diente. Weiter oben gelegen befindet sich das modernere Becken und wir dürfen das 60 Grad heiße Thermalwasser über die Hand laufen lassen, welches einen hohen Gehalt an Salzen, Sulfaten und Natrium besitzt.

Das Thermalbad wurde stillgelegt, als die archäologischen Ausgrabungen begannen.In dem edlen ehemaligen Kurhaus befindet sich nun ein Museum in den oberen Etagen, in dem die verschiedenen Gesteinsarten (Bimsstein, Obsidian) präsentiert werden sowie das Leiden der Bimsstein-Bergarbeiter dargestellt wird. Ein 20-minütiger Doku-Film hierzu wird angeboten. Im Erdgeschoss stellen Künstler ihre Bilder aus.

Vor der Weiterfahrt werden wir noch mit einem bezaubernden, eindrucksvollen Sonnenuntergang auf dem Meer vor der Kulisse der Nachbarinseln belohnt.

Zurück in der Altstadt Liparis bezaubert ein Rundgang durch die Altstadt  am Hafen –  Treff von Jung und Alt –  voran der Corso Via Vittorio Emanuele mit seinem bunten Treiben, die beliebte Fußgängerzone mit Restaurants und allerlei hübschen Souvenir- und Kleidergeschäften.

Dolce vita und dolce far niente – Seele baumeln lassen pur!

Abendessen im Carasco-Luxus-Wellness-Hotel am Meer.

Mirabilia gibt alles: Thunfisch mit Capernsauce und Orangen, überbackener Seehecht in Linguine eingewickelt, Fisch mit Kartoffeln und pikanter Kapernsauce gefolgt von riesigen Canoli (eine Art Windbeutel) mit süßem Malvasia-Dessertwein und wieder Musikfolklore – dolce vita und dolce far niente – Seele baumeln lassen pur! 

Insel Vulcano – Mr. Spock lässt grüßen!

© Fototeca ENIT, Foto: Vito ArcomanoHaben die Vulkanier nun alle Spitzohren wie Mr. Spock von „Raumschiff Enterprise“ oder nicht – dies und Vulcano zu erkunden stechen wir anderen Tags in See. Mit dem Aliscafo brausen in 10 Minuten über die See (für ca. 5 Euro) und schon öffnet sich der „Schlund zur Hölle“ mit Schwefelschwaden und Schwefelgestank, pardon: Heildämpfen! Vulcano galt in der römischen Mythologie als Schmiede Vulcanus, des römischen Gottes des Feuers.

Erst einmal folgen wir Peter Ammans Tipp zur Bar „Remigio“ linksseitig vom kleinen Hafen vorbei an kleinen Souvenirständen, wo es köstliche Granita Lemone oder Caffè mit Schlagsahne gibt. Ein kleiner Bummel durch die Gässchen des Hafenörtchens Vulcano Porto zeigt: niemand hier hat Spitzohren, lediglich charmantes Lächeln und das trotz des penetranten Schwefelgeruchs! Vulcano ist auch keine bevorzugte Ferieninsel der schönen und reichen, die lieber Panarea wählen. Auf Vulcano wurde der Schwefel von Gefangenen abgebaut. Der Schwefel war Basis für Schießpulver.

Vulkanologie für Laien

Drei Arten von Vulkantypen gibt es, erklärt uns Pietro, der Biologe: den Hawaiianischen Typ, den Stromboli-Typ, der Schlacke auswirft und Dampf und Asche ausstößt. Der gefährlichste Typ ist der Pelée-Typ. Die Vulkane auf den Äolischen Inseln würden ständig observiert, auch per Satellit in einem vulkanologischen Institut in Catania ausgewertet, berichtet Pietro. Ein ständiges „subkutanes“ Zittern, welches Menschen nicht spürten, sei dennoch auf den Vulkaninseln zu verzeichnen.

Vulcano ist kein Vulkan, der Lavaströme bei Ausbrüchen fließen lässt, sondern er explodiert und schmeißt mit tödlichen Gesteinsbrocken-Bomben um sich. Die interessante Vulkanologie-Geschichte Vulkanos lässt sich nachlesen bei Wikipedia.

Caseificio La Vecchia Fattoria

Die Busrundfahrt über die kleine Vulkano-Insel führt zu Panoramaaussichtspunkten, die staunen machen wie die große Caldera. Pietro führt uns noch zu einer Käserei, der Caseificio La Vecchia Fattoria, wo Fabrizio Lo Piccolo aus Kuh- und Ziegenmilch eigener Tierhaltung täglich 30 kg renommierte Käsesorten herstellt, Ricotta, Käse mit schwarzem Pfeffer u.a. auch selbstproduzierten Honig von schwarzen Bienen, frische Feigen- und schwarze Maulbeerenmarmelade (Gelse nere) hält er feil. Die Fahrt führt uns weiter zum „Toten Feld“ (s.o.a.Wiki-Lecture). 

Die vulkanischen Therme

„Ihr könnt hier schwimmen gehen.“ hat uns uns Chiara gesagt, die nette Begleitung aus Rimini. Leider haben sich in dem „Aqua calda“ (warmes Wasser) auch rote Nesselquallen eingefunden, die auf uns lauern, trotz der Fumarolen im Meer, die das Meer unnatürlich wärmen. Die giftigen Gase sollten nicht unbedenklich eingeatmet werden – es kann zu Bewußtlosigkeit führen. Der schon seit der Antike genutzte Heilschlamm-Tümpel für Gelenk-, Haut- und Atemwegsprobleme nebendran ist auch nicht ohne! Sorglos sollte man nicht in den heißen Schlamm steigen, der durch vom Thermalwasser losgelösten Schlamm entsteht. Bei gewissen Krankheiten besteht Kontraindikation! Ein Mädchen aus Deutschland jammert – es habe sich den Fuß an den heißen Steinen vor dem Tümpfeleinstieg verbrannt. Das Baden im Meer versucht sie auch vergeblich wegen der Quallen – auch am nahebei gelegenen schönen, berühmten schwarzen Sandstrand der „Spiaggia Sabbie Nere“: keine Chance! Am Schluss begegne ich ihr und sie klagt über Übelkeit – die Dämpfe sind nicht nur für Kinder nicht ungefährlich! Aus dem Heilschlamm werden kosmetische und Therapieprodukte in allen Varianten angeboten.

Gran Cratere und Der große Bär – Orso maggiore Hotel 

Während der weiteren Inselerkundung können wir im herzlichen Familienbetrieb bei Rodolfo und seiner Schwester weitere Inselspezialitäten kosten: nach Antipasti-Variationen fangfrische Gamberoni und Scampi, zum Abschluss einen Vodka mit Feigen. Anscheinend habe ich diese „Warnung“ nicht richtig verstanden, denn ohne zu zögern schließe ich mich der Gruppe an, die den

Vulcano Gran Cratere besteigen will. Ein Spaziergang, dachte ich. Als jedoch der riesige Berg auftaucht überlasse ich anderen den Aufstieg, wo dem Vulkan in sein schwefelspeienden Schlund geschaut werden kann und mache lieber erneut eine Inselrundfahrt mit. Alle berichten, der Aufstieg sei nicht schwer gewesen – aber 30 °C sind nicht ideal für Bergaufstieg-Ungeübte! Die Panorama-Aussichtspunkte auf Vulkano auf die Nachbarinseln sind so spektakulär – beim zweiten Mal sehe ich sogar von oben eine Truppe Delfine ihre Spur im Meer ziehend beim Luftschnappen.

Abends, vorbeiwandelnd an roten, weißen, gelben und rosafarbenen Hibiskusblumensträuchern erreichen wir das Hotel-Ristorante Conti zwecks Aperitif.

Mein Mückenschutzmittel liegt im Hotel – dieses nutzen Myriaden von Moskitos aus, die auf unsere internationale Gruppe als Abendmahlzeit warteten. Wer hier mehr von den Spezialitäten hätte, steht außer Frage. Keine Stelle am Körper, die nicht zerstochen wurde!

Vulcano – der Film

Vulcano ist, wie viele der Inseln, beliebter Filmdrehort. Der berühmte Film „Vulcano“ mit Anna Magnani zeichnet ein Sittengemälde der Zeit mit dramatischer Handlung inclusive Vulkanausbruch mit Toten.
Zurück auf Lipari wird im eleganten Arciduca-Konferenzraum noch ein Mirabilia-Abendessen kredenzt: Fischravioli mit Zucchini-Shrimps-und-Safran-Creme, Schwertfisch in Mandelkruste begleitet von rotem und weißem Salina-Wein. Phantastisch, was die Inselküche an Delikatessen so hergibt!

Entschleunigung auf der grünen Insel Salina – der Zwillingsinsel Didyme

Vom liparischen Hafen Marina Corta geht es am nächsten Tag in einer halben Stunde mit dem Aliscafo Antioco nach Santa Marina Salina, dem sturmsichersten Hafen der Region der zweitgrößten Insel des Archipels. Die Silhouette Salinas ähnelt einem Zwillingsvulkan (gr. Didyme), es sind jedoch sechs erloschene Vulkane. Die mit Farnen und und Pinien bewachsenen erloschenen Vulkane Fossa delle Felci (962 m) und Monte dei Porri (860 m) überragen alle. In Santa Marina Salina fällt gleich ein rostiges Fahrrad ins Auge, welches in ein Betonschild einbetoniert ist. „Kunst?“, fragt sich der Tourist. Ein Blick auf die andere Seite des Kunstwerks zeigt das Fahrrad inmitten eines Kinoplakates – es ist das Fahrrad des „Il Postino“ (Der Postmann) – aus dem gleichnamigen mehrfach preisgekrönten Film (Oskar 1994) „Il postino“ mit Philippe Noiret als Pablo Neruda. „Il postino“ wurde auf Salina gedreht. Noch heute kommen viele Leute in den Ort Pollara, um der „Stimme des Meeres“ in der Bucht zu lauschen.

Salina ist nach dem südöstlich bei Punta Lingua gelegenen Salzteich benannt, aus dem Salz gewonnen wurde. 1910 gab es ein großes, verheerendes Erdbeben und von den ehemals 10.000 Bewohnern blieben nur noch 2.000 übrig.

Heute ist die Insel bekannt für die besten Kapern der Welt und den berühmten Malvasia-Wein. Die pikant schmeckenden Kapern sind die eingelegten Knospen des Kapernstrauches, die auf Feldern angebaut werden und werden ihrer Größe entsprechend klassifiziert. Aus Kapern wird alles gemacht, sogar äußerst schmackhaftes Kaperneis! „Cucuncio“ (Kapernapfel) ist die ebenfalls äußerst schmackhafte, pikante Frucht des Strauches. Da die Kapernernte teure Handarbeit ist, wird heutzutage viel mit Marrokanern und Tunesiern zusammengearbeitet. Malvasias Reichtum entstand durch den Malvasia-Weinanbau und Handel. Insgesamt 150 Handelsschiffe waren Salinas zueigen, bevor ein Virus alle Malvasia-Weinreben befiel und 30.000 Einwohner zur Emigration aus ökonomischen Gründen zwang – meist nach Australien. Heute gibt es wieder Malavasia-Weinanbau und es ist wieder der Exportschlager Salinas!

Seit nur 40 Jahren gibt es Tourismus auf Salina – eine absolute Ruhe-Oase!

Salina ist für Trekking hervorragend geeignet, besonders im Naturreservat der beiden Berge mit elf Pfaden, wo der majestätische Flug des endemischen Falkes beobachtet werden kann. Für Unterwasserfans sind die klaren, sauberen Gewässer ein Tauchparadies! In Polara, erklärt Giovanni Cobau, fällt das Meer bis auf eine Tiefe von 2000 Metern ab, auch Schildkröten und Delfine können bewundert werden.

„Viele Touristen kommen hierhin für einen Tag, bleiben jedoch eine Woche und schalten ihr Smartphone aus.“ beschreibt Giovanni Cobau die herrliche Stille, die die Insel verströmt. Wie Balsam für die lärmgequälte Seele von uns Großstädtern! Auf Salina gibt es vom 5-Sterne Hotel bis zum B&B für jedes Portemonnaie qualitativ hochwertige Herbergements. Mehr unter www.salinaisolaverde.it

Rundfahrt

Da Alfredo Giovanni führt uns in einer Busfahrt über die Insel entlang der mühsam in den begrünten Felsen gehauenen 70 Meter hohe Küstenstraße, als allererstes nach Punta Lingua. Rote eisenhaltige Felsgesteine lugen hervor. Vorbei an dem berühmten Salzteich geht es zu der noch berühmteren, preisgekrönten Bar „Da Alfredo“, wo es das beste „Granita“ (zerkleinerte Eisklumpen) in unglaublicher Geschmacksvielfalt gibt, darunter auch die inseltypische Maulbeere „gelso“ – Schlagsahne. Binnen 20 Minuten hat er unsere ganze 60-köpfige Truppe wie versprochen versorgt.

Pollara

Vorbei an der Slowdown-Küstenstadt Malfa geht es weiter nach Pollara, einem kleinen Dörfchen in 100 m Höhe über den Küstenfelsen an den Hängen des Monte dei Porri und zur Klippe von Pollara, dem berühmten Filmdrehort mit Panoramablick, mit vielen Grotten, türkisblauem Wasser und dem Felsentor Arco de Desideri. Hier werden wir mit einem Malvasia-Apperitif begrüßt und können verschiedengroße Kapern kosten. Vorbei an gigantischen farbenfrohen Bougainvillea-und Oleandersträuchern, Palmen, Olivenhainen und Kakteenbüschen geht es zu einer langen, steilen Treppe, sich in Serpentinen hinab zum Meer windend – wo jedoch das Tor unten leider verschlossen ist und Badefreuden nicht immer ermöglicht.

Ein besonderer Clou für Filmfreunde und Philippe Noiret-Fans ist eine steinerne Bank vor der Kirche, auf der Philippe Noiret und sein Filmpartner Massimo Troisi gemalt sitzen und sich anschauen. Zwischen ihnen ist eine Lücke, so dass es für hübsche Souvenirfotos reicht – sitzend zwischen den beiden Protagonisten.
Malfa

Zurück nach Malfa, eingebettet in Weinhänge, Kapernfelder und Olivenhaine, erklärt uns Giovanni, dass es zwei Kirchen gibt, eine unter der Herrschaft der Spanier entstanden und danach wurde eine weitere gebaut, um den Beweis anzutreten, die Herrschaft der Spanier endgültig abgeschüttelt zu haben. Vorbei am Emigrationsmuseum geht es steil hinauf vorbei an riesigen Pinien Marittime, Granatäpfelbäumen, Blüten und Blumen aller Art, von Schmetterlingen umschwirrt zur ehemaligen Patriziervilla, die heute für Events dient. Unsere Gastgeber haben alles „aufgefahren“, was die Insel an Delikatessen hergibt: Malvasia-Weine aus Salina und delle Lipari in allen Farben und Süße/Trockengraden, Passito, Prosecco – nicht nur Dionysios hat hier in seinem Weinfass gelacht.Kulinaria wie kandierte in Zuckerlikör eingelegte Mandarinen, Käse und Salami mit Schwarzkirschmarmelade, Tartelets belegt mit roten-Zwiebel-Marmelade, Olivenpaste, Kapernsalat, Kichererbsensalat, frittierte Zucchiniblüten, wilder Fenchel, Kuchen mit Streifen eingedickten Apfelsaftes, süße Cannoli (Windbeutelart) und endlich: Kaperneis: hhm! Einfach köstlich! Zurück zum Hafen Santa Marina Salina, wo ein Boot auf uns wartete Richtung der Promiinsel Panarea und zum berühmten Vulkan Stromboli. Leider lachten sich Windgott Aiolos und Neptun zusammen über uns kaputt: Trotz strahlend blauem Himmel und besten Wetterverhältnissen wurden alle Passagiere auf dem Oberdeck mit Extraduschen von Neptun pitschnaß gespritzt, während Unterdeck einige die Plastiktüten zücken mussten, um das köstliche Lunch zu entsorgen, während andere seekrank auf den Bänken lagen. 

Eine kleine Entschädigungsrunde entlang der Westküste Liparis machte jedoch den versäumten Besuch dieser beiden spektakulären Inseln nicht wett – Ci rivediamo, Isole Eolie!!!!
Air Berlin Direktflug Berlin-Catania 2,5 Std.

Anmerkungen:

Die Recherche wurde unterstütz von Business Unit Turismo TTG Italia.

Vorstehender Artikel von Eva-Maria Koch ist eine Erstveröffentlichung im Weltexpress.

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