Qual der Moral – Zac Efron lehrt Anstandslektionen im humorfreien “17 Again”

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Zac Efron in "17 Again"
Berlin (Weltexpress) - Entstand “17 Again” vielleicht im Mormonenstaat Utah? Möglich angesichts der intoleranten Botschaft, die Regisseur Burr Steers und Drehbuchautor Jason Filardi an ihr junges Publikum herantragen. Matthew Perry gibt in dem zweifelhaften Teenagerfilm den frustrierten Versagertypen. Der ist durch Magie plötzlich süße Siebzehn und verwandelt in den ach so süßen Hauptdarsteller Zac Efron. Die Moralkeule, die Efron in “17 Again” schwingt, lässt ihn peinlich alt aussehen.

Mit Hauptcharakter Mike O ´Donnell hat dessen Darsteller Mathew Perry die versandete Karriere gemein. Von Perrys erfolgreichen Anfängen ist heute geblieben, dass er als einziger der “Friends” – Fernsehserienbesetzung nicht mit dem Schmähpreis “Golden Raspberries” dekoriert wurde. Perrys Filmfigur Mike war in der High School ein erfolgreicher Basketballspieler. Als seine Freundin Scarlet ein Kind erwartet, gibt er die Sportlerkarriere auf und heiratet sie. Nach diesem einleitenden guten Ausgang unternimmt “17 Again” einen Zeitsprung um zwanzig Jahre. Aus dem gutaussehenden Sportler Mike ist ein dicklicher Karriereversager geworden. Scarlet (Leslie Mann) hat die Scheidung eingereicht, zu den gemeinsamen Kindern Alex (Sterling Knight) und Maggie (Michelle Trachtenberg) hat Mike keine Beziehung. Wer sich eine sarkastische Abrechnung mit dem wirklichkeitsfremden Ideal des ewigen Glücks nach dem Filmabspann erhofft, wird mit dem Gegenteil konfrontiert. Durch Zauberei ist Mike plötzlich wieder ein Siebzehnjähriger (Zac Efron). Um sein Leben noch einmal ohne Fehler zu leben, schreibt er sich an der Oberschule seiner Kinder ein. Dort wird er mit den eigenen Versäumnissen seines Erwachsenendaseins konfrontiert.

Karriere verpatzt, Ehe kaputt, keine Bindung zu den Kindern? In ein paar Tagen lässt sich das gutmachen, im seichten Komödienfehlschlag “17 Again”. Manchmal scheint Hollywood nur zwei Arten von Jugendkomödien zu kennen: das kreuzbrave Romantikfilmchen, worin der erste Partner der einzig wahre ist und die Vorbestimmten auf ewig zueinander finden, mit hübschem Mittelstandsfamilienleben in Aussicht und den in seiner Verklemmtheit nicht minder konservativen Sexklamauk voll verkrampfter Witzchen über Blondinen, Schwule und Körperflüssigkeiten. Was sich leichter ertragen lässt, hängt von der Ausprägung der doktrinären Moralbotschaften und Vorurteile ab. “17 Again” nimmt darin eine Vorreiterstellung ein. Unter der jungenhaften Hülle verbergen sich bei Mike zwanzig Jahre Lebensweisheit. Also erteilt er seinen Schulkameraden altväterliche Morallektionen. “Wie sollen euch Männer respektieren, wenn ihr euch nicht selbst respektiert?”, fragt er eine Gruppe Mädchen, die ihn attraktiv finden. Junge Frauen, die sich modisch anziehen und die Initiative ergreifen, benehmen sich wie Schlampen, vermittelt die Szene. Während der verjüngte Mike seinem Sohn zu einer Freundin verhilft, boykotiert er hartnäckig die Beziehung seiner älteren Tochter. Der Film verurteilt nicht nur weibliche Sexualität per se, sondern alles, was beziehungstechnisch von ärgstem Spießbürgertum abweicht. So wird der junge Mike allseits als “pervers” deklariert, weil er seine Ex-Frau Scarlet anschmachtet. Die ist nun zwar älter als der verjüngte Mike, aber noch lange nicht alt und selbst wenn sie es wäre, gab es nicht “Harold and Maud“? .Dass Scarlet sich zu dem siebzehnjährigen Mike hingezogen fühlen könnte, schließt “17 Again” geflissentlich aus. Stattdessen sucht Scarlet nach einem graumelierten Partner.

Gelernt hat Mike aus seinen vergangenen Versäumnissen nichts. Ansonsten würde er nicht vor einer Schulklasse, mit besonderem Blick auf seine anwesende Tochter, im Sexualkundeunterricht den Verzicht auf Verhütungsmittel predigen, welche die Lehrerin verteilen möchte. Stattdessen sollen die Schüler sich in Enthaltsamkeit üben. Statt Mike scheint hier George W. Bush wieder siebzehn geworden zu sein. Kondome? Weg damit! Allerdings ist das nicht “sicher” sondern denkbar unsicher und leichtsinnig. Gerade Mike sollte aus eigener Erfahrung wissen, wie nachteilig sich ein ungewolltes Kind auf die Lebenspläne jugendlicher Eltern auswirkt. Selbst im prüden Amerika ist Mikes Moralpredigt überholt, hierzulande bleibt einem das höhnische Lachen aus Empörung im Halse stecken. Amüsieren kann man sich somit über die geistlose Komödie nicht. Dass Mikes Jugend mit Versuchungen und  neuen Fehlern einhergehen müsste, übergeht der Film. Der Hauptcharakter bleibt tadelloser Saubermann. Es heiße doch “Liebe machen” betont Mike. Nein, “Liebe machen” hat es nicht einmal die Großmutter genannt. Dazu kann Liebe weder Babies noch Krankheiten verhüten. Erstes ist ohnehin nicht nötig, denn Mike setzt in seiner Ansprache noch eins drauf. “Liebe machen” macht man nur, um Kinder zu zeugen. Da steigen den verirrten Jugendlichen vor Rührung die Tränen in die Augen. Die bösen Verhütungsmittel weisen die Geläuterten von sich.

Angesichts von soviel Lustfeindlichkeit und Weltfremdheit erscheint sogar der Papst als freizügiger Lebemann. Dafür liefert “17 Again” eine solide Erklärung, warum es in den konservativsten US-Bundesstaaten die meisten Teenagerschwangerschaften gibt. Und die meisten Scheidungen. Doch dies vertuscht das schmalzige Machwerk. Mikes und Scarlets zweitem Zueinanderfinden steht nichts im Wege, Zauberei sei Dank. Wer wird sich denn gleich unmoralisch scheiden lassen?  Nie wieder “17 Again”!

* * *

Titel: 17 Again

Genre: Komödie

Land/Jahr: USA 2009

Kinosstart: 14. Mai 2009

Regie: Burr Steers

Drehbuch: Jason Filardi

Darsteller: Zac Efron, Leslie Mann, Thomas Lennon, Michelle Trachtenberg, Matthew Perry

Verleih: Warner Bros.

Internet: www.17Again-DerFilm.de

Laufzeit: 102 Minuten

FSK: Ohne Altersbeschränkung

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