Nullnummer gegen den MSV Duisburg – 1. FC Union blickt weiter in den Abgrund

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Links der Trainer des 1. FC Union und rechts der des MSV Duisburg.
Die Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Fußballspiel zwischen dem 1. FC Union und dem MSV Duisburg in Berlin. © 2018, Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Es war ein Wetter, um Heldentaten zu vollbringen und das war auch die Aufgabe, die von beiden Mannschaften erwartet wurde. Das Spiel Nummer 255 der Saison 2018/19 war ein Krisentreffen. Der Aufsteiger MSV Duisburg war mit 37 Punkten auf der Habenseite zum 1. FC Union nach Berlin gereist, ein Punkt mehr als die Eisernen. Der Abstand blieb. Der Nachmittag brachte nämlich eine Nullnummer. Als das Spiel abgepfiffen wurde, machte sich bei Zuschauern und Akteuren Ratlosigkeit breit. Das torlose Unentschieden war für die Eisernen eine gefühlte Niederlage.

Es war grausam. Die rot-weißen hatten mehr Torschüsse, mehr Ballaktionen, die bessere Zweikampfquote, in fast allen Statistik Wertungen lagen sie vorn, nur in der Wertung Fouls am Gegenspieler waren die Zebras aus Duisburg besser. Union wollte gewinnen und investierte dafür alles was aktuell zur Verfügung steht. Der MSV Duisburg wollte nur den Punkt verteidigen. Die Eisernen schafften es nicht, gegen die nach Anzahl der Gegentore schwächste Abwehr der Liga ein einziges Tor zu erzielen. In der 1. Halbzeit hätte Philipp Hosiner eine richtige dicke Möglichkeit, nach glänzender Vorarbeit durch Steven Skrzybski, verfehlte er in der 25. Minute nur knapp das Tor. Der Torschrei blieb unvollendet. In der 36. Minute setzte Hosiner zu einem Fallrückzieher an. Der sehr agile Christopher Trimmel war auf der rechten Seite los gesprintet und flankte in den Strafraum. Von den Gästen dagegen war nicht viel zu sehen. Insgesamt hatte sie nur 4 Torschüsse während des gesamten Spiels.

In der zweiten Halbzeit verstärkten die Eisernen ihre Bemühungen und verzweifelten immer mehr. In der 69. Minute versuchte sich Trimmel mit einem Fernschuss, den Mark Flekken mit einer Flugeinlage um den Pfosten lenken konnte. Egal, was die Eisernen versuchten, immer war in letzter Konsequenz ein Verteidiger-Körperteil dazwischen oder es fehlte die Präzision. Es war kein berauschenden Fußball, es überwog der Kampf über den die Eisernen nicht ins Spiel fanden. Noch 5 Spiele haben sie Zeit, den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Aktuell sind es 3 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und 5 Punkte Vorsprung auf Platz 17. In der Endphase der Saison gibt es kein ruhiges Mittelfeld mehr. Jede weitere Niederlage kann verheerend sein.

Was können sie noch tun beim 1. FC Union? Geredet wurde genug. Die nächsten Gegner auswärts heißen FC St. Pauli und Darmstadt 98, dazwischen liegt das Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim. Ruhe sollte jetzt die erste Bürgerpflicht sein. Wenigstens haben sie nicht ganz den Humor verloren in Köpenick. Das wieder lesenswerte Stadionheft erschien mit der selben Aufmachung wie Ausgabe vom 6. April 2003. Die Schlagzeile „Heute wie damals: Fight gegen den Abstieg – macht’s wie Eure Vorgänger Kämpft, Unioner“ und weiter „Diese Art der Arbeitserleichterung beim Union-Programm-Machen hatten wir uns eigentlich nicht gewünscht.“

Taktik

Die zuletzt angeschlagenen Marc Torrejon und Steven Skrzybski konnten wieder mitspielen. Andre Hofschneider ließ, wie zuletzt in Fürth, bei Ballbesitz ein 3-5-2 und gegen den Ball ein 5-3-2 spielen. Die Zebras aus Duisburg setzten ein defensiv ausgelegtes 4-4-2 dagegen. Sie schafften es, die Räume eng zu machen und das Kombinationsspiel der Eisernen wirksam zu unterbinden. Flügelwechsel mit langen Bällen hätten ein Mittel sein können. Ansätze von Gefahr taten sich im Spiel der Eisernen auf, wenn die vorgezogenen Außenverteidiger Kristian Petersen und Christopher Trimmel schnell auf ihrer Seite aufrückten. Insgesamt waren es zu wenig verwertbare Flanken.

Die Duisburger waren nach 4 Niederlagen in Folge darauf bedacht, wenig zuzulassen. Es gelang, nur 2 sehr gute Torchancen waren für die unermüdlich anrennenden Unioner zu notieren. Selbst Freistöße aus aussichtsreicher Position sprangen für die Eisernen nicht heraus. Den ersten von insgesamt nur 4 Eckbällen holten die Eisernen erst in der 48. Minute heraus. In der 61. Minute brachte Hofschneider Simon Hedlund für Grischa Prömel. Die taktische Grundordnung änderte er nicht. Dennis Daube rückte nach hinten, übernahm die Position von Prömel und Hedlund rückte auf die Position hinter den Sturmspitzen. Durch die Hereinnahme von Marcel Hartel (ab der 75. Minute) für Innenverteidiger Marc Torrejon wurde auf ein 4-3-3 umgestellt. Ein Systemwechsel, der angesichts der drohenden Nullnummer nicht zu mehr Torgefahr führte. Duisburgs Trainer wechselte erst in der 84. Minute positionsgetreu auf der Position des rechten Außenverteidigers, für Andreas Wiegel kam Dan-Patrick Poggenberg. Die beiden anderen Wechsel in der Nachspielzeit sollten helfen, das 0:0 über die Zeit zu bringen. Bei der Nullnummer blieb es.

Es wurde nicht besser für die Eisernen. Phasenweise hatte man den Eindruck, dass Angst die Seele frisst. Das Stadion war fast ausverkauft und die Unterstützung vorbildlich. Die personelle Situation bei den Wuhlheidern hatte sich am Spieltag entspannt. Wenn auch Steven Skrzybski in einigen Aktionen anzumerken war, dass er noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Für Hofschneider geht es nach der Nullnummer darum konzentriert weiter zu arbeiten, an den grundlegenden Abläufen will er nichts ändern.

Stimmen zum Spiel

Andreas Wiegel (MSV Duisburg): „Wir können zufrieden sein. Ich selbst bin froh, nach der Verletzung wieder auf dem Platz stehen zu können.“

Felix Kroos (Kapitän 1. FC Union Berlin): „Wir sind kaum durchgekommen. Es gab eins, zwei gute Situationen, im Endeffekt war es zu wenig, wir brauchen Punkte und das dreifach. Ich kann mich selbst nicht mehr reden hören. Jede Woche zu sagen der Einsatz hat gestimmt und so weiter…jetzt müssen wir es erzwingen.“

Mark Flekken (Torwart MSV Duisburg): Insgesamt haben wir hier ein gutes Spiel abgeliefert. Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. In der 1. Halbzeit haben wir nur eine Chance zu gelassen und in der 2. Halbzeit konnten wir weiter machen, am Ende stand die Null, Schönspielen kannst du dir jetzt nicht leisten.“

Christopher Trimmel (1. FC Union Berlin): „Wir müssen trotzdem optimistisch bleiben, jetzt auf den Tisch zu hauen bringt doch nichts. Die Basics müssen abgerufen werden, Zweikämpfe annehmen, laufen und kämpfen, dann werden wir auch wieder belohnt. Die Situation ist nicht einfach, die älteren, erfahrenen Spieler müssen jetzt die nötige Ruhe ausstrahlen. Bei meiner gelben Karte habe ich zu emotional reagiert.“

Ilia Gruev (Trainer MSV Duisburg): „Beide Mannschaften stecken in einer schwierigen Phase. Wir haben zu Null gespielt das war wichtig. Union ist eine starke Mannschaft und hier einen Punkt zu holen ist schwer. Insofern sind wir froh, dass es uns gelungen ist und nehmen dieses positive Erlebnis gerne mit.“

André Hofschneider (Trainer 1. FC Union Berlin): „Zu Null gespielt zu haben ist auch für uns wichtig, trotzdem hatten Pwir robleme, Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Duisburg hat es uns schwer gemacht. Jetzt müssen wir den Kopf wieder aufrichten und uns auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. Was der Punkt von Heute wert ist, werden wir sehen.“

Spieldaten

Fußball, 2. Bundesliga, 29. Spieltag, Saison 2017/18, Berlin, den 7.4.2018, 13:00 Uhr

1. FC Union Berlin
Tor: Jakub Busk; Abwehr: Christopher Trimmel, Toni Leistner, Marc Torrejon (ab 75. Marcel Hartel), Marvin Friedrich, Kristian Pedersen; Mittelfeld: Felix Kroos, Grischa Prömel (ab 61. Simon Hedlund), Dennis Daube, Angriff: Philipp Hosiner, Steven Skrzybski 3-5-2 (5-3-2)
Trainer: Andre Hofschneider

MSV Duisburg
Tor: Mark Flekken; Abwehr: Andreas Wiegel (ab 84. Dan-Patrick Poggenberg), Dustin Bomheuer, Gerrit Nauber, Kevin Wolze; Mittelfeld: Ahmet Engin (ab 90. Nico Klotz), Fabian Schnellhardt, Levent Aycicek, Lukas Fröde, Moritz Stoppelkamp; Angriff: Stanislav Iljutcenko (ab 90. Kingsley Onuegbu), Boris Tashchy 4-4-2
Trainer Ilia Gruev

Gelbe Karten: 29. Minute Christopher Trimmel (1. FC Union Berlin)

Ergebnis: 0:0

Tore: Fehlanzeige

Zuschauer: 22.012 im Stadion An der alten Försterei sahen die Nullnummer

Schiedsrichter: Florian Heft; Patrick Schult; Stefan Zielsdorf; Henrik Bramlage

Wetter: angenehm und sonnig bei 18 Grad Celsius

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