RAF-Prozess in Stuttgart: Neue Anschuldigung gegen Verena Becker

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Berlin (Weltexpress, RIA Novosti) - Ein neuer Prozess gegen die RAF-Terroristin Verena Becker beginnt am Donnerstag im Oberlandesgericht Stuttgart. Die heute 57-jährige Becker wird beschuldigt, an dem Mordüberfall auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback, dessen Fahrer Wolfgang Göbel und Leibwächter Georg Wurster teilgenommen zu haben.

Der ursprüngliche Prozess gegen Verena Becker im Zusammenhang mit dem Mord an Buback und dessen Begleitern war 1977 aufgenommen worden. Damals wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt. 12 Jahre später wurde sie von Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigt: Es wurde entschieden, dass die Schuldbeweise gegen Becker nicht ausreichend seien.

Erst am 21. April 2007 wurde bekannt, dass Becker bereits in den 80er Jahren bei einer Vernehmung angegeben habe, auf Buback habe Stefan Wisniewski, ein weiteres RAF-Mitglied, geschossen. Vorher waren allerdings Informationen aufgetaucht, am Überfall sei auch eine Frau beteiligt gewesen.

Im April 2008 rollte die Staatsanwaltschaft den Fall Becker wieder auf. Dabei wurden neue Beweise für ihre Beteiligung am Mord von Buback und dessen Begleitung gefunden. Im August 2009 wurde Becker festgenommen, gegen sie wurde eine neue Anschuldigung erhoben. Im Dezember, nachdem sich Becker über die Haftbedingungen beschwert hatte, wurde sie entlassen. Derzeit lebt "die heutige Heilpraktikerin und Hartz-IV-Empfängerin", wie Michael Sontheimer heute in Spiegel-Online schreibt, unter einem anderen Namen in Berlin.

Die Rote Armee Fraktion war beschuldigt worden, 34 Mordanschläge sowie zahlreiche Sprengstoffanschläge und Banküberfälle begangen zu haben. Diese „kommunistische antiimperialistische Stadtguerilla“ war 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und einigen anderen jungen Menschen nach dem Muster südamerikanischer Partisanengruppen gegründet worden. Die Entstehung der Terrororganisation wird meist auf die damalige sozialpolitische Situation in West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland zurückgeführt. Die in den 60er Jahren herangewachsene Jugend bewertete anders als Vertreter der älteren Generation deren Handlungen im Zweiten Weltkrieg und zog das Existenzrecht der Bundesrepublik in der damaligen Form in Zweifel. Auf dem Territorium der Bundesrepublik entstanden eine außerparlamentarische Opposition und Studentenvereinigungen, die ihre Proteste friedlich bekundeten. Die RAF betrachtete sich als die revolutionäre Avantgarde der Opposition, die sich zu einer Weltrevolution berufen sah.

Die RAF-Spitzenvertreter starben 1976 und 1977 im Gefängnis Stammheim. Laut der offiziellen Version begingen Meinhof, Baader, Ensslin und Jean-Carl Raspe Selbstmord.

2008 drehte Regisseur Uli Edel den Spielfilm „Der Baader-Meinhof-Komplex“ über die RAF-Geschichte.

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